Rekordniederschlagsmenge dürfte übertroffen werden

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Dieses Bild von der Listertalsperre verdeutlicht die Situation: Nach den ergiebigen Regenfällen der vergangenen Tage ist der Stausee nahezu randvoll gefüllt. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Der Dezember 2012 dürfte in Meinerzhagen mit einer rekordverdächtigen Niederschlagsmenge zu Ende gehen. Bis einschließlich Freitag fielen schon 275 Liter Niederschlag auf den Quadratmeter.

Und weil auch für die letzten drei Tage des zu Ende gehenden Jahres mit weiterem Regen zu rechnen ist, wird in der Addition die Gesamtniederschlagsmenge wohl über 300 Litern liegen. 302 Liter vom Dezember 2011 waren für die von Reinhard Hinz betreute Messstelle des Deutschen Wetterdienstes in Meinerzhagen-Redlendorf der hier bislang höchste gemessene Wert.

„Es war eine durchaus für heimische Breiten nicht ungewöhnliche Wetterkonstellation, die uns vor allem über die Weihnachtstage hinweg reichlich Regen brachte“, erläutert im Gespräch mit der MZ Reinhard Hinz. Ein atlantisches Tief mit warmen Temperaturen im Westen, ein ausgedehntes Hoch mit grimmiger Kälte im Osten – und nahezu genau in der Mitte befand sich Deutschland.

Das führte in Meinerzhagen zu ergiebigen Niederschlägen. So regnete es vom 22. Dezember 16 Uhr bis zum Heiligabend 8 Uhr insgesamt 40 Stunden lang ununterbrochen. Allein in dieser Zeit fielen 80 mm Niederschlag beziehungsweise die entsprechende Literzahl auf den Quadratmeter. Auch die beiden Weihnachtsfeiertage waren mit zusammen 40 Litern Niederschlag sehr nass.

Und wieder einmal erfüllte sich in heimischen Breiten der Wunsch nach einer weißen Weihnacht nicht. Wetterbeobachter Reinhard Hinz stellt dazu aber klar: „Das ist durchaus die Regel. Blickt man zurück, so kann man statistisch gesehen nur mit einer Wahrscheinlichkeit zwischen 10 und 15 Prozent auch bei uns mit Schnee zur Weihnachtszeit rechnen.“ Allerdings gab es immerhin 2010 und 2009 zwei aufeinanderfolgende Jahre mit weißer Weihnacht auch in Meinerzhagen. 2011 indes blieb es draußen grün. Dabei bestand in diesem Jahr zunächst noch durchaus Hoffnung auf ungetrübte Winterfreuden: Vom 2. bis 15. Dezember gab es eine geschlossene Schneedecke mit einer maximalen Schneehöhe von immerhin 35 Zentimetern am 13. Dezember.

Am 8. Dezember fiel das Thermometer passend dazu tief in den Keller. Reinhard Hinz las in fünf Zentimetern über dem Schnee eine Minustemperatur von 13,2 Grad, in zwei Metern Höhe die damit offizielle Temperatur von 10,4 Grad minus ab.

Genau ins Gegenteil entwickelte sich die Temperatur dann bis zum Heiligabend, wo es noch knapp zweistellig im Plusbereich warm war. Die höchste Temperatur des Dezembers war in Meinerzhagen am 23. Dezember mit exakt 10,7 Grad plus erreicht.

Der Deutsche Wetterdienst beschrieb die ungewöhnliche Dezember-Wärme über die Weihnachtstage in einem Pressebericht vom 25. Dezember so: „Am Heiligabend etwas zu kühl. So etwa würden die Zeitungen in Südaustralien unsere Heiligabendtemperaturen beschreiben. Dort bringt man sich üblicherweise bei gut 20 Grad in Weihnachtsstimmung. Bei uns aber sind solche Temperaturen an Heiligabend rekordverdächtig. Auch wenn es hierzulande an Heiligabend entgegen den Mitteilungen einiger Medien keine 20 Grad an offiziellen Messstationen gegeben hat, kann der Süden trotzdem mit einigen Allzeitrekorden aufwarten. In Freiburg wurde mit 18,9 Grad die höchste jemals in Deutschland am 24. Dezember amtlich gemessene Temperatur erreicht. Der bisherige Rekord lag bei 18,4 Grad, die 1983 in Geroldsau, einem Stadtteil von Baden Baden, gemessen wurden. Diesmal waren es dort „nur“ 18,2 Grad.

Rekordwerte gab es entlang des Oberrheins bis nach Bingen, in den Voralpen und auf den Hochlagen der Schwäbischen Alb. Dort hat Hechingen mit 18,1 Grad seinen Rekord von 13,3 Grad aus 1977 um fast 5 Grad übertroffen.

In den Höhenlagen hat der Hohenpeißenberg (977 ü. NN) den Vogel abgeschossen. Am Vormittag einer der wärmsten Orte in ganz Europa, wurde schließlich das Maximum mit 16,8 Grad erreicht. Dies ist der Rekord einer über 200jährigen Messreihe. Der 24. Dezember 2012 ist also wirklich erwähnenswert. Wie kam es dazu?

Im Endeffekt war dies ein Ausgleich für den vielen Regen der Vortage. In einer für die Wettervorhersage wichtigen Gleichung finden wir nämlich, etwas lax ausgedrückt, unter anderem: Je größer die Temperaturdifferenz vor und hinter einer Luftmassengrenze, desto mehr regnet es. Viel Regen bedeutet somit im Umkehrschluss viel Wärme. Normalerweise allerdings folgt die Kaltfront rasch nach und der Effekt spiegelt sich nicht über mehr als ein paar Stunden in den Temperaturen wieder. Diesmal allerdings dauert es etwa 2,5 Tage bis zur Kaltfront. Daher konnten sich, unterstützt von der am Heiligabend relativ lang scheinenden Sonne, die Rekordwerte einstellen.

Wer nun gleich wieder auf die Klimaänderung schließt, dem sei gesagt, dass zum Beispiel 1977 am Heiligabend die Temperaturen großräumig höher waren als in diesem Jahr. Und wer hat damals schon von der Klimaänderung geredet? Wem es also diesmal für die Weihnachtsstimmung zu warm war, der denke an die armen Australier, die den Weihnachtsbaum selbst im Süden des Landes bei bis zu 45 Grad anzünden mussten.“ ▪ -fe

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