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Nur Radioaktives geht nach Jülich

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Von: Thomas Busch

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Florian Georg bei der Arbeit: Seit 15 Jahren ist der gebürtige Hamburger mit dem Schadstoffmobil der Firma Lobbe unterwegs. © Henrik Wiemer

Meinerzhagen - Altöle, Kraftstoffe, Lösemittel, Farben, Lacke, Medikamente, Säuren, Laugen – die Bandbreite der Schadstoffe aus Privathaushalten, die das Schadstoffmobil der Firma Lobbe zur Entsorgung entgegennimmt, ist groß. Chemielaborant Florian Georg erzählt aus seinem Alltag.

Den Satz „Das hier habe ich im Keller gefunden“ hört Florian Georg ziemlich häufig. Wenn ein schon etwas älteres Haus den Besitzer wechselt, findet sich nicht selten die eine oder andere unverhoffte Überraschung in Form von schadstoffhaltigem Abfall. Und selbiger ist dann ein Fall für das Schadstoffmobil, mit dem der Chemielaborant ein Mal pro Monat auch in Meinerzhagen Station macht.

Bei dem vom Iserlohner Entsorgungsunternehmen Lobbe betriebenen Schadstoffmobil handelt es sich um eine Sammelstelle auf Rädern. Regelmäßig fährt der LKW im Auftrag der Abfallgesellschaft des Märkischen Kreises (AMK) die Kommunen im Kreisgebiet an. Florian Georgs Job ist einigermaßen selten: „Den gibt es deutschlandweit nur knapp 300 Mal“, erzählt der Hamburger, der 2005 des Berufs wegen ins Sauerland gekommen und dort längst heimisch geworden ist.

Mit Quecksilber gefüllte Flasche

In den zurückliegenden 15 Jahren hat Georg so einiges erlebt. Überwiegend Unspektakuläres, aber auch Episoden, die den Zuhörer zusammenzucken lassen. Da war zum Beispiel die Kundin, die mit einer Flasche Salzsäure aufkreuzte, oder jemand, der eine bis zum Hals mit Quecksilber gefüllte Halbliter-Flasche vorbeibrachte. Die Herkunft der Stoffe ist nicht selten nur noch schwer bis gar nicht mehr nachvollzuziehen. Die Begründung schlechthin ist der eingangs erwähnte Kellerfund, der in der jüngeren Vergangenheit fraglos auch deshalb so häufig war, weil die niedrigen Zinsen die Zahl der Hauskäufe haben ansteigen lassen. 

Bei Florian Georg und seinem Schadstoffmobil ist man mit solchen „Fundstücken“ in aller Regel an der richtigen Adresse. „Aber für radioaktive Stoffe ist Jülich zuständig“, sagt er und meint damit die in der Stadt im Kreis Düren ansässige Landessammelstelle NRW, die bei Alpha-, Beta- oder Gammastrahlung ins Spiel kommt. So geschehen vor ein paar Jahren, als eine alte Dame im Nordkreis von einer Bleikiste berichtete, die seit den 50er-Jahren in ihrem Keller lagerte und aus dem Nachlass ihres einst an einer Universität unterrichtenden Vaters stammte. Der Inhalt der Kiste entpuppte sich tatsächlich als radioaktiv, und Jülich musste aktiv werden. 

Feuerfester Schutzanzug

Ansonsten sei „der einzelne Bürger, der mit einer einzigen Dose Lack vorstellig wird, eher die Seltenheit“, berichtet Georg aus seinem Alltag. Die Vermutung, dass Einzelabfälle ebenso schnell wie verbotenerweise den Weg in den Hausmüll finden, liegt da nahe. Größeren Mengen dürfte das deutlich gestiegene Umweltbewusstsein entgegenstehen – oder, wie Florian Georg mutmaßt, „vielleicht auch der Nachbar, der einen Blick in die Mülltonne wirft“... 

Für Georg gehört der feuerfeste Schutzanzug zur Grundausstattung, denn schließlich sind nicht wenige der gesammelten Gefahrgüter entzündlich. „Oben auf dem Wagen kann jeder kleine Funke schon eine Explosion auslösen“, sagt der 37-Jährige, der seinem Beruf nach eigenem Bekunden aber ohne Angst nachgeht. „Wir sind top-ausgebildet und gut geschützt“, sagt der Wahl-Sauerländer, der nach seiner Ausbildung zum Chemielaboranten im Bereich Kampfmittelabwehr bei der Bundeswehr gearbeitet hat und nach einschlägigen Schulungen schließlich zur Firma Lobbe fand.

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