Valberter Femegericht verhängt drakonische Strafen

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Äußerst „schmerzhaft“ musste Peter Paschke die Vollstreckung des Urteils über sich ergehen lassen.

Valbert -   Ein Jahr lang pausierte das berühmt-berüchtigte Femegericht, am Sonntag war es wieder soweit: Es wurde Recht gesprochen im Rahmen des Valberter Schützenfestes.

Die ehrenwerten Richter Jasper Sönneken, Johann von Valbert und Johann Caspar Wever nebst Folterknecht und Vollstrecker Hans Kopfab und Hermann Kreuzbrecher taten, was getan werden musste, sie ahndeten die Vergehen, die in den vergangenen 24 Monaten begangen wurden – und das waren nicht wenige.

Gegen 12 Uhr trat das Gericht bei bedecktem Himmel auf dem Denkmalplatz zur Sitzung zusammen. Verhandlung konnte man das natürlich nicht nennen, Urteile und Strafen standen längst fest. Darüber hatten sich die Richter offenbar in geheimer Sitzung verständigt. Somit war eine Verteidigung der Delinquenten im Grunde auch nicht vorgesehen, es ging schlicht um die Vollstreckung der Urteile.

Zuvor aber gab es ein Novum: Dominik Busch und Horst Wiebrock wurden geehrt. Busch als Richter der ersten Stunde und Wiebrock als Vollstrecker. Freudestrahlend nahmen sie den ersten Orden des Femegerichts entgegen.

Wie das Urteil lautet, wenn man beim Gottesdienst in der Kirche einschläft und schnarcht, durfte Carsten Engstfeld erfahren. Der Königsadjutant musste bis zum Ende der Sitzung im Bett liegen – zugedeckt.

Die beiden Fahnenoffiziere Sascha Sommer und Joachim Hertrich hatten im vergangenen Jahr lieber eine Kneipe aufgesucht, als mit den Fahnen anzutreten. Das musste natürlich hart bestraft werden. Unter dem Kommando vom damaligen Hauptmann Axel Berghaus zogen beide mit den weiteren Fahnenoffizieren, die solidarisch zu ihren Kollegen standen, ein ums andere Mal ums Bett von Carsten Engstfeld sowie rund um den Denkmalplatz – während der kompletten Sitzung.

Frank Handke aus Meinerzhagen versuchte sich zwar noch zu verteidigen, aber die Richter kannten keine Gnade: Handke musste in den drehbaren Käfig und die Valberter Schützen durften den Eingesperrten nach Lust und Laune drehen. Warum? Handke hatte beim Schützenfest 2012 in Meinerzhagen als „Programmschreier“ das Valberter Fest als Valberter Hinterwäldler-Schützenfest tituliert. Buh-Rufe waren noch das mildeste, was vom Volk auf dem Denkmalplatz kam. Handke hatte Glück, dass das Gericht ihn nicht dem Mob auslieferte. Glück hatte er später auch, dass ihm seine Meinerzhagener Schützenfreunde Bananen und Bier durch die Gitterstäbe zusteckten.

Femegericht tagt

Das härteste Urteil erlebte gestern indes Peter Paschke. Der 55-Jährige hatte am 21. Juli 2012 am Tisch des frisch gekrönten Kaiserpaares gesessen. Als der Kaiser seine Kopfbedeckung kurz auf den Tisch legte, so steht’s in den Gerichtsakten, griff Paschke zu und machte sich auf und davon. Später hängte er des Kaisers Kopfbedeckung einfach an die Türklinke der Kaiserresidenz. „Das ist unfassbar!“ waren sich die drei Richter einig.

Auf einer speziell angefertigten Streckbank wurden dem Verurteilten schließlich die Arme langgezogen, bis es später soweit war, dass Paschke nimmermehr eine Kopfbedeckung wird stehlen können. Dabei stöhnte und jammerte der arme Kerl fürs komplette Schützenvolk gut hörbar. Die Richter waren zufrieden, schlossen die Verhandlung und forderten das Schützenvolk auf, es ihnen im Anschluss der Sitzung gleich zu tun, nämlich Bier zu trinken. - is

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