Beim Schützenfest lacht die Sonne

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„Karl Reips war 1985 Vorsitzender der Schützengesellschaft. Bei der Steuben-Parade in New York war er beim Schießwettbewerb verhindert. Er gab mir seine Schießkarte – und ich habe gewonnen“, erinnert sich Günter Lüsebrink, der hier stolz seine Sieger-Plakette zeigt.

Meinerzhagen - Die Meinerzhagener Schützen können aufatmen: Wenn ab 6. August ihr Fest gefeiert wird, lacht die Sonne.

So früh ist das noch gar nicht vorherzusagen? Normalerweise nicht. Doch was ist bei Günter Lüsebrink schon normal, wenn es ums Schützenwesen geht? Seit 45 Jahren ist der 79-Jährige als Wettermacher der Blaukittel bekannt – und in dieser Funktion fest davon überzeugt, dass es an den drei „Feiertagen“ keinen Regen, Sturm oder sonstige das Volksfest störende Wetterereignisse gibt.

Bei der Generalversammlung der Schützengesellschaft am Freitagabend (wir berichteten) trug er seine Prognose für den 6., 7. und 8. August 2016 sogar im Reimform vor: „Und blickt ihr zum Himmel, dann werdet ihr seh’n an allen drei Tagen wird’s wieder schön. Feiert, vertragt euch, seid tolerant, lustig und froh. Das wünscht euch der Wettermacher – Horrido!“

Günter Lüsebrink trägt keinen schwarzen Kittel. Er war nie Schützenkönig. Bei den Umzügen sticht er aus der Masse der Marschierenden nicht hervor. Und doch ist er etwas Besonderes. Aus seiner Liebe zum Schützenwesen macht er kein Geheimnis. 1985 und 1995 nahm er – einmal mit den heimischen Schützen und einmal als Angehöriger der Fanfarenzug-Delegation – an der Steuben-Parade in New York teil. Natürlich im blauen Kittel. 1980 feuerte er die Athleten bei den Olympischen Spielen in Moskau an – demonstrativ in Schützen-Blau statt Fan-Trikot. Und nach den Wettkämpfen bestieg er dann den Flieger in die Heimat – wo seine erste „Amtshandlung“ der Besuch des gerade laufenden Schützenfestes war.

Kaum jemand lebt die Tradition der Schützen so wie Günter Lüsebrink: „Als ich vor einigen Tagen am Schützenplatz vorbeiging, fragte mich jemand ,hat dich schon das Schützenfest-Virus befallen?’ Ich musste lachen und dachte zurück an frühere Zeiten. Dieses Virus hat mich tatsächlich schon 1950 infiziert. In dem Jahr war ich als Jungschütze von 14 Jahren das erste Mal dabei, das sind heute also 66 Jahre. Seit damals habe ich sämtliche Schützenfeste als Blaukittel hier an der Vogelrute miterlebt. Das macht 33 Schützenfeste.“

Wer eine so lange Zeit als aktiver Schütze hinter sich hat, ist ein Zeitzeuge, der sich ein Urteil über die Entwicklung des Schützenwesens erlauben darf. Das lässt sich Günter Lüsebrink auch nicht nehmen. Rückblende: „1950, als ich als Jungschütze anfing, herrschten noch Zucht und Ordnung. Sogar Verbote wurden vom Vorstand ausgesprochen. Uns als Jungschützen war es nicht erlaubt, im Kittel zu marschieren. Wir durften nur mit Mütze und Gewehr mitgehen. Auch durften wir nicht im Schützenzug mitmarschieren, sondern mussten am Ende gehen. Auf den Generalversammlungen waren wir nicht gern gesehen.“ Doch das hat sich bis heute grundlegend geändert. „Nach und nach formte man konsequent eine moderne Schützengesellschaft. Deshalb bin ich treuer Schützen geblieben.“

Und da Reime zu Günter Lüsebrink gehören wie die Begeisterung über die Schützen allgemein, formulierte er seine Meinung bei der Generalversammlung auf die ihm eigene Art: „Sieht man sich die neuen Schwarzkittel an, alles gute Leute. Das Beste jedoch seid ihr Schützen von heute.“

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