Prozess wegen Kindesmisshandlung

Säugling zu fest gedrückt: Amtsgericht verurteilt 23-jährigen Meinerzhagener

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Meinerzhagen - Nach einem Streit mit seiner Lebensgefährtin wollte ein 23-Jähriger seinen Sohn trösten, doch drückte er den Oberkörper des zwei Monate alten Säuglings derart kräftig, dass das Kind Hämatome und Verletzungen an der Haut davontrug. Am Dienstag verurteilte ihn das Amtsgericht Meinerzhagen zu einer Geldstrafe von 450 Euro.

Die Prozessbeteiligten erlebten einen Angeklagten, der nervös an seinen Fingern spielte, immer wieder um Fassung rang und mit Tränen zu kämpfen hatte. Am Tattag, 17. Juli vergangenen Jahres, habe er sich mit seiner Freundin wegen eines Problems mit dem Jobcenter gestritten, so der 23-Jährige. Schließlich habe er seinen Sohn auf den Arm genommen. Er sei sehr aufgeregt gewesen. Dass er seinen Sohn zu fest gedrückt hatte, habe er nicht bemerkt. 

Die Freundin bestätigte gestern im Zeugenstand den Streit. Wie es zu den Verletzungen gekommen war, könne sie nicht sagen, da sie sich zu der Zeit in einem anderen Raum befunden habe. Das Kind habe geschrien und der Angeklagte habe es zum Beruhigen auf den Arm genommen. „Ich nehme an, er war noch aufgeregt vom Streit und daher überfordert“, vermutete die 29-Jährige. Sie beschreibt den Angeklagten als sehr liebevollen Vater. Sie könne sich nicht vorstellen, dass er den Jungen absichtlich verletzt hatte. Allerdings habe der Meinerzhagener immer wieder Wutausbrüche. Dann schreie er laut herum. Handgreiflich sei er allerdings noch nie geworden. 

Nach dem Streit sei die Frau mit dem Baby zu einer Freundin gefahren. Dort seien ihr dann die Verletzungen aufgefallen. Der Kinderarzt habe sie ins Klinikum nach Lüdenscheid überwiesen. Dort wurde das Kind vier Tage stationär behandelt. Ein als Zeuge geladener Arzt erklärte gestern, das Bild der Verletzungen ließe darauf schließen, dass der Verursacher den Oberkörper des Babys mit beiden Händen umfasst und mit einigem Kraftaufwand zugedrückt haben muss. 

Unter Tränen und kaum hörbar räumte der Angeklagte auf Nachfrage des Vorsitzenden ein, bereits Aggressionen gegen sich selbst und sich auch schon geritzt zu haben. Was am Tattag genau passiert sei, könne er sich nicht erklären. Bislang hatte sich der Meinerzhagener strafrechtlich nichts zu Schulden kommen lassen. Das Gericht sah gestern keine rohe Gewalt, stattdessen aber eine fahrlässige Körperverletzung als bewiesen an und verurteilte den Angeklagten schließlich zu der Geldstrafe in Höhe von 450 Euro.

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