Schlittenfahren trotz Corona

Der Wunsch nach einem Tag im Schnee: Wie Winter-Touristen ihre Ausflüge in den MK begründen

Die schönen Seiten des Winters genießen – das ist in diesen Corona-Tagen der Wunsch vieler Menschen. Die winterliche Landschaft lockt Schnee-Touristen nicht nur zur Nordhelle. Ausflügler berichten.

Meinerzhagen – Schneemänner überall, rodelnde Wintertouristen auf Hügeln und Hängen, Autos dicht an dicht nicht nur auf den Wanderparkplätzen wie etwa in Stoltenberg – Meinerzhagen am vergangenen Wochenende. Ein ähnliches Bild wird wohl auch am kommenden und laut den Wetteraussichten möglicherweise erst einmal letzten Winterwochenende zu erwarten sein. Polizei und Ordnungsämter - auch im Märkischen Kreis - rüsten sich bereits für den Touristenansturm. Sie appellieren an die Menschen, zu Hause zu bleiben.

StadtMeinerzhagen
Fläche115,2 km²
BürgermeisterJan Nesselrath

Der Schnee lockt auch die Woche über Ausflügler aus Ruhrgebiet und Rheinland an die Volme. Corona – im Sauerland weit weg? Das nicht, sagt ein Vater, der mit seinem Sohn und dessen Freund die Schlittenwiese in Möllsiepen hinab rutscht. „Der Schnee ist doch das Einzige, was den Kindern augenblicklich etwas Abwechslung bietet. Das brauchen sie doch auch. Was will man sonst machen?“ In Wermelskirchen, berichtet das Trio, sei alles grün. Keine Chance für den Schlitten, den es zu Weihnachten gab. „Den wollten wir aber unbedingt ausprobieren“, erzählt der Grundschüler. „Und hier ist das voll cool!“ Die Begeisterung des Knirpses ist ungebremst, sein Vater hat Corona zumindest im Hinterkopf. „Man achtet schon darauf, dass man irgendwo landet, wo es nicht so voll ist. Die Nordhelle kennt man auch im Bergischen Land. Die ist für uns aber tabu, da ist zu viel los.“ An der Nordhelle hatte es in den vergangenen Tagen chaotische Zustände auf den Straßen gegeben.

Viele Familien suchen Abwechslung bei einem Ausflug in den Schnee - und hoffen auf leere Schlittenhänge.

Schnee im MK: Die Suche nach einer leeren Schlittenwiese - Touristen kommen nach Meinerzhagen

Die Besucherzahl auf der Schlittenwiese – zumindest an diesen Dienstag mit drei Familien übersichtlich. Darüber ist auch eine Mutter froh, die mit ihren Töchtern aus dem Rheinland angereist ist: „Wir wollten einfach einen Tag in den Schnee, und Meinerzhagen ist von uns in Düsseldorf der erste Ort, an dem Schnee liegt.“ Mutter und Töchter finden’s bei Kakao und Keksen idyllisch: „Wir sind durch einen richtig schönen Feenwald gefahren und dann haben wir die schöne Wiese entdeckt.“ Allerdings: „Dass man ins Sauerland in den Schnee fährt, traut man sich im Bekanntenkreis kaum zu erzählen.“ Sie werde niemandem verraten, wo sie eine Schlittenwiese gefunden habe. Genauso verschweigt sie ihren Namen. Im Hochsauerlandkreis hatten zuletzt chaotische Zustände geherrscht - insbesondere in Winterberg.

Zögerlich sei er gewesen, sagt auch ein Familienvater, der mit seiner Frau, der Schwägerin und den Kindern aus Hohenlimburg an den Rand des Ebbegebirges gereist ist. Die Kinder hätten ihn überreden müssen, „aber sie finden es toll.“ Meinerzhagen sei als Schneegebiet bekannt, „und hier waren wir früher schon in der Jugendherberge“, berichtet die Familie.

Schnee im MK: Touristen aus anderen Teilen von NRW suchen sich Ski- und Rodelpisten

Genügend Platz und wenig Betrieb – darauf achtete auch Familie Mühlig aus Witten. Auf der Skipiste in Hardenberg wurde sie fündig. „Sonst wären wir weiter gefahren“, sagt Vater Marcus, der sich am Dienstag freut, seinen Kindern Ben (8) und Liv (5) einen Tag im Schnee ermöglichen zu können. Bedenken habe er angesichts einer Handvoll Schlittenfahrer auf der gesamten Piste nicht.

Wunsch nach Wintervergnügen - Schnee im MK für viele Familien die Lösung

Ein anderes Bild bietet sich einen Tag später auf der Wiese neben dem Volmehof. Hier ist es deutlich voller. Auch der zwischendurch aufziehende Nebel stört niemanden während des Schneevergnügens auf Schlitten und Ski. Anfang der Woche sei sogar noch mehr los gewesen, berichtet ein Spaziergänger. Jeden Tag sei er hier unterwegs, „so viele Wintersportler habe ich hier allerdings in den letzten zehn Jahren nicht gesehen.“ Die Kennzeichen der parkenden Autos beweisen es: In Bochum, Unna, Köln oder Herne kennt man das vergleichsweise schneereichere Meinerzhagen.

Ausflug in den Schnee: Meinerzhagen ist nicht Winterberg - Corona für einen Moment vergessen?

Dass ab der kommenden Woche Bewegungseinschränkungen für Corona-Hotspots drohen, wäre „schon extrem blöd“, gibt eine Rodlerin zu, die mit ihrer Familie aus Essen gekommen ist, um einen Schlittenvormittag nahe der Volmequelle zu verbringen. „Man ist doch schon in allem eingeschränkt“, so die Mutter, die am Morgen „zum ersten Mal seit Langem“ wieder auf den Inzidenzwert ihrer Heimatstadt geschaut habe. „Zum Glück können wir noch raus. Meinerzhagen ist nicht Winterberg und wir sind froh, dass es hier nicht voll ist. Sonst wären wir umgedreht.“

„Eine Wiese mit wenig Betrieb“ habe sie für sich und die Familie gesucht, berichtet auch eine Besucherin aus Düsseldorf. „Wir waren schon einmal hier und fast alleine.“ Abstand sei wichtig, sagt sie – nur bei der überschwänglichen Begrüßung der beiden Freundinnen gilt er augenscheinlich nicht. Eigentlich wären sie im Skiurlaub, „jetzt wollen wir hier in die Berge“, berichten die drei Familien und steuern die Wiese oberhalb der Fischbauchbrücke an. Corona – zumindest für den Moment im Sauerland – vergessen?

Auch an anderer Stelle im Märkischen Kreis gab es bereits Verkehrsprobleme wegen der Anreise von Winter-Touristen - etwa an der Homert. In Schalksmühle ist eine beliebte Schlittenwiese bereits gesperrt worden.

Rubriklistenbild: © Benninghaus, Simone

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