Vom Jungschützen zum Medaillensammler

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Ein eindrucksvolles Bild: Günter Lüsebrink ist stolz auf seine „lückenlose Medaillensammlung“.

Meinerzhagen - Günter Lüsebrink ist begeisterter Schütze. Und er hat einen guten Draht „nach oben“. Als „Wettermacher“ bemüht er sich darum, die Blaukittel vor Regen, Sturm, Kälte und Hagel zu schützen, oder zumindest frühzeitig vorzuwarnen.

Doch das Schützen-Urgestein hat eine weitere Leidenschaft, die unmittelbar mit dem Meinerzhagener Schützenwesen zu tun hat: Günter Lüsebrink ist auch ein Trophäensammler. „Ich denke, dass ich der einzige Meinerzhagener Schütze bin, der seit dem Jahr 1958 alle Medaillen der vergangenen Feste besitzt“, sagt er. 

Allerdings musste Lüsebrink ausgerechnet im Jahr 1958 passen, als das erste Medaillenschießen nach dem Krieg stattfand. „Damals habe ich Urlaub in Italien gemacht, konnte aus diesem Grund nicht am Medaillenschießen teilnehmen.“ Für seine persönlich Statistik spielt das aber keine Rolle. Denn: „Aus diesem Jahr habe ich die Königsmedaille meines Onkels Werner Schürmann von meiner Tante Emmi bekommen. Mein Onkel war damals König und er verstarb 1964 in der Nacht von Schützenfest-Samstag auf -Sonntag“, erinnert sich Lüesebrink. 

Die Zahlen, die der „Wettermacher“ aufweisen kann, sind in der Tat beeindruckend: Neu Goldmedaillen, zwölf Silber- und neun Bronzemedaillen hat er seit 1960 „erschossen“. Hinzu kommen zwei Auszeichnungen in Medaillenform: „1994 habe ich die Silbermedaille für besondere Verdienste für 25 Jahre Wettermacher erhalten. Und 2016 eine Goldmedaille, eben wegen der Verdienste.“ 

Auf eine weitere Auszeichnung ist Lüsebrink übrigens ganz besonders stolz: „Beim Besuch der Steuben-Parade 1985 in New York habe ich einen ersten Preis beim Schießwettbewerb bekommen.“ Der Lohn: Eine Erinnerungstafel mit dem eingravierten Satz „Highest Score, Steuben-Parade, Park Concert, Franklin Square, NY, Sept. 22., 1985“.

In der Sammlung des Meinerzhageners befinden sich – so ganz nebenbei – auch noch zwei besondere Prachtstücke: eine Silbermedaille vom „Schützenverein“ aus dem Jahr 1884 und eine weitere Silbermedaille von 1938. Eigentlich könnte Günter Lüsebrink alle seine Auszeichnungen am in einer Woche bevorstehenden Fest-Wochenende an seinen blauen Kuttel heften. Das tut er aber aus einem guten Grund nicht: „Ich habe die Medaillen mal gewogen und kam auf 800 Gramm. Zu viel, um sie mit herumzutragen.“

Was er in den vergangenen 68 Jahren als Schütze in Meinerzhagen erlebt hat, das hat Günter Lüsebrink jetzt aufgeschrieben: Begonnen hat meine Leidenschaft für das Schützenwesen im Jahre 1950, als ich das erste Mal als Jungschütze am Schützenfest teilnehmen durfte. Es war damals eine völlig andere Zeit mit anderen Gepflogenheiten. Jungschützen war es nicht erlaubt, im Blaukittel mitzumarschieren. Wir durften nur die obligatorische Schützenmütze tragen. Auch durften wir nicht im Schützenzug mitmarschieren, sondern mussten am Ende des Zuges gehen. 

Erst ganz allmählich setzte es sich durch, dass auch Jungschützen Kittel tragen durften. Eine weitere gute Entwicklung für das Schützenwesen ist, dass man von Anfang bis Ende, auch abends, im Blaukittel feiern kann. Beim ersten Nachkriegsschießen waren die äußeren Bedingungen im Vergleich zum heutigen Medaillenschießen katastrophal. Es wurde in der ausgeräumten Remise geschossen, wobei die Schützen außerhalb der Remise standen. Einigermaßen Schutz vor Sonne und Regen bot eine alte Lkw-Plane. Es war schon unangenehm, wenn einem während des Schießens Regentropfen in den Nacken fielen. 

Von den einzelnen Jahren gäbe es vom Medaillenschießen viel zu berichten. In den 60er- und 70er-Jahren hat es die schießenden Schützen am meisten geärgert, wenn die „Schwarzkittel“ mit ihren Ehrendamen kamen und alle Schützen mit dem Schießen aufhören mussten. So kam es manchmal vor, dass man als normaler Schütze bis zu zwei Stunden im Schießstand warten musste. Geschossen wurde freihändig auf eine Zwölferkarte. 

Im Laufe der Zeit sammelten sich bei mir eine Menge Medaillen an. Als meine Tante Emmi sie 1994 einmal begutachtete und feststellte, dass die Medaille von 1964 fehlte – der Grund war ja bekannt –, entschloss sie sich spontan, mir die Königsmedaille meines Onkels Werner zu schenken. Damit besitze ich nun eine lückenlose Sammlung der Medaillen von 1964 bis 2018. Besondern gefreut hat es mich, dass unser Oberst Achim Freyer im Jahr 2017, als die Schützen erneut in New York waren und an der Steuben-Parade sowie am Wettschießen bei den Brooklyn-Schützen teilgenommen haben, die gleiche Auszeichnung erhalten hat wie ich im Jahr 1985.

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