Eine Ära endet

Die Löwen-Apotheke: 214 Jahre Ortsgeschichte

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Das markante Gebäude an der Hauptstraße ist bekannt. 214 Jahre war hier die Löwen-Apotheke beheimatet.

Meinerzhagen - „Wir bedanken uns für 214 Jahre Treue.“ Ein schlichter Aushang an der Eingangstür weist darauf hin, dass in Meinerzhagen eine lange Ära beendet ist.

Die Löwen-Apotheke an der Hauptstraße 43 ist seit einigen Wochen geschlossen. Nach dem Tod des Apothekers Dr. rer. nat. Franz Albert Rasche am 4. September und der anschließenden Geschäftsaufgabe erinnert nun nur noch das Gebäude an eine Geschichte, die eng mit Meinerzhagen und seinen Bürgern verbunden ist.

Apotheker Caspar Henrich Vormann aus Altena schrieb am 24. März 1804 das erste Kapitel. Er erhielt an diesem Tag die Approbation für die erste Apotheke der Volmestadt. Das Gebäude hatte er bereits am 27. Mai 1803 erworben. 

Vormann bekam seine Rechte damals auch schriftlich mitgeteilt. Das sogenannte „Privilegium“ wurde ihm vom Preußischen König Friedrich Wilhelm III. erteilt. In der Praxis bedeutete das: Der Apotheker durfte die Menschen in einem Gebiet, das heute etwa die Städte Meinerzhagen und Kierspe umfasst, mit Medikamenten versorgen. 

Ab 1900 für vier Jahre die einzige Apotheke im Ort

Apotheker gehörten stets zu den angesehensten Bürgern. Das war auch bei Caspar Henrich Vormann so: Von 1808 bis 1813 war er Adjunkt Bürgermeister, danach Bürgermeister der Stadt Meinerzhagen. Vormann erlebte aufregende Zeiten in der Volmestadt: 1812 wurde seine Apotheke durch „Tumulanten“ (Anm. d. Red. Vandalen) verwüstet. Fünf Jahre später starb der einzige Meinerzhagener Arzt. 

Die Konsequenz für Vormann: Er zog 1819 nach Rönsahl um. Dort praktizierte damals noch ein Arzt. Als 1826 wieder ein Mediziner nach Meinerzhagen kam, verweigerte Vormann einen Rückzug, er blieb stattdessen in Rönsahl, wo er im Jahr 1834 starb.

Das Haus und die Apotheke an der Hauptstraße wurden 1829 von Johann Adolf Walther erworben, dem Spross einer alten Apothekerfamilie aus Soest. Kurz vor dessen Tod am 3. Juni 1876 übernahm sein Sohn Albrecht Walther die heutige Löwen-Apotheke. Diese blieb bis 1899 in seinem Besitz. Dr. phil. Paul Wilhelm Albert aus Witten war es ab 1900, der – für insgesamt vier Jahre – die immer noch einzige Apotheke des Ortes führte. 

Neben der Apotheke noch ein Fotogeschäft

Die Geschichte der Löwen-Apotheke wurde 1904 weiter geschrieben, ab dieser Zeit von Franz Nikolaus Ganser. Chronisten berichten, dass er bei den Meinerzhagenern sehr beliebt war. Ganser gehörte zu den Mitbegründern des Ski-Klubs. Er starb im Jahr 1930.

Das Erbe ging über an Josefa Ganser-Nau. Deren Verlobter Albert Rasche, gebürtig in Paderborn, trat die Nachfolge als Apotheker an. Studiert hatte er an den Universitäten in München und Münster. In Meinerzhagen investierte Albert Rasche in seine Apotheke, anfangs betrieb er nebenher auch ein Fotogeschäft. 

Kurz nach Beginn des Zweiten Weltkrieges stand die Apotheke in Kierspe leer, Rasche sprang ein. Vormittags war er zu dieser Zeit in Meinerzhagen anzutreffen, nachmittags in Kierspe. Albert Rasche starb am 10. Januar 1973. Sein Sohn Dr. rer. nat. Franz Albert Rasche trat die Nachfolge seines Vaters an. Studiert hatte er Pharmazie- und Lebensmittelchemie. 

Mit Meinerzhagen wuchs die Apotheken-Landschaft

Neben seinem Beruf als Apotheker fand Dr. Franz Albert Rasche auch noch Zeit, um sich um die Ausbildung des Apotheker-Nachwuchses zu kümmern: Fünf Jahre lang unterrichtete er, gemeinsam mit Dr. Elste, in Lüdenscheid Apothekerpraktikanten aus dem Märkischen Kreis. 

Meinerzhagen wuchs, die steigende Einwohnerzahl führte zur Ansiedlung weiterer Apotheken in der Stadt. 1961 eröffnete Edith Rasche, die Ehefrau von Dr. Franz Albert Rasche, die Hirsch Apotheke. Die Niederlassungsfreiheit war da schon eingeführt. Die Apotheke ist heute im Besitz von Susanne Rasche. 

Fünf Jahre später gründete Hans-Joachim Rokohl die Sonnen-Apotheke an der unteren Hauptstraße, sie ist inzwischen geschlossen. Die Apotheke an der Birkeshöh, von Friedrich Walther gegründet, öffnete 1974. Auch sie ist inzwischen Geschichte, ebenso wie die Meinhardus-Apotheke, die im vergangenen Jahr schloss. Die Apotheke Zum Alten Teich entstand 1987 an der Kampstraße. 

Sie wird heute betrieben von Albert Rasche, dem Sohn des in diesem Jahr verstorbenen Dr. Franz Albert Rasche. Im Multimedicum gibt es in Meinerzhagen seit Februar 2013 eine dritte Apotheke, sie wird geführt von Kristina Pernutz, die vorher Chefin der Meinhardus-Apotheke war. 

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