Schauen Frauen Frauenfußball?

Wenn die deutschen Frauen kicken, schauen Millionen zu. Nicht alle Frauen interessieren sich jedoch für die WM. ▪ dpa

MEINERZHAGEN ▪ Heute Abend geht es weiter.

Dann bestreitet die deutsche Frauen-Fußball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land ihr letztes Gruppenspiel gegen Frankreich. Während bei der WM der Männer „Party“ auf den Straßen angesagt war, ist es in Meinerzhagen zurzeit „fußballtechnisch“ eher ruhig – trotz der Heim-WM. Da stellt sich die Frage: Was bekommen heimische Frauen von dem Großereignis mit? Fiebern auch sie mit, wenn Fatmire Bajramaj, Okoyino da Mbabi, Birgit Prinz, und die anderen Stars um die Fußballkrone kämpfen?

Christiane Schürmann, stellvertretende Bürgermeisterin und SPD-Ratsfrau, eher nicht. „Ich interessiere mich generell nicht für Fußball – im Gegensatz zu meinem Mann, der auch die Frauen-WM anschaut.“ Den großen „Medienrummel“ um die Veranstaltung hat aber auch sie bemerkt. „Und das finde ich richtig. Leistungen von Frauen sollten genauso gewürdigt werden, wie die von Männern.“

Marlies Tweer ist Vorsitzende der Meinerzhagener Landfrauen – und mit ein wenig Glück wird sie das Spiel gegen Frankreich heute live im Stadion verfolgen. „Mein Sohn kann wohl Karten bekommen“, freute sie sich gestern. Die Volmestädterin interessiert sich sehr für die Weltmeisterschaft, sieht die Spiele auch am Fernseher. „Das Medieninteresse ist absolut berechtigt, auch wenn es nicht die Ausmaße hat, wie bei den Männern.“ Warum der kleine Unterschied immer noch besteht, weiß Marlies Tweer nicht – und sie kann auch nicht nachvollziehen, warum die Frauen ihrer Meinung nach nicht gleich behandelt werden: „Die Männer spielen zwar schon länger Fußball, aber nicht besser.“

„Schuster, bleib bei deinen Leisten.“ Die Meinung von Monika Besner, Leiterin des Wilhelm-Langemann-Hauses, ist eindeutig. „Ich kann mit Frauenfußball noch weniger anfangen, als mit Männerfußball. Und bei uns im Haus ist die WM fast überhaupt kein Thema“, berichtet die Chefin des Seniorenheimes an der Mühlenbergstraße. Sie findet, dass der Fußballsport Frauen nicht „entgegenkommt“. „Das ist in meinen Augen nicht ästhetisch“, findet Monika Besner. Dieses vernichtende Urteil ist erstaunlich, schließlich ist Monika Besners Lebenspartner die Sportreporter-Ikone schlechthin: Werner Hansch. „Der schaut sich die WM-Spiele auch an“, berichtet Monika Besner und fügt hinzu: „Muss er auch, denn er ist in diesen Zeiten gefragter Gesprächspartner in Funk und Fernsehen, wenn es um die Frauen-WM geht.“

„Seitdem unsere Frauen im Jahr 2003 den ersten WM-Titel im Frauen-Fußball geholt haben, ließen sich die Vorurteile zumindest ein Stück weit abbauen. Nach dem Sieg gegen Kanada und Nigeria bei dieser WM bin ich über den dadurch vorzeitigen Einzug unserer Frauen ins WM-Viertelfinale sehr erfreut“, verfolgt die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Meinerzhagen, Cynthia Macke, das sportliche Großereignis mit Spannung. „Es ist schön zu sehen, dass die Frauen den Männern in dieser Domäne in nichts nachzustehen scheinen. Vielmehr lässt sich ihre Leistung meiner Meinung nach viel höher einordnen, da sie neben dem Sport noch einem Job oder einem Studium nachgehen. Weiterhin bleibt positiv festzuhalten, dass wir nun zum ersten Mal eine weibliche Moderatorin vorzeigen können, die unsere WM-Partien live kommentiert. Als Gleichstellungsbeauftragte wünsche ich mir, dass sich auch in diesem Bereich die Präsenz der Frauen steigert, denn Frau Neumann hat ihre Kompetenz als Kommentatorin bereits in den ersten zwei Spielen bewiesen. Ich wünsche unseren Frauen für das Spiel gegen Frankreich ein erfolgreiches Ergebnis sowie alles Gute für den weiteren WM-Verlauf.“ ▪ beil

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare