Mobile Rücknahmestelle von Chemikalien und Gefahrgut

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Ulrich König und Florian Georg sind Experten in Sachen Gefahrgut. Die beiden Chemielaboranten beraten bei der Entsorgung sämtlicher Chemikalien.

Meinerzhagen - „Da hab’ ich grad was ‘reinbekommen“, sagt Ulrich König, hebt den Zeigefinger und schaut dabei über den Brillenrand. Die Frage zielte auf das giftigste, was sich momentan so an Bord befinde. „Karbid“ ist die Antwort, und das, so erklärt er, sei einer der gefährlichsten Stoffe, die es gebe auf dem Markt. Der Chemielaborant kennt sich aus in der Welt der Schadstoffe, der Fachmann tourt mit dem Schadstoffmobil durch den Kreis, das in regelmäßigen Abständen in der Volmestadt Meinerzhagen Station macht.

Von Stefanie Schildchen

Karbid wird eigentlich in der Eisen- und Stahlindustrie eingesetzt. Früher diente es als „Brennstoff“ in Beleuchtungsgeräten (Karbidlampe). Heute nutzen manche Gartenbesitzer den chemischen Stoff zur Abwehr unliebsamen Getiers. Davon ist aber dringend abzuraten. Reste gehören unbedingt in die Hände eines Spezialisten.

Seit 24 Jahren macht er nun diesen Job. Im Auftrag des Märkischen Kreises fährt er für das Entsorgungsunternehmen Lobbe herum und sammelt, was nicht in den Hausmüll gehört. Säuren, Laugen, alles, was Lösungsmittel enthält. Wer also beim Renovieren Lack übrig behält, für den ist Ulrich König der richtige Ansprechpartner. Lösungsmittelfreie Dispersions- oder Wandfarbe kann man eintrocknen lassen und in die graue Mülltonne werfen.

Pflanzenschutzmittel, Spraydosen, Teppichkleber oder quecksilberhaltige Thermometer werden gerne beim ihm abgegeben. Die Leute holen Kartons und Kisten mit Dosen und Flaschen aus ihren Autos. „Wir nehmen alles – von Arsen bis Zyankali - wenn es sich nicht gerade um Sprengstoff handelt oder um Stoffe, die radioaktiv sind“, sagt König. Und weist auf die orangefarbenen Zeichen hin, auf die Verbraucher achten sollten. Was mit „gesundheitsschädlich“, „giftig“, „reizend“, „ätzend“, „umweltgefährlich“ oder „brandfördernd“ und den entsprechenden Symbolen gekennzeichnet sei, darf auf keinen Fall achtlos im Hausmüll oder gar in der Natur entsorgt werden.

Abbeizmittel, Abflussreiniger, Bremsflüssigkeit und Fotochemikalien werden zum Schadstoffmobil gebracht. Auch Holzschutzmittel, Klebstoffe, Nagellackentferner und Ölfilter wandern in die entsprechenden Container, die im Laderaum den Lastwagens besonders gesichert sind.

Kollege Florian Georg ist gerade dabei, sie fachgerecht zu verriegeln. Der 31-jährige Chemielaborant prüft lieber doppelt und dreifach, ob auch alles befestigt und verschlossen ist. Die Sicherheitsanforderungen sind hoch, empfindliche Strafgelder drohen bei Nachlässigkeit.

„Wir transportieren Gefahrgut!“ Ein Mann muss immer am Wagen ein. Denn wenn etwas passieren würde, „dann richtig“, sagt König. Der Experte weiß, wie die Chemikalien zu sortieren sind. Manche reagieren mit Wasser zu einem hochexplosiven Gemisch. „Wenn so ein Auto brennt“, dann ließe sich das nicht auf konventionelle Weise löschen.

Die Ladung ist kontrolliert, Feierabend für die beiden Techniker. Es geht in Richtung Iserlohn, dort wird das Schadstoffmobil geparkt. Auf einem Hof, der abgeriegelt und durch einen Pförtner überwacht wird.

Die Termine des Schadstoffmobils stehen regelmäßig in der Meinerzhagener Zeitung. Weitere Informationen gibt es beim Märkischen Kreis unter Tel. (02351) 966-6371 oder www.maerkischer-kreis.de

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