Hoher Medienkonsum birgt auch Gefahren

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Der Referent Wilfried Brüning. ▪

MEINERZHAGEN ▪ In den vergangenen Jahren ist der Einfluss der Medien immer größer geworden: Vor allem Kinder und Jugendliche wachsen mit Facebook, Youtube, der Playstation und dem Computer auf. Doch der eigene Fernseher im Zimmer und ein internetfähiges Smartphone bergen Gefahren für die Heranwachsenden. Neueste Hirnforschungen zeigen, dass sich ein zu großer Medienkonsum auf die seelische, körperliche und soziale Entwicklung von Kindern auswirken kann.

Diesen neuen Erkenntnissen widmete sich am Donnerstagabend der Regisseur und Medienpädagoge Wilfried Brüning. Auf Einladung des Evangelischen Gymnasiums Meinerzhagen referierte er in der Aula der Schule über die Auswirkungen des Medienkonsums der Kinder. „Noch vor 22 Jahren“, so Brüning, „war das Wörtchen „Internet“ ein Fremdwort für uns. Heute ist es unser Lebens- und Alltagsmittelpunkt. Das hat nicht nur uns, sondern auch unsere Kinder verändert.“

Von Anfang an machte der Referent jedoch klar, dass es ihm nicht um das Verbot jeglicher Medien geht. Der vor allem durch seinen Film „Wege aus der Brüllfalle – Wenn Eltern sich durchsetzen müssen“ bekannt gewordene Regisseur, arbeitet in seinem Beruf tagtäglich mit dem Computer, benutzt Kameras und schneidet mit hochgradig entwickelten Filmprogrammen.

„Wir müssen unterscheiden zwischen Mediennutzung und Medienkonsum. Das Nutzen von Medien zum Arbeiten und zum Erschaffen von eigenen Werken ist absolut förderlich. Kritisch werden Medien nur dann, wenn sie uneingeschränkt und unbedacht konsumiert werden.“

Dass das pausenlose Fernsehen und das Spielen an Playstation, Nintendo und Co. schädlich für die noch in der Entwicklung steckenden Gehirne sein kann, zeigte Wilfried Brüning an verschiedenen Beispielen. Dabei wurden auch die Zuschauer aktiv mit einbezogen. Ein interessierter Vater übernahm die Rolle des dreijährigen Lukas, der zum ersten Mal eine Zitrone riecht, sieht, anfasst und schmeckt. Lukas lernt die für ihn neue Frucht mit allen Sinnesorganen kennen und speichert die Informationen in seinem Gehirn ab. Würde er die Zitrone allerdings nur im Fernsehen und auf einem Bildschirm sehen, so wäre nur das Auge aktiv und es entstehe kein Gesamtbild der Zitrone. Das Gehirn speichere deshalb nur eine unvollständige Beschreibung der Zitrone ab und könne daraus keinen Lerneffekt erzielen. „Die Gehirne von Kindern, die von klein auf mit Computerspielen und dem Fernsehen konfrontiert werden, bleiben also einfacher strukturiert. Sie können sich nicht vollständig entwickeln”, beschrieb Wilfried Brüning die Auswirkungen dieses Beispiels.

Vor allem der Konsum von Nintendo-Spielen und Fernsehshows direkt nach der Schule stelle eine große Gefahr für die jungen Schüler dar. Der im Unterricht gelernte Stoff könne vom Gehirn nicht vollends in Wissen umgewandelt werden und der Weg ins Langzeitgedächtnis bliebe versperrt. Die wirren Fernsehbilder überdeckten das Gelernte. Deshalb hat Wilfried Brüning einen wichtigen Tipp für alle anwesenden Eltern: „Wenn Sie heute Abend nach Hause kommen, dann nehmen Sie den Nintendo ihres Kindes und legen Sie ihn auf die Straße. Danach fahren sie ein paar mal mit dem Auto darüber – denn nur ein kaputter Nintendo, ist ein guter Nintendo.“

Doch der Pädagoge, der selbst Vater von zwei Jugendlichen ist, weiß, dass die Aufgabe der Eltern oft nicht leicht ist. Die innige Beziehung zwischen den Kindern und den Bildschirmen muss gezwungenermaßen aufgelöst und eine begrenzte Medienzeit eingeführt werden. „Erziehung von Kindern war noch nie leicht und durch das Internet und andere Medien wird diese Aufgabe fast unlösbar“, gab der Referent zu denken. Mit den anschaulichen Tipps und den neuen Erkenntnissen schuf er an diesem kurzweiligen Abend jedoch eine gute Basis, die die begeisterten Zuschauer nun ausbauen können. ▪ ws

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