Stichwort Distanzunterricht

Grundschulstart mit Distanz-Unterricht - Lernen wieder nur zuhause

Die Klassenzimmer an den heimischen Schulen werden in den kommenden Wochen weitestgehend leer bleiben.
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Die Klassenzimmer an den heimischen Schulen werden in den kommenden Wochen weitestgehend leer bleiben.

Erst verlängerte Weihnachtsferien, jetzt Distanzunterricht. In dieser Woche werden die Klassenräume in den Schulen weitestgehend leer bleiben. Die Schulen sind auf die erneute Runde Homeschooling vorbereitet.

Meinerzhagen - An der Grundschule Am Kohlberg haben die Jahrgangsteams in dieser Woche den Unterricht für die nächsten drei Wochen geplant. Wochenpläne würden dann über die Schulmail verschickt, zudem bestehe für Eltern die Möglichkeit, Lernpakete vor Ort abzuholen, berichtete Schulleiterin Sibylle Eich.

Wochenpläne könnten zudem über die Klassenpadlets – digitale Pinnwände – abgerufen werden. Videounterricht werde es für kleine Gruppen geben. „Gerade für die Erstklässler ist Online-Unterricht schwierig. Länger als 15 Minuten funktioniert es eigentlich nicht“, gibt Sibylle Eich in Sachen digitales Lernen zu bedenken. Gerade die Jüngsten müssten sich erst an diese Lernform gewöhnen. „Das gilt beispielsweise für die Kommunikationsform. Wer darf wann sprechen, auch das muss eingeübt werden“, so die Schulleiterin.

Bei der Versorgung ihrer Schüler mit Material hat Sibylle Eiche keine Bedenken. „Da sind wir gut im Rennen. Auch Erklärvideos haben wir schon gemacht, das klappt ganz gut. Trotzdem ist es natürlich nicht dasselbe, als wenn die Kollegen die Kinder in der Schule unterrichten.“ Lehrer seien Lernbegleiter, „und für ihre Sozialisation brauchen Kinder auch den Umgang miteinander“.

Austausch mit Schülern und Eltern

Wann eine Rückkehr in den gewohnten Schulalltag möglich sein wird, „das wird wohl eine Frage der Infektionszahlen sein“, so Sibylle Eich. Fast ein Jahr dauere die Ausnahmesituation nun schon, „gerade für Kinder ist das eine lange Zeit.“ Umso wichtiger sei daher während des Lockdowns der Austausch mit Schülern und Eltern.

Mütter und Väter müssten insbesondere die Grundschulkinder anleiten. „Zuhause sollte es feste Regeln geben, wann die Schulaufgaben erledigt werden. Kinder können das alleine nicht überschauen. Ohne die Eltern geht es daher nicht.“

Keine Schüler „verlieren“

Ähnlich sieht das auch Stefanie Nesselrath. Auch für sie habe der Kontakt zu Schülern und Eltern und die Kommunikation miteinander oberste Priorität, sagt die Leiterin der Grundschule Valbert. Aus dem ersten Lockdown habe man gelernt, dass es wichtig sei, keinen Schüler „zu verlieren“. „Wir versuchen, alle mitzunehmen.“ Ein weiterer Unterschied bestehe im Vergleich zum Frühjahr: Für alle Schüler sei es laut Anweisung verpflichtend, die Aufgaben zu erledigen.

Der Distanz-Unterricht werde aus einer Kombination zwischen Arbeitsplänen und Online-Unterricht bestehen. Geplant seien beispielsweise zwei kürzere Videoeinheiten pro Tag. In kleinen Gruppen werde dies vermutlich besser funktionieren. Allerdings spielten dabei auch die technischen Faktoren eine Rolle. Zwar sei man an der Schule mit Endgeräten versorgt, „an der Einrichtung hakelt es aber noch etwas“. Dank der Leihgeräte würden in den nächsten Tagen vermutlich aber alle Kinder über das nötige technische Equipment verfügen. Nächster Punkt sei aber das Internet. Nicht überall seien auf dem Land die Rahmenbedingungen gleichermaßen gut.

Verständnis für Familien

Hinzu komme, dass das digitale Lernen insbesondere für jüngere Kinder alleine noch schwierig sei. „Wenn die Eltern arbeiten müssen, ist die Situation alles andere als einfach“, hat die Valberter Schulleiterin vollstes Verständnis für Familien. „Distanzlernen hat auch Grenzen“, weiß sie. Wichtig sei es daher, dass Eltern und Kinder möglichst gut seitens der Schule unterstützt würden.

Auch in der Grundschule Auf der Wahr gilt dies. Hier war Schulleiterin Christiane Wagner am Freitag zusammen mit OGS-Leiterin Jana Buschmann unter anderem mit der Aufstellung des Notbetreuungsplans beschäftigt. 17 der insgesamt 270 Schüler waren hierfür von Eltern angemeldet worden. Ihre Kollegen hätten den Unterricht in den entsprechenden Jahrgangsteams vorbereitet und stimmten sich untereinander etwa über Videounterricht oder Lernvideos ab. Mit Wochenplänen, die die Schüler bereits aus dem normalen Schulalltag gewohnt seien, werde es eine Kombination aus allem geben. An den sogenannten „Materialschleusen“ an der Schule bestehe die Möglichkeit für Eltern, das erforderliche Arbeitsmaterial kontaktlos abzuholen. Auch die Klassenpadlets würden genutzt.

Gute Vorbereitung

Insgesamt sieht sich Christiane Wagner zusammen mit ihren Kollegen gut für die nächsten Wochen vorbereitet. „Wir haben das ja alles schon einmal durch“, bleibt die Schulleiterin gelassen, gibt beim Digitalunterricht aber ebenso wie ihre Schulleiter-Kolleginnen zu bedenken, dass die jüngeren Schüler im Vergleich zu den ältern weniger medienerfahren seien. „Sie brauchen die Hilfe der Eltern.“ Daher habe man bereits im Frühjahr digitale Unterrichtseinheiten auch in Mini-Lerngruppen abgehalten. Auch Einzelunterricht habe es in einzelnen Fällen sogar gegeben, um Kindern die bestmögliche Unterstützung zu bieten.

Kein Ersatz für persönliche Kontakte

Den persönlichen Kontakt könne der Unterricht per Video jedoch nicht ersetzen, weiß natürlich auch Christiane Wagner. Die Bindung zwischen Lehrer und Schüler sei immens. „Die Schule ist für Kinder nicht nur ein Lern-, sondern auch ein Lebensort. Sie verbringen hier normalerweise viel Zeit.“ Dass dies nun fehle, dürfe auf keinen Fall unterschätzt werden.

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