Schmetterlinge stellen hohe Ansprüche

Im blumenreichen Garten findet der Kleine Fuchs Nahrungsergänzung.

MEINERZHAGEN ▪ Schmetterlinge in ihrer Schönheit erregen stets Aufmerksamkeit und Bewunderung.

Doch etliche unserer heimischen Tagfalter sind in ihrer Existenz bedroht oder durch Veränderungen ihres Lebensraumes gänzlich verschwunden. Denn für die „Gaukler der Lüfte“ – wie für alle Wildtiere – hat ein Biotop zumindest drei elementare Ansprüche zu erfüllen: Zuerst muss es ausreichend Nahrung bieten, dann Deckung als Schutz vor Feinden, und schließlich muss es für die Entwicklung und das Fortkommen des Nachwuchses geeignet sein. Einige Arten stellen ganz spezielle Anforderungen an ihren Lebensraum.

Auf das Ei folgt die Larve

Für Schmetterlinge trifft das in besonderer Weise zu, da ihre Verwandlung vollständig ist: Auf das Ei folgt die Larve (Raupe), die sich von Pflanzenteilen ernährt; erst nach deren Puppenstadium ist der Falter „fertig“. Er wiederum benötigt Nektarquellen als Nahrung – den Brennstoff des Lebens. Fehlt nur ein „Baustein“ im Zyklus, überleben vor allem hochspezialisierte Arten das nicht.

Ein gutes Beispiel dafür ist der vom Aussterben bedrohte Hochmoor Perlmutterfalter. Bis vor einigen Jahren war er noch im Valberter Naturschutzgebiet Piwitt zu finden. Nach stetig verminderter Individuenzahl ist er dort inzwischen verschwunden. Schmetterlingsforscher Dr. Stefan Brunzel sieht den Grund dafür in der zunehmenden Verschattung und Verbuschung der ursprünglich offenen Moorfläche. Sie entstand einst durch alte Nutzungsformen wie Beweidung, Mahd und Plaggenhieb. Fortan umrandet von aufwachsenden Fichtenbeständen, verringerte sich die Sonneneinstrahlung. Pioniergehölze wie Birke und Faulbaum beeinträchtigten zudem die Bestände von Moosbeere und Glockenheide. Die Raupen dieses zur typischen Moorfauna zählenden Falters indes ernähren sich ausschließlich von der Moosbeere, der Falter ist auf den Nektar von Glockenheide und auch Moorlilie angewiesen. Maßnahmen zur Rettung der Art durch Entfichtung und Beweidung mit Wanderschafen kamen wohl zu spät.

Ähnliche Entwicklungen zeichnen sich allenthalben ab. Der seltene Kaisermantel etwa legt seine Eier an die Rinde alter Bäume. Die schlüpfenden Räupchen klettern am Stamm hinab und müssen in der Nähe Veilchen finden, um nicht zu verhungern. Tagpfauenauge und Kleiner Fuchs sind im Larvenstadium auf Brennnesseln angewiesen. Nur dort, wo das Mosaik der Landschaft noch die Voraussetzungen schafft, können wir uns an den fliegenden Farbtupfern des Sommers erfreuen. ▪ As

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