Keinen Impfstoff geliefert

Impf-Aktionstag - nicht in Meinerzhagen

Dr. Holger Reimann hätte am Samstag gerne geimpft.
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Dr. Holger Reimann hätte am Samstag gerne geimpft.

In weiten Teilen des Märkischen Kreises wurde am vergangenen Samstag gegen Covid-19 geimpft, was das Zeug hielt. Und in Meinerzhagen? Fehlanzeige. Auch in der Praxis von Dr. Holger Reimann „Zum alten Teich“.

Meinerzhagen – Der Arzt hatte eigentlich eine große Impf-Aktion mit 150 Dosen geplant. Eigentlich.

Dr. Reimann erläutert, dass er bereits in der Vorwoche vor der Impf-Aktion, am Freitag, 9. April, um 7.30 Uhr Impfstoff bestellt habe, nachdem er erst einen Abend zuvor von der Kassenärztlichen Vereinigung informiert worden sei. Am Montag darauf habe man noch einmal nachgehakt – einen Tag später sei dann mitgeteilt worden, dass es für seine Praxis keinen Impfstoff mehr gebe. Dann habe sich die Stadt noch eingeschaltet und sich sehr bemüht, aber auch nichts mehr erreicht. Dr. Reimann blickt zurück: „Bei uns war alles vorbereitet. Wir hätten am Samstag 150 Patienten impfen können. Meine Mitarbeiterinnen und ich standen Gewehr bei Fuß.“

Wie Matthis Schneider von der Pressestelle des Märkischen Kreises am Mittwoch auf Anfrage bestätigte, sei keine Praxis in Meinerzhagen und nur eine in Kierspe an der Impf-Aktion vom vergangenen Samstag beteiligt gewesen. Man habe die niedergelassenen Ärzte beliefern können, die rechtzeitig Impfdosen bestellt hätten. Einige hätten leider nicht mehr berücksichtigt werden können, sagte er.

Impfen als Ausweg

Impfen ist für Dr. Reimann weiterhin der einzige Weg aus der Pandemie, deshalb lässt er auch nicht locker. Er bestellt weiter Impfstoff, um eine ähnliche Impfaktion in naher Zukunft durchführen zu können, wie seine Kollegen beispielsweise im Lennetal am vergangenen Samstag. Immerhin erhielt er jetzt eine gute Nachricht: „In der kommenden Woche soll ich 48 Dosen bekommen. Das ist mehr als zuletzt. Vor zwei Wochen hatte ich 24 Dosen, letzte Woche 18 und diese Woche 16. Davon zehn von Astrazeneca und sechs von Biontech.“

Ein weiteres Mittel im Kampf gegen die Pandemie sind Schnelltests. In Schulen sind sie verpflichtend, in Betrieben müssen die Arbeitgeber ihren Beschäftigten nun zumindest ein Test-Angebot machen. Was diese Virus-Nachweise betrifft, ist Dr. Reimann nicht uneingeschränkt glücklich: „Sie durchzuführen, ist erst einmal gut, auch um sogenannte stille Infektionen herauszufiltern. Es kommt nämlich vor, dass Menschen infiziert sind, ohne überhaupt irgendetwas davon zu merken.“ Das kann der Mediziner sogar an Beispielen aus seiner Praxis belegen: „Bei einer Patientin habe ich im Dezember einen Antikörpertest durchgeführt, der negativ war. Im Februar haben wir einen solchen Test wiederholt – er zeigte ein positives Ergebnis. Die Patientin hatte die Erkrankung offensichtlich inzwischen durchgemacht, ohne davon überhaupt etwas zu merken.““

„Keine ausreichende Sicherheit“

Der Weisheit letzter Schluss sind die Schnelltests für den heimischen Arzt nicht: „Sie bieten keine ausreichende Sicherheit und zeigen ein positives Ergebnis nur bei entsprechend hoher Viruslast an.“ Auch das kann Dr. Reimann mit Beispielen aus seiner täglichen Arbeit belegen: „Ich habe eine Familie getestet. Deren Mitglieder waren am Freitag negativ, am Sonntag negativ und am Dienstag, durch PCR-Testnachweis, alle positiv.“

Und wie geht es weiter? Ist eine Entspannung in Sicht? „Ich fürchte, dass die Infektionszahlen erst einmal weiter steigen werden“, ist Dr. Reimann pessimistisch. „Im Augenblick sehen wir die Auswirkungen der Osterferien“, fügt er hinzu.

„Politik trägt Mitverantwortung“

Die Politik trägt für den Meinerzhagener Arzt dabei eine große Mitverantwortung: „Damals, bei der Bankenrettung, wurden die entsprechenden Hilfsmaßnahmen in zwei bis drei Tagen durch Bundestag und Bundesrat gebracht. Und jetzt?“ Die Kanzlerin habe in einer Talkshow schon vor Wochen angekündigt, dass sie dem Geschehen nicht weiter zusehen wolle. „Passiert ist aber immer noch nichts“, bemängelt Dr. Holger Reimann, der hinzufügt: „Wenn Wirtschaftsminister Altmaier im Fernsehen Diskussionsteilnehmern entgegnet ,dann machen Sie doch Vorschläge’ finde ich das schon merkwürdig. Außerdem wird mir bei der Suche nach Lösungen die Wissenschaft viel zu wenig mit ins Boot geholt.“

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