Seit 25. November erst 115 Tonnen Streusalz benötigt

Am Baubetriebshof der Stadt Meinerzhagen wurde im vergangenen Jahr ein zweites Silo aufgestellt, der mögliche Vorrat an Streusalz damit verdoppelt. ▪ Archivfoto: Helmecke

MEINERZHAGEN ▪ Am Freitag soll es laut Wettervorhersage möglicherweise etwas schneien. Schnee und Eis waren im bisherigen Verlauf dieses Winter allerdings eher die Ausnahme – ganz im Gegensatz zu den vergangenen beiden Perioden. Da hatte es reichlich gefrorenen Niederschlag gegeben.

Die Streu- und Räumkommandos der Kommunen und des Landesbetriebs Straßen NRW mussten so viele Einsätze wie selten zuvor fahren. Streugut wurde zur knappen und teuren Mangelware. Ganz anders die Bilanz zur Halbzeit des laufenden Winters 2011/12.

„Wir haben seit dem 25. November erst 115 Tonnen Streusalz im gesamten Stadtgebiet verbraucht“, informiert auf Anfrage unserer Zeitung der technische Werkleiter des Baubetriebshofes der Stadt Meinerzhagen, Michael Adolph. Zum gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres waren bereits 500 Tonnen eingesetzt worden – und es gab über Wochen hinweg trotz vertraglich gesicherter Bestellmengen keinen Nachschub.

Dass der aktuelle Winter bislang deutlich milder ausgefallen ist, kann der Werkleiter auch an den schriftlichen Einsatzberichten seiner Mitarbeiter ablesen. „Im vergangenen Jahr musste ich zu diesem Zeitpunkt bereits einen neuen zweiten dicken Aktenordner anlegen, um alle Berichte ablegen zu können, jetzt ist der erste Ordner gerade mal zu einem Viertel gefüllt“, beschreibt es Michael Adolph anschaulich. Bislang erst an zehn Tagen gab es für den Baubetriebshof Winterdienst-Einsätze. Größere Schneemengen waren dabei noch nicht zu beseitigen. Meist ging es um das Abstreuen von Fahrbahnen und Gehwegen wegen Glatteisgefahr.

Durch die Errichtung eines zweiten Streusalzsilos im vergangenen Jahr hatte der Baubetriebshof am Darmcher Weg seine Vorratskapazität an Streugut auf 450 Tonnen erhöhen können. Und rechtzeitig vor der laufenden Winterdienst-Saison wurden beide Silos randvoll gefüllt – „noch zu den alten Preisen von 49 Euro pro Tonne“, wie Adolph betont und damit deutlich unter dem neuen Preisniveau. Die Salzlieferanten hatten nämlich als Folge der zuletzt deutschlandweit starken Nachfrage ihre Preise deutlich angehoben. Aktuell müssen bis zu 95 Euro pro Tonne Streusalz bezahlt werden.

Auch der Meinerzhagener Baubetriebshof hatte sich nach Auslaufen des bisherigen Vertrags wiederum an einer in Regie des Landesbetriebs Straßen NRW durchgeführten Sammel-Ausschreibung beteiligt. Mit dem Ergebnis dieser neuen Vertragsrunde allerdings ist Michael Adolph alles andere als glücklich. Nicht nur dass jetzt 30 Euro pro Tonne mehr bezahlt werden müssen, sorgt für eine eher negative Beurteilung. „Es gibt offenbar massive Qualitätsprobleme mit dem neuen Streusalz“, hat Adolph aus Gesprächen mit Kollegen anderer kommunaler Bauhöfe erfahren. Das aus Marokko stammende Salz sei offenbar zu nass und von geringerer Qualität, verklumpe leicht, so dass bereits zu akuten Problemen beim Ausbringen des Streugutes auf den Straßen und so gar zu verstopften Silos gekommen sei, werde berichtet. Klage werde über das mangelhafte Material auch von den Straßenmeistereien geführt.

Mit dem Lieferanten, der den Zuschlag im Wege einer europaweiten Ausschreibung erhalten hatte, werde aktuell über die auftretenden Schwierigkeiten verhandelt, so Adolph. Letztlich könnte es dazu kommen, dass durch Gutachten und womöglich sogar auch erst im Klageweg entschieden wird, ob das gelieferten Salz den Anforderungen entspricht – oder ob wegen nachweislicher Mängel es womöglich sogar zu einer Auflösung des Liefervertrages kommt.

Michael Adolph jedenfalls will bis auf Weiteres auf Nachbestellungen verzichten. Denn noch stehen ja rund 335 Tonnen des guten alten Materials aus deutscher Produktion zur Verfügung. Da der neue Liefervertrag ohnehin nur auf zwei Jahre Laufzeit begrenzt ist, dürfte sich aus Meinerzhagener Sicht die Überlegung lohnen, ob man künftig nicht wieder selbst und ohne Einschaltung des Landesbetriebs Straßen NRW sich auf dem freien Markt geeignete Salz-Lieferanten suchen sollte.

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