Was das Schützenfest für Meinerzhagener bedeutet

Freut sich aufs Schützenfest: Der Wahlbayer Axel Schröder.

MEINERZHAGEN ▪ Welches Ereignis in genau 217 Tagen wieder die Gemüter vieler Meinerzhagener bewegen und sie für mindestens drei Tage zu geselliger Fröhlichkeit veranlassen wird, dürfte für echte Volmestädter kein Geheimnis sein – egal wo sie sich über den Jahreswechsel und auch sonst aufhalten und wohin es sie auch in die weite Welt verschlagen haben mag.

Vom 4. bis 6. August 2012 wird wieder Schützenfest gefeiert und damit eine jahrhundertelange Tradition gepflegt.

Es ist schwierig, Außenstehenden zu erklären, was das Besondere an diesem Volksfest ist, das in zweijährlichem Rhythmus gefeiert wird und dann stets auch Treffpunkt für aus Meinerzhagen stammende Menschen ist, die längst nicht mehr hier leben, für die aber das Schützenfest ein verbindlicher Termin für einen Besuch in der alten Heimat und ein Wiedersehen mit alten Freunden ist.

Von einem Meinerzhagener der vor 25 Jahren nach Bayern auszog und der immer wieder zurückkommt, haben wir den folgenden Beitrag erhalten, der geeignet ist, den Mythos „Meinerzhagener Schützenfest“ etwas klarer zu machen:

„Wenn ich mich mit Menschen über mein Privatleben unterhalte, komme ich irgendwann auf das Thema Freunde. Dass mir Freundschaft wichtig ist, dass es mir wichtig ist mich regelmäßig mit ihnen zu treffen, dass man von ihnen ehrliches, offenes Feedback bekommt und dass wir oft und viel lachen. Warum wir so viel lachen, wenn wir uns treffen? Weil wir einen ähnlichen, sauerländischen Humor haben. Was das ist: Sauerland? – werde ich dann gefragt. Der gemeine Sauerländer ist eigentlich eher wortkarg, steht aber zu seinem Wort, ist schwer von neuen Dingen zu überzeugen, aber nicht mehr davon abzubringen ist, wenn er mal überzeugt ist. Er begrüßt sich mit: „Wie geht’s?“ „Gut!“ „Und sonst?“ „Muss!“

Wie oft ich da bin? Wenn ich meine Eltern besuche und regelmäßig alle zwei Jahre auf dem Schützenfest. Was ist Schützenfest? Und dann wird’s richtig schwer: „Es ist nicht so wie sie denken...“ – versuche ich vorwegzuschicken und dann kann ich eigentlich schon aufhören, denn die Erklärung geht schon durch die Einleitung schief.

Wenn ich es einem Bayern erkläre, dann fragt er: „Die schiassn auf an Hoizvogi und hernach sans besuffn?“ Auf hochdeutsch: Die schießen auf einen Vogel aus Holz und danach betrinken sie sich? Das kann ich nicht glaubhaft verneinen. „Aber das ist es nicht!“ Sage ich dann – aber er hört mir schon nicht mehr zu.

Das Phänomen Meinerzhagener Schützenfest kann man nicht erklären. Man muss es von klein auf erleben. Der Kittel hat eine Bedeutung. Man schlüpft mit ihm in die Vergangenheit, und damit in die Jugend, die man mit den Freunden verbracht hat, die dort immer wieder hinkommen. Allein nach dem Überstülpen der „Uniform“, die nur am ersten Tag noch nach Lenor riecht, verändert sich etwas im Kopf. Richtige „Uniform“ tragen eigentlich nur die sogenannten „Schwarzkittel“, die anders sind als die Blaukittel. Die nehmen die Sache viel ernster und schlüpfen noch stärker in eine Rolle, die sie sonst nicht haben. Ohne ihren Einsatz und ihr Engagement wäre das Ganze nicht da, und dafür großen Dank. Auch wenn es manchmal lächerlich wirkt wenn sie die Sache zu ernst nehmen und sich beim Hofstaat-Tanz ganz wichtig geben.

Doch auch Freunde treffen allein ist es nicht, das kann man ja auch auf Geburtstagen oder anderen Gelegenheiten. Es ist anders. Im blauen Kittel sind die Leute anders, sie kommen mehr aus sich raus und werden wieder wie sie eigentlich sind. Was im Berufsleben und durch Älterwerden immer schwieriger wird. Weil man unbemerkt im Laufe der Jahre in Rollen wie Chef, Leiter für soundso, etc. wächst oder schlüpft. Man kann sich für drei Tage von diesen Rollen befreien. Erst recht wenn man weg gezogen ist und alle zwei Jahre wieder kommt – Horrido! Axel Schröder, wohnhaft in Bayern.“

Axel Schröder (51) ist Geschäftsführender Gesellschafter der Axel Schröder & Partner Unternehmensberatung in Holzkirchen bei München. Das Unternehmen besteht seit über 20 Jahren und beschäftigt ca. 25 Mitarbeiter. Mit Fokus auf die Branchen Automotive, Elektronik, Maschinenbau, Chemie und Pharma unterstützt AS&P seine Kunden dabei, bessere Produkte in kürzeren Zeiten zu entwickeln. Über 500 Projekte mit den namhaftesten, global agierenden Top-Unternehmen der Wirtschaft aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben AS&P zur führenden F&E-Managementberatung im deutschsprachigen Raum gemacht.

Axel Schröder ist Ingenieur. Nach dem Abitur 1980 am Ev. Gymnasium Meinerzhagen studierte er an der RWTH Aachen Maschinenbau, ist Verfasser zahlreicher Veröffentlichungen, Herausgeber des Fachmagazins DER F&E MANAGER und Autor der Bücher „Spitzenleistungen im F&E-Management“ und „Best Practices F&E-100 TOP-Unternehmen“. Er veranstaltet jährlich über zehn Management-Konferenzen.

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