Schilderdickicht erschwert oftmals den Durchblick

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Ein richtiger „Schilderwald“ herrscht beispielsweise auf der Kirchstraße. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Es ist sprichwörtlich bekannt, dass „man vor lauter Bäumen manchmal den Wald nicht mehr sieht“. Ähnlich geht es uns als Verkehrsteilnehmern an vielen Stellen im „öffentlichen Schilderwald“.

Dabei reicht die Informationsvielfalt von Tempolimits über Vorfahrtsregelungen, bis hin zu Parkverbotsregeln und Richtungshinweisen. Oftmals ergänzt wird das Ganze um mehr oder weniger wichtige Info-Schilder auf Sehenswertes oder öffentliche Gebäude.

Wer aus diesem „Hinweis-Wirrwarr“ ernsthafte Informationen ziehen will, braucht die Reaktions- und Wahrnehmungsfähigkeiten eines Formel-1-Piloten. Ein Umstand, der sich bei den „normalen“ Verkehrsteilnehmern eher selten finden lässt.

Ein sinnvoller Ansatz, die oft missliche Situation zu verbessern, ist daher die konsequente Durchforstung des städtischen Schilderwaldes. Auch in Meinerzhagen geschieht das in unregelmäßigen Abständen.

„Wir gehen dabei auf die Hinweise der Kollegen und aufmerksamer Bürger ein und überprüfen die Situation jeweils vor Ort. Dabei sind die bei der rechtlichen Betrachtung die Kollegen vom Ordnungsamt und gegebenenfalls die Polizei und des Straßenverkehrsamtes des Märkischen Kreises mit eingebunden“, so Jürgen Tischbiereck vom Tiefbauamt (Fachbereich technischer Service) der Stadt Meinerzhagen auf Nachfrage der MZ.

Grundsätzliche Überlegungen, die Beschilderung möglichst „sparsam“ auszulegen gibt es besonders bei der Neu- oder Umplanung von Wohngebieten, weiß Tischbiereck zu berichten. Das von der Europäischen Union geförderte „Shared Space“ ist indes nach seiner Ansicht für Städte wie Meinerzhagen ungeeignet.

Vereinfacht ausgedrückt ist im städtebaulichen Planungskonzept „Shared Space“ der komplette Abbau von Schildern und Signalanlagen vorgesehen. Ausnahmen davon bilden nach Ansicht der Erfinder dieses Konzeptes lediglich „innerstädtische Hauptverkehrsadern“.

Eine der wenigen kleineren Städte, die sich an „Shared Space“ versucht haben, ist die Gemeinde Bohmte im Landkreis Osnabrück. Rund 14000 Menschen leben dort auf einer Gemeindefläche, die der von Meinerzhagen (112 qkm) entspricht.

Nach intensiver, jahrelanger Vorbereitung mit Bürgerbeteiligung, baute man dort bis Juni 2008 ganze Ortsteile und die Innenstadt „verkehrstechnisch“ um und Straßenschilder konsequent ab.

Investiert wurden dafür 2,1 Millionen Euro, die Hälfte davon kam aus Brüssel von der EU. Bisher hat sich dort nach Einschätzung der Fachleute jedoch nicht der erhoffte Effekt eingestellt.

Eine wesentliche Verlangsamung des Innenstadtverkehrs und eine erhöhte Akzeptanz gegenüber den „Schwächeren“, im Verkehr ist ausgeblieben.

Vielmehr gab es durch den Abbau von Parkplatzbeschilderungen kurzfristig chaotische Verhältnisse. Dabei wurde beispielsweise der Platz für den Wochenmarkt zugeparkt, so das dieser ausfallen musste.

In Duisburg und in einem Frankfurter Stadtbezirk wurde das „Shared Space“ - Projekt teilweise durch die Umwandlung einer breiten Straße in einen verkehrsberuhigten Bereich, bzw. durch einen drastischen Abbau von Verkehrsschildern umgesetzt. Die Stadt Jena stoppte hingegen an einer viel befahrenen Straße wegen Sicherheitsbedenken die bereits begonnene Einrichtung einer Shared Space-Zone.

Auch wenn der ganz große planerische Ansatz von Shared Space für Meinerzhagen sicherlich nicht infrage kommt, eine grundsätzliche „Durchforstung“ würde dem Schilderwald der Volmestadt gut tun.

Und auch für den Stadtsäckel brächten das ein oder andere nicht aufgestellte Schild eine Entlastung. Immerhin schlagen allein die Materialkosten für ein „normales“ Verkehrszeichen mit rund 300 Euro zu Buche. Die Montage nicht mit eingerechnet. ▪ jjh

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