Schabbernde Lorbasse und Mariellchens

Jomendorf-Treffen in Meinerzhagen: Eine Fotoausstellung zeigten historische und aktuelle Aufnahmen.

MEINEERZHAGEN ▪ Ein freudiges Wiedersehen feierten am Samstag rund 300 Menschen aus allen Teilen der Bundesrepublik in der Meinerzhagener Stadthalle.

Die Geschichte hat die Weichen in ihrem Leben gestellt, hat es bis in die nachfolgende Generation geprägt. Bereits zum 15. Mal trafen sich die ehemaligen Bewohner des Kirchspiels Groß Bertung in Ostpreußen, das heute in der polnischen Gemeinde Stabigotten/ Stawiguda liegt, in der Volmestadt. Herbert und Helga Monkowski, die aus Jomendorf, einer der sechs Gemeinden des ermländischen Kirchspiels stammen und heute in Meinerzhagen zuhause sind, sowie Klaus Josef Schwittay aus Kierspe sind die Initiatioren dieses Treffens, das seit nunmehr 30 Jahren alle zwei Jahre stattfindet.

„Wenn die Lorbasse (gutmütige „Tunichtgute“) mit dem Mariellches (Mädchen) schabbern (ungezwungen reden), dann ist man wieder Zuhause“. So könnte man den Zweck des Jomendorf-Treffens auf den Punkt bringen. Beim gemeinsamen Essen, einer Fotoausstellung und einer Diaschau sowie beim Tanzen hatten die Gäste in der Stadthalle Gelegenheit, Gedanken und Neuigkeiten auszutauschen und gemeinsam zu feiern.

Die alte Jomendorfer Glocke rief am Samstag die Menschen zum Festgottesdienst mit Pfarrer Hubert Poschmann (ehemals Jomendorf, heute Münster) und Pastor Myrda aus Kierspe. Über viele Jahrzehnte hatte sie in der alten Heimat und anschließend im Durchgangslager in Bramsche bei Osnabrück zum Gebet geläutet, bis sie nach Schließung des Lagers vor 10 Jahren wieder in den Bestand der Ermländer zurückkehrte. Die Meinhardusmusikanten begleiteten musikalisch den Gottesdienst und auch die anschließende Feierstunde, bei der Herbert Monkowski zahlreiche Grußworte aus Polen und der Bundesrepublik verlesen konnte.

Seit vier Jahren sind die „Freunde des Kirchspiels Groß Bertung“ ein eigenständiger Verein. Vorsitzende ist Ewa Schmidt-Bürger aus Hemer, Präsident Herbert Monkowski. Die rund 40 Vereinsmitglieder betrachten sich als unabhängige Untergruppe des BdV Ostpreußen in der Kreisgemeinschaft Allenstein-Land und der BdV-Ortsgruppe Meinerzhagen. Die Gemeinschaft pflegt sehr gute Kontakte zur heutigen polnischen Verwaltung, den Kirchen und der jetzigen Dorfgemeinschaft. An diesen langjährigen freundschaftlichen Beziehungen richteten sich bereits viele weitere Gruppierungen aus, die sich das „Wegräumen der Scherbenhaufen, die die große Politik hinterlassen hat“, so Herbert Monkowski, und eine friedliche Zusammenarbeit zum Ziel setzen.

Bindeglied der Gemeinschaft ist die „Jomen-Post“, eine Dorfzeitung, die sich mittlerweile zu einem Buch entwickelt hat. Auf 200 bis 300 Seiten liefert sie Informationen und Meinungen der ehemaligen und heutigen Bewohner des Kirchspiels Groß Bertung, zu dem die Gemeinden Reußen, Thomsdorf, Darethen, Ganglau und einige kleine Ortschaften gehören.

Die Jomen-Post hat eine Auflage von 1300 Exemplaren, finanziert sich ausschließlich aus Spenden, wird in ehrenamtlicher Arbeit produziert und den Beziehern kostenlos zur Verfügung gestellt.

Bis 2006 leitete Herbert Monkowski, dem die Universität Allenstein/Olsztyn eine Mitarbeit bei der Forschungsstelle regionale Volkskunde angeboten hat, die Redaktion. Waldemar Behrendt, ein Vertreter der „Söhne-Generation“, gab dem Blatt, das sich in deutschen und polnischen Archiven findet, gemeinsam mit seinem Bruder Alfred ein neues Aussehen. Im Internet bietet eine Jomendorf-Seite vor allem der jüngeren Generation Informationsmöglichkeiten: http://www.kirchspiel-bertung.de

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