Willkommenskultur für Flüchtlinge etablieren

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Wie die Hilfe für Flüchtlinge in Meinerzhagen konkret angegangen werden soll, wurde von den rund 30 Teilnehmern kontrovers diskutiert.

Meinerzhagen - Wie kann die Situation der Flüchtlinge in Meinerzhagen verbessert werden? Wie soll die ehrenamtliche Hilfe organisiert werden? Diese Fragen beschäftigten am Donnerstag einmal mehr den Runden Tisch im Ratssaal, zu dem sich rund 30 Teilnehmer eingefunden hatten.

Von Luitgard Müller

Außerdem waren Michael Wirth, Fachbereichsleiter Migration im Diakonischen Werk, und Evangelia Kasdanastassi von der Integrationagentur in Werdohl zu Gast, die den Versammelten vor dem Hintergrund ihrer langjährigen Erfahrungen weitere Informationen zum Sachstand lieferten.

Dabei wurde schnell deutlich, dass effektive ehrenamtliche Hilfe in manchen Bereichen nur mit der Unterstützung durch hauptamtliche Kräfte möglich ist. Etwa beim Blick auf die komplexen gesetzlichen Fragen, die sich ergeben können und Kommunal-, Landes-, Bundes- und Europarechte berühren. Rolf Puschkarsky zeigte sich nach Gesprächen mit dem Bürgermeister optimistisch, dass die Flüchtlingsberatung, die Ende der 90er Jahre eingestellt wurde, bald wieder aufgenommen werden könne. Die Kosten dafür lägen in einem niedrigen fünfstelligen Bereich. Außerdem teilte er mit, dass für die Arbeit des Runden Tisches bereits Spenden in Höhe von 4500 Euro eingegangen seien.

Nach einer kontroversen Diskussion, wie erste konkrete Hilfsmaßnahmen aussehen und strukturiert werden könnten, wurde eine Initiativgruppe gebildet, die Vorschläge aus der Versammlung aufgreifen und realisieren soll. Im Bestreben eine Willkommenskultur zu etablieren und den Flüchtlingen eine erste Orientierung in Meinerzhagen zu geben, wird sie einen Begrüßungsflyer mit Informationen zum neuen Wohnort erstellen, denn so Michael Wirth: „Wichtig ist vor allem Dingen, den Menschen ein Stück Heimat in der Fremde zu geben. Vor allem wer aus Bürgerkriegsgebieten kommt, muss erst einmal runter- und ankommen.“

Deutschunterricht auf ehrenamtlicher Basis

Da die Flüchtlinge aus 34 Nationen kommen und der Flyer in möglichst vielen Sprachen abgefasst werden soll, wäre dabei die Unterstützung sprachkundiger Menschen sehr hilfreich. Weiterhin werden Personen gesucht, die bereit sind, den Flüchtlingen auf ehrenamtlicher Basis Deutschunterricht zu erteilen. Dazu reichen normale Deutschkenntnisse, eine Lehrerausbildung muss nicht nachgewiesen werden. Ein entsprechendes Lehrbuch ist bereits vorhanden. Es sei sinnvoll, diesen Unterricht für drei Gruppen – Analphabeten, Langsam- und Schnell-Lerner – anzubieten, riet Evangelia Kasdanastassi.

Begegnungsrunden und auch Hausbesuche bei den Flüchtlingen wurden zur ersten Kontaktaufnahme vorgeschlagen. Bei der Vermittlung von Kontakten bot sich die Baugesellschaft an, die bereits Wohnraum für Flüchtlinge zur Verfügung gestellt hat, da die Unterkunft an der Immecker Straße umfangreich saniert werden musste. Um Frustrationen oder Überlastungen auf beiden Seiten zu vermeiden, empfahl Kastanastassi auch Schulungen für die Ehrenamtlichen.

Mehr finanzielle Mittel für Integration

Wer bei der Erstellung des Flyers behilflich sein, Sprachunterricht erteilen oder mit den Flüchtlingen Kontakt aufnehmen möchte, kann sich mit Hermann-Josef Lobner per E-Mail (h.lobner@dokom.net) in Verbindung setzen. Seit dem letzten Runden Tisch ist die Zahl der Flüchtlinge bereits auf 136 gestiegen. Mit weiteren Zuweisungen sei zu rechnen. Deshalb solle sich der Runde Tisch auch für eine Unterstützung durch die Politik einsetzen, wurde aus den Reihen der Teilnehmer gefordert. Um die betroffenen Kommunen zu entlasten, müssten mehr finanzielle Mittel für die Integration zur Verfügung gestellt werden.

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