Schrotthändler nerven Bürger mit „Gedudel“

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Die bekannte Flötenmusik ist ein ständiger „Begleiter“ der fahrenden Schrotthändler. ▪

MEINERZHAGEN ▪ „Ich hatte schon mal überlegt, Töchterchens Blockflöte mit ,Ännchen von Tharau' und ähnlichen Volkslieder aufzunehmen und an die diversen vorbeikommenden Schrotthändler zu verschenken.“

„Dann gibt's wenigstens etwas Abwechselung.“ Nicht nur in Internet-Blogs beklagen sich Bürger, die die Musikbeschallung durch Schrotthändler nervt. Auch in Meinerzhagen gibt es Beschwerden über das „Flötengedudel“, das inzwischen meist vom Band kommt.

Von der Mehrheit toleriert, fahren auch in der Volmestadt Schrotthändler regelmäßig durch die Straßen und sammeln Metallschrott ein. In Zeiten steigender Rohstoffpreise ist ein Ende dieses Handels nicht abzusehen – die zumeist aus dem Ruhrgebiet anreisenden Kleinunternehmer werden den Meinerzhagenern also weiter die Flötentöne beibringen. Im Bereich Schlenke, Grotmicke und Winzenberg jedenfalls regt die Musikbeschallung Anwohner offensichtlich besonders auf, sie finden das erträgliche Maß überschritten. Ein Volmestädter notierte hier über einen langen Zeitraum ab dem Jahr 2008 akribisch, wann welcher Kleinlaster mit welchem Kennzeichen unterwegs war – und das mit der allseits bekannten Musikbegleitung. In der Rubrik „Text“ stehen in dieser Liste unter anderem auch Vermerke wie „mit Beschimpfung“. Das, so der Meinerzhagener, sei dann der Fall gewesen, wenn er als aufmerksamer Beobachter des Geschehens von den Fahrern entdeckt wurde. Die von dem genervten Bürger notierten Nummernschilder jedenfalls weisen die „Unternehmer aus der Metallbranche“ als Ruhrgebietler aus: Essen, Gelsenkirchen, Recklinghausen Duisburg und Herne, so die Auflistung. Bisher, so der Betroffene weiter, habe er mit seinen Beschwerden nichts erreicht – weder beim Ordnungsamt noch bei der heimischen SPD, die er vor langer Zeit auch auf ihrer Internetseite angeschrieben habe – eine Antwort stehe bis heute aus.

Im Ordnungsamt ist das Problem bekannt, Beschwerden gab es bereits. „Doch die Recherche ist schwierig“, hat Mitarbeiter Uli Breitung festgestellt. Er hat versucht, über die Kennzeichen an die Händler zu kommen. „Doch eigentlich sind wir für den ruhenden Verkehr zuständig. Und was will man machen, wenn der Halter nicht der Fahrer ist. Letzterer ist schließlich hier in Meinerzhagen unterwegs und für die Musik zuständig“, erläutert Breitung.

Und es gibt noch ein Problem: „Theoretisch müsste man die Geräuschentwicklung vor Ort messen. Das ist schwierig umzusetzen. Das Geschäft mit dem Schrott ist grundsätzlich legal“, so Thorsten Hecker, Vertreter des Meinerzhagener Wachleiters, Polizeihauptkommissar Michael Stumpe.

Durch die Flötenmusik fühlen sich übrigens auch Kiersper belästigt. „Wir hatten bereits mehrere Anfragen, ob es keine Möglichkeit gebe, gegen diesen Lärm vorzugehen“, erklärte Peter Christian Schröder von der Wählergemeinschaft Pro Kierspe kürzlich. „Axel Boshamer, der Leiter des Ordnungsamtes, rät, die Kennzeichen von störenden Schrottsammlern an die Polizeiwache zu melden. Möglichst natürlich mit Ort und Uhrzeit“, erläutert Schröder. In Hemer regte sich bereits 2008 Widerstand: Dort, so Ordnungsamts-Mitarbeiter Thomas Sprenger, habe man Halter der „Schrottfahrzeuge“ nach Hinweisen ermittelt und sie auf die Bürgerbeschwerden hingewiesen. Es sei aber nur ein einziges Ordnungswidrigkeiten-Verfahren eingeleitet worden. „Das hat offensichtlich gereicht, inzwischen haben das alles im Griff“, hieß es auf MZ-Anfrage. ▪ beil

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