Corona und die Schützenfeste

2021: Schützenfeste – oder nicht?

Party beim Schützenfest. Ob es 2021 überhaupt wieder etwas zu feiern gibt, ist ungewiss..
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Party beim Schützenfest. Ob es 2021 überhaupt wieder etwas zu feiern gibt, ist ungewiss.

Keine Schützenfeste, keine Geselligkeit. Treffen mit alten Freunden, Fehlanzeige. Das Bierchen im Zelt, Spaß mit Nachbarn und Freunden – keine Chance. In diesem Jahr mussten alle Schützen tapfer sein.

Meinerzhagen – Ihre Feste fielen aus, ob in Rinkscheid, Valbert, an der Lister oder in Meinerzhagen-Stadt. In Zeiten der Pandemie wären diese Massenevents zu gefährlich gewesen. Und welche potenzielle Majestät möchte schon gern als Corona-König in die Annalen seiner Stadt eingehen?

Bedeutung gewachsen

Wenden sich die Menschen nun in Scharen vom Schützenwesen ab? Dieser Frage gingen Wissenschaftler der Universität Paderborn nach. Ihr erstaunliches Fazit: Eher das Gegenteil ist der Fall. Die Bedeutung der Schützenvereine ist allgemein sogar noch gestiegen, weil vielen bewusst wurde, welcher Verlust die Fest-Absagen für sie ist.

Ist das auch „auf dem Dorf“ so? Beispielsweise in Valbert? Einer, der es wissen muss, ist Dominik Busch. Er ist Vorsitzender des Schützenvereines und glaubt: Langfristige Schäden für das Schützenwesen im Ebbedorf wird es durch Corona nicht geben.

Gravierende Veränderungen hat Busch, der auch im Karneval aktiv ist, allerdings schon festgestellt: „Treffen mit vielen Teilnehmern waren unmöglich. Das hatte schon erheblichen Einfluss auf das Dorfleben. Selbst ein Bierchen trinken mit der Feuerwehr ging nicht. Und auch die Sportvereine sind massiv betroffen. Die Männer durften zum Beispiel kein Volleyball spielen, die Frauen trafen sich nicht mehr zum Pilates.“

Großer Nachholbedarf

Allerdings glaubt Busch auch, dass es einen Restart geben wird, „wann auch immer“. „Und dann, wenn es wieder ein normales gesellschaftliches Leben gibt, wird mit Sicherheit vieles nachgeholt. Dafür gibt es dann ein dringendes Bedürfnis, ob beim Weihnachtsmarkt, im kirchlichen Leben, bei der Feuerwehr oder den Schützen“, fügt er hinzu. Dass Menschen sich inzwischen an die Einsamkeit gewöhnt haben, schließt Dominik Busch aus: „Nur die, die immer hinter dem Ofen hocken, werden weiter zuhause bleiben.“

Im Nachholbedarf sieht der Schützenvereins-Vorsitzende auch eine Chance: „Dadurch wird es neuen Schwung geben, den wir nutzen müssen, um die Leute an uns zu binden. Und all diejenigen, die ohnehin immer zur Stelle waren, werden wiederkommen.“ Busch macht allerdings auch keinen Hehl daraus, dass die Vereine bis dahin erhebliche Einbußen hinnehmen müssen: „Bei uns wurde beispielsweise im Oktober das große Karnevalskonzert abgesagt. Das wäre wirtschaftlich betrachtet schon eine große Hausnummer gewesen. Dieses Geld fehlt jetzt.“

Hoffen auf 2021

Auch für Frank Valenthorn, den Geschäftsführer der Rinkscheider Schützen, ist ein Blick in die Zukunft zum jetzigen Zeitpunkt „Kaffeesatzleserei“. Ein Jahr als Totalausfall zu verbuchen, das ist für ihn jedoch noch verkraftbar. „Würde auch 2021 nichts gehen, wäre das aber nicht gut“, sagt er.

Rinkscheid ist der erste Schützenverein auf Meinerzhagener Stadtgebiet, der sein Fest ausrichtet, gewöhnlich Anfang Juni. Das könnte sich 2021 als Nachteil erweisen. Denn: Die Zeit drängt, mit den Vorbereitungen wird früh begonnen. Schließlich müssen Verträge – beispielsweise mit den Musikkapellen – abgeschlossen werden. Ob also im nächsten Jahr Schützenfest gefeiert werden kann, ist noch völlig offen. 2022 sollte das Virus aber dann besiegt sein – darauf hofft Frank Valenthorn inständig. Und das hat einen Grund: „Dann möchten wir unbedingt unser 125-jähriges Jubiläum feiern“, freut sich der Geschäftsführer schon jetzt.

Thema „Frühlingsparty“

Im März richten die Rinkscheider Schützen traditionell ihre Frühlingsparty in der Mehrzweckhalle aus. Auch sie wurde 2020 gestrichen. Ob eine Feier im kommenden Jahr möglich sein wird, da ist Valenthorn eher skeptisch. Trotz aller Bedenken werden die Weichen für die Party aber schon jetzt gestellt. Frank Valenthorn: „Die Band ist für diesen Termin bereits geblockt. Wenn wir trotzdem absagen müssten, würde uns kein finanzieller Schaden entstehen.“

Zuerst das Osterfeuer, dann das Schützenfest. Bei den Listertaler Schützen würden 2021 einige Feste anfallen. „Wir sehen da momentan aber eher schwarz“, sagt Daniel Schmidt, Geschäftsführer des Schützenvereines zur Listertalsperre. Dass „auf dem Dorf“ allerdings das komplette Schützenleben durch die Pandemie und die dadurch bedingten Einschränkungen Schaden nehmen könnte, schließt er aus. „Im Gegenteil. Wenn es wieder losgeht, wird es großen Nachholbedarf geben“, glaubt auch Schmidt.

Hoffen auf Impfstoff

In Hunswinkel ruht das normale Vereinsleben, wie überall. „Das regelmäßige Luftgewehrschießen, die interne Weihnachtsfeier, der Altennachmittag, die Biermesse der Jungschützen – alles ausgefallen“, bilanziert der Geschäftsführer. Was die Zukunft bringt? „Alle hoffen auf einen Impfstoff. Aber wann der wieder normales Leben ermöglicht, weiß keiner. Im geschäftsführenden Vorstand des Schützenvereines arbeiten wir jedenfalls ganz normal weiter. Aber was das Osterfeuer und Schützenfest angeht, sind wir zurzeit nicht positiv gestimmt“, fasst Schmidt Daniel zusammen.

In Meinerzhagen-Stadt musste das Schützenfest 2020 ebenfalls abgesagt werden. Stattdessen wurden Aktionen initiiert, die das Schützenwesen nicht ganz in Vergessenheit geraten ließen. Viele Nachbarschaften feierten – draußen und mit Abstand. Hier ist für das kommende Jahr kein Schützenfest geplant. 2022, darauf hoffen alle Beteiligten, können Tausende dann wieder feiern, unbeschwert und ohne Angst vor dem Virus.

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