Ohne Ticket in Bus und Bahn

Richter traut dem Braten nicht

Statue Justizia
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Die Verhandlung fand im Amtsgericht Meinerzhagen statt.

Ein 20-jähriger Meinerzhagener präsentierte dem Richter im Amtsgericht Meinerzhagen eine abenteuerliche Geschichte. Der traut dem Braten nicht.

Der 20 Jahre alte Meinerzhagener musste sich vor Gericht wegen Erschleichen von Leistungen verantworten – im Volksmund als Schwarzfahren bekannt. Am 25. August und am 24. November 2020 war der Volmestädter in Brandenburg in Bus und Straßenbahn ohne Ticket erwischt worden. Die beiden nicht bezahlten Fahrscheine hätten jeweils 1,80 Euro gekostet.

Dicklicher Kontrolleur soll es auf den Angeklagten abgesehen haben

Im Gericht gab der Mann an, gar nicht mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln habe fahren zu wollen. Vielmehr habe er vorgehabt, zu Fuß in die Stadt zu gehen. Doch in beiden Fällen hätte ihn ein dicklicher Kontrolleur einfach in den Bus beziehungsweise in die Straßenbahn gezerrt und dann ein Ticket von ihm verlangt. „Er hatte es auf mich abgesehen“, so der 20-Jährige. Diese Erklärung sorgte beim Richter für Stirnrunzeln: „Klingt jetzt nicht so wahrscheinlich.“ Auch, wenn es sich laut Akte tatsächlich in beiden Fällen um denselben Kontrolleur gehandelt hatte, schenkte der Vorsitzende dieser Version nicht so recht Glauben.

Sozialstunden nicht vollständig abgeleistet

Im Oktober vergangenen Jahres hatte das Gericht dem Angeklagten 20 Sozialstunden auferlegt, von denen er gerade einmal 4,5 abgeleistet hat. Zudem hielt er schlecht Kontakt zu seiner Bewährungshelferin und zu seinem gesetzlichen Betreuer. Alles Punkte, die nicht gerade für den jungen Mann sprachen.

Angeklagter hat alles andere als eine weiße Weste

Auch, was Vorstrafen anbelangte, konnte der Meinerzhagener keine weiße Weste vorweisen. Vielmehr war er bereits viermal wegen Diebstahls, Sachbeschädigung und Vortäuschen einer Straftat aufgefallen. Während die Vertreterin der Staatsanwaltschaft das Verhalten des Angeklagten als Frechheit und seine Einlassung als Humbug bezeichnete, und infolgedessen zwei Freizeitarreste nach Jugendstrafrecht beantragte, sprach sich der Richter erneut für Sozialstunden aus. 25 soll der Mann bis November ableisten. „Ich will Ihnen weiter im Nacken sitzen“, begründete der Vorsitzende seine Entscheidung. Der Angeklagte müsse lernen, Dinge zu Ende zu bringen, in dem Fall die Sozialstunden. Täte er das nicht, drohten ihm vier Wochen Dauerarrest. Und das nicht nur für die neu auferlegten 25, sondern auch für die bereits verhängten 20 Sozialstunden.

Bislang fehlten feste Strukturen

Der Meinerzhagener machte deutlich, dass er von dem Ganzen nicht viel hielt. Ein Blick in sein bisheriges Leben zeigte, dass ihm bislang feste Strukturen fehlten. Nach der Scheidung seiner Eltern war er immer wieder woanders untergebracht, teilweise in der Jugendpsychiatrie. Auch hat er weder Schulabschluss noch Ausbildung. Derzeit lebt er in Meinerzhagen in einer Unterkunft für Obdachlose. „Ich habe keinen Bock mehr, da rum zu sitzen, weil da ständig nur Junkies sind“, forderte er den Richter auf, ihn aus diesen Lebensverhältnissen herauszuholen. Das, so der Richter, sei allerdings nicht seine Aufgabe, sondern läge allein in den Händen des Angeklagten. Würde dieser endlich begreifen, dass er keine Straftaten mehr begehen darf, würde sich auch an seinen Lebensumständen etwas ändern.

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