Es geht um die Zukunft der City-Lichtspiele

Cornelia, Heinz und Sohn Sebastian Theiß an der Baustelle, die ihnen Sorgen bereitet. - Foto: Beil

Meinerzhagen - Film- und Gebäudemiete, Strom, Versicherungen und Plakate – das sind nur einige Kosten, die Heinz Theiß, Betreiber der City-Lichtspiele in der Stadthalle, Monat für Monat bezahlen muss. „Und sitzt dann – wie am vergangenen Montag geschehen – nur ein Besucher in der Vorstellung, wird es finanziell gesehen eng.“ Hinzu kommt aus Sicht des Lichtspielhaus-Betreibers der Rückgang der Gästezahlen durch die Großbaustelle im Stadthallen-Umfeld.

Von Jürgen Beil

Deshalb zieht Heinz Theiß nun womöglich die Notbremse: „Im schlimmsten Fall müssen wir das Kino bis zur Beendigung der Bauarbeiten schließen oder sogar ganz aufgeben.“ Dieser Schritt, so Theiß weiter, würde ihm und seiner Frau nach erfolgreichen 14 Jahren als Pächter sicherlich schwer fallen.

Der Chef der Lichtspiele hat beobachtet, „dass seit Beginn der Bauarbeiten die Besucherzahlen kontinuierlich zurückgegangen sind. Eine dramatische Entwicklung ist seit der Sperrung der Straße ,An der Stadthalle’ zu verzeichnen. Nur im unteren zweistelligen Bereich waren im zurückliegenden August die Besucherzahlen angesiedelt. Im Vorjahr lag der monatliche Besucherschnitt noch im mittleren dreistelligen Bereich“, berichtet Heinz Theiß.

Der heimische Unternehmer macht dafür gleich mehrere Faktoren verantwortlich: Den „unübersehbaren Leerstand des Stadthauses“, Bauarbeiten rund um die Stadthalle und die Sperrung der Straße An der Stadthalle. Dadurch, so Theiß, könnten vorbeifahrende Autofahrer auch den Schaukasten der City-Lichtspiele nicht mehr wahrnehmen. „All diese Spontanbesucher, die immerhin rund 90 Prozent der Kinogäste ausmachten, fehlen jetzt.“

Das zurzeit noch triste Stadthallen-Umfeld trägt laut Theiß ebenfalls zur Verschlechterung der Situation bei: „Die Stammkunden des Montagskinos, das zu Wochenbeginn jeweils ab 20 Uhr gezeigt wird, wissen meist, dass das Lichtspielhaus trotz Baustelle noch existiert. Sie trauen sich aber bei Dunkelheit kaum noch allein in das nicht sehr einladende Umfeld der Stadthalle.“

Die Zeiten, in denen in Meinerzhagen täglich Kino „stattfand“, sind längst vorbei. Doch auch Angebote wie das Montagskino sind laut Theiß nun akut gefährdet. „Zurzeit wird das alles noch aus Rücklagen finanziert, die jedoch schnell aufgebraucht sein werden, wenn sich nicht rasch etwas ändert“, erläutert er. Hilfe könnte nach Ansicht von Familie Theiß von der Stadt kommen, in deren Eigentum sich die City-Lichtspiele befinden. „In vielen anderen Orten wird der Erhalt von Kulturstädten wie Kinos jährlich mit städtischen Subventionen gefördert. In Meinerzhagen leider nicht. Alle Kosten trägt hier der Betreiber selbst“, beklagt Theiß. Er hat in diesem Zusammenhang mehrere Bitten an Politik und Verwaltung: Die Schaukäste sollten an einen „straßennahen Ort“ in Kino-Nähe versetzt werden, Wegweiser an den Bushaltestellen wären ebenfalls hilfreich. „Und die Stadt könnte uns mit den Pachtzahlungen während der Dauer der Bauarbeiten entgegenkommen.“

Letzteres kann sich Martin Witscher auch durchaus vorstellen. Er ist bei der Stadt für das Kino zuständig und kann die Sorgen von Heinz Theiß nachvollziehen: „In Sachen Pacht gibt es zumindest Überlegungen, dem Betreiber zu helfen“, erläuterte er auf Anfrage. Grundsätzlich müsse man vielleicht auch überlegen, das Kino im Rahmen des Projektes „Volmemarkt“ an einen anderen Ort im Stadthallen-Umfeld zu verlegen. Witscher: „Heute muss ein Kino drei oder vier Säle haben um bestehen zu können. Das lässt sich in der Stadthalle gar nicht realisieren.“ Dass das Kino – in welcher Form auch immer – erhalten bleibt, liegt auch Witscher sehr am Herzen. An eine Renovierung der alten Lichtspiele glaubt der für Kultur zuständige Verwaltungsmitarbeiter aber nicht. „Jetzt müssen wir erst einmal abwarten, bis das Stadthallen-Umfeld neu gestaltet ist.“

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