Selbsttests mit Hindernissen

Tests: Gymnasium und Sekundarschule kämpfen mit der Tücke des Objekts

Der Schnelltest gehört zum Schulalltag dazu: Bevor die Schüler ihn aber anwenden können, müssen die Lehrer die notwendige Lösung umfüllen.
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Der Schnelltest gehört zum Schulalltag dazu: Bevor die Schüler ihn aber anwenden können, müssen die Lehrer die notwendige Lösung umfüllen.

„Es ist alles etwas umständlich.“ Miriam Haarbach ist stellvertretende Schulleiterin am Evangelischen Gymnasium.

Meinerzhagen – Sie selbst und ihre Kollegen haben seit Montag neben der Vermittlung von Lerninhalten eine weitere Aufgabe zu erledigen – und das noch vor der ersten Unterrichtsstunde: In den Stufen Q1 und Q2, also bei den ältesten Schülern, stehen zweimal pro Woche Covid-19-Selbsttests auf dem Programm. Einer davon zeigte am ersten Tag übrigens ein positives Ergebnis. Der betroffene Schüler wurde umgehend nach Hause geschickt, ein genauerer PCR-Test muss das Ergebnis nun bestätigen – oder auch nicht.

Pufferlösung selbst einfüllen

Zur Schule gehen momentan nur die Jugendlichen der ältesten Jahrgänge. Und bevor für die der Schulalltag beginnt, muss das Test-Prozedere „abgewickelt“ werden. „Nicht ganz so einfach, denn wir haben am Samstag und am Montag neue Schnelltests bekommen“, schildert Miriam Haarbach. Bei denen müssen nun jeweils zehn Tropfen Pufferlösung in Röhrchen gegeben werden, bevor das Stäbchen mit dem Nasenabstrich eingeführt werden kann. „Das erledigen die Lehrer. Sie haben als Schutzausrüstung jeweils eine FFP-2-Maske und Handschuhe“, erläutert die stellvertretende Schulleiterin. Sie findet, dass die Schnelltests für Schulen schon „eine gewisse Herausforderung“ darstellen. Teströhrchen befüllen, Nasenabstrich vornehmen, Wattestäbchen in das Röhrchen einführen, warten, Röhrchen verschließen, drei Tropfen auf den Teststreifen geben, warten, Ergebnis ablesen. Das kostet Zeit. „Und manchmal ist es auch schwierig, das die Schüler selbst machen zu lassen“, hat Miriam Haarbach festgestellt. Immerhin: Am Gymnasium sind genügend Schnelltests verfügbar. „Wir haben eine Lieferung am Samstag und eine am Montag bekommen. Zurzeit verfügen wir über etwa 2000 Tests. Und einige haben wir auch noch aus der Zeit vor den Osterferien. Die sind auch einfacher zu handhaben, weil sich bei denen die Pufferlösung bereits im Röhrchen befindet“, erläutert die Pädagogin. Sie berichtet weiter, dass sich momentan fünf Schüler der Q1 in Quarantäne befinden, ebenso wie zwei Schüler der Q2. Zwei davon seien positiv getestet. „Alle Kolleginnen und Kollegen sind gesund, vom Kollegium ist niemand in Quarantäne. Wegen Vorerkrankungen beziehungsweise aus Altersgründen sind drei Kollegen allerdings vom Unterricht befreit“, schildert Miriam Haarbach die derzeitige Lage am Gymnasium.

Wenig Begeisterung über Handhabung

Andere Schule, ähnliches Problem: Auch an der Sekundarschule am Rothenstein hielt sich die Begeisterung über die neuen Schnelltests in Grenzen. Schulleiterin Christiane Dickhut musste nach dem Eintreffen von etwa 1200 Schnelltests ebenfalls feststellen, dass sich die Pufferlösung nicht bereits im Teströhrchen befindet, sondern – exakt dosiert – selbst eingefüllt werden muss. „Ein Unding, das Zeit kostet“, findet sie und fügt hinzu: „Ein Aufwand, der zulasten des Unterrichtes geht.“ Nach dem ersten Testtag konnte die Rektorin gestern allerdings erleichtert feststellen: „Wir hatten kein positives Ergebnis.“

An der Sekundarschule werden momentan nur die zehnten Klassen vor Ort unterrichtet. Generell seien die Schülerinnen und Schüler gut mit den Tests zurechtgekommen, hat Christiane Dickhut festgestellt. Allerdings sieht sie sich selbst und ihre Kollegen in der Pflicht: „Wir müssen klar machen, dass ein negativer Test nicht automatisch bedeutet, dass jemand virusfrei ist. Die Tests geben keine hundertprozentige Sicherheit, sie sind eine Momentaufnahme. Und daher wäre es fatal, wenn die Hygienemaßnahmen nach einem Test nicht mehr eingehalten würden.“

Belastung für alle Beteiligten

Generell findet Christiane Dickhut die Schnelltests positiv. Die Durchführung ist jedoch eine zusätzliche Belastung für alle Beteiligten. „Komplette Schutzausrüstungen für die Lehrer haben wir nicht. Wir tragen FFP-2-Masken und ziehen Handschuhe an, wenn wir die Tests verteilen. Um die Ergebnisse richtig zuzuordnen, bleiben die Teststreifen bis zur Auswertung beim Schüler am Platz. Wir haben vorher klar gemacht, dass betroffene Schüler ein positives Ergebnis auf keinen Fall als Makel begreifen sollen. So etwas kann jedem passieren“, erläutert die Schulleiterin.

Wie es jetzt weitergeht, das weiß auch Christiane Dickhut nicht. Sie ist jedenfalls besorgt: „Gerade im Märkischen Kreis und ganz speziell in Meinerzhagen ist der Inzidenzwert extrem hoch. Was das für den Präsenzunterricht bedeutet – da wage ich keine Prognose.“

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