Der Wolf kehrt zurück: „Die Gefahr kommt näher“

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Schäfer Hauke Weerts gehört zum Team von Thomas Krips. Er hütet die Tiere Auf der Freiheit. In freier Natur ist ihm noch nie ein Wolf begegnet: „Die kenne ich nur aus dem Zoo.“

Meinerzhagen - Thomas Krips ist beunruhigt. Der Schäfer aus Meinerzhagen hat allerdings keine Sorge, dass ihm etwas passiert. Er fürchtet um das Leben seiner Tiere. Eine Ur-Angst scheint zurück in Deutschland: die vor dem (bösen) Wolf.

Krips Schafe grasen zurzeit Auf der Freiheit. Dort, wo einst die Evangelische Landesschule stand. Dass sich ein Wolf auf dieses Gelände mitten in der Stadt verirrt, ist unwahrscheinlich. „Aber wir sind mit unseren Schafen auch im Ebbe unterwegs und da kommt die Gefahr eindeutig näher“, rechnet Krips mit dem für ihn schlimmsten Fall: einer Begegnung zwischen ihm, seinen Tieren und dem Raubtier, das aus dem Osten kommend immer größere Teile des Landes besiedelt.

Wie kann Krips seine Herde schützen? Auch darüber macht sich der Meinerzhagener Gedanken. Zwei Lösungen sind ihm dazu eingefallen: „Herdenschutzhunde und Zäune.“ Ganz so einfach, wie sich diese „Gegenmaßnahmen“ anhören, ist deren Umsetzung allerdings nicht: „Herdenschutzhunde kennen nur zwei Dinge: Die zu verteidigenden Schafe und die Zäune, hinter denen sie sich gemeinsam mit der Herde befinden. Die Haltung der Schutzhunde ist nicht einfach. Da muss man dann auch auf die eigenen Hütehunde und den Dackel des Spaziergängers aufpassen.“

Und auch bei einem hohen Elektrozaun hat Krips Bedenken. Er hat von Kollegen in Frankreich gehört, dass Wölfe dort einfach in die Absperrung springen. Und weil sie dabei nicht geerdet sind, bekommen sie auch keinen elektrischen „Schlag“ – der Weg zur Mahlzeit ist frei. „Wölfe sind nicht dumm“, hat sich Krips eine eigene Meinung zur Jagdtechnik des Raubtieres gebildet.

600 bis 800 Schafe hält der Meinerzhagener durchschnittlich, noch ist keines davon einem Wolf zum Opfer gefallen. Doch nicht allzu weit entfernt gab es im Mai Hinweise auf einen möglichen Wolfsriss: Unweit der Ortslage Wildewiese wurde am Gasthof Ermes ein Kalb mit starken Bissspuren tot aufgefunden. Was es damit auf sich hatte und ob tatsächlich ein Wolf das Tier so zugerichtet hatte, konnte Peter Schütz, Pressesprecher des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW, auf Anfrage nicht eindeutig sagen. Doch dafür lag ihm das Ergebnis des Kreisveterinäramtes Arnsberg vor, das den Kadaver des Kalbes untersuchte. „Laut Befund handelte es sich um eine Totgeburt. Und deshalb hat es eine Untersuchung der fremden DNA-Spuren auch nie gegeben“, erklärte Schütz.

Für Thomas Krips ist inzwischen klar: „Ich würde es unterstützen, wenn der Wolf begrenzt zum Abschuss freigegeben würde, wie kürzlich von Gutachtern vorgeschlagen.“

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