33 Jahre als Küster: Rüdiger Tepel blickt zurück

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Rüdiger Tepel tritt nach 33 Dienstjahren als Küster der Evangelischen Kirchengemeinde Valbert den Ruhestand an, sein Nachfolger Andreas Gogarn wurde im Gottesdienst am ersten Advent als Nachfolger eingeführt.

Valbert - Ein Job? Eine Dienststelle? Nein, das ist die Arbeit als Küster für Rüdiger Tepel nie gewesen. Der Beruf ist für ihn Berufung. Er sei Küster aus Leidenschaft: „Küster zu sein, ist für mich eine Herzensangelegenheit.“

33 Jahre ist Rüdiger Tepel als Küster der Evangelischen Kirchengemeinde Valbert tätig. Wenn er in wenigen Wochen, am Sonntag, 13. Januar, im Gottesdienst offiziell in den Ruhestand verabschiedet wird, dann geht er „mit einem lachenden und weinenden Auge“.

Der Valberter Kirchenküster ist mit dem Herzen dabei – durch den Glauben und durch seine tiefe Verwurzelung in „seiner“ Gemeinde. „Sonst kann man diese Arbeit gar nicht so lange machen“, resümiert er. Großen Anteil habe auch seine Ehefrau Gerhild, die ihn stets unterstützte, „vor allem, wenn es um Dekorationsfragen ging“, schmunzelt er.

Verwaltung mehrerer Kirchen und Friedhofspflege

Die Kirche ist nicht nur Arbeitgeber, seit seiner Jugend eng mit der Gemeinde verbunden, ist Rüdiger Tepel hier auch ehrenamtlich engagiert – im Ehepaar-Kreis, in der Jungschar oder als Initiator des Männerkreises.

Seinen Dienst trat der Haustädter am 8. Juli 1985 an – damals gab es auch in Hunswinkel noch eine Kirche und ein Freizeitheim. Rüdiger Tepel hatte damit mehrere Gotteshäuser zu verwalten. Auch die Pflege des Valberter Friedhofs gehört bis heute zu seinem Aufgabengebiet. Viel Arbeit, auch wenn die Gräber für Bestattungen inzwischen nicht mehr selbst ausgehoben werden. „Bei 30 bis 40 Beerdigungen im Jahr gab es nicht wenig zu tun“, blickt Rüdiger Tepel zurück.

Viele Jahre hat sich der Valberter in der Evangelischen Küstervereinigung Westfalen-Lippe engagiert, war eine Zeit lang auch deren Vorsitzender. Im Kirchenkreis war er zudem Vertrauensküster.

Gottesdienste vorbereiten, Glocken läuten, technische Voraussetzungen für Veranstaltungen der Gemeindegruppen schaffen – „langweilig war es nie“, blickt der 63-Jährige zurück.

Auch im Schneegestöber zum Glockenläuten

Und auch die Gemeinde ist „ihrem“ Küster dankbar: „Auf Rüdiger Tepel konnte man sich verlassen. Aufgrund seiner Erfahrung, seines eigenen Anspruchs an eine einladende Gemeinde brauchte es nicht vieler Worte, um Aufgaben oder Dienste abzuklären. Für ihn war klar, was zu tun war“, heißt es im aktuellen Gemeindebrief.

Wenn es irgendwo klemmte, Sicherungen heraus sprangen, Kabeltrommeln benötigt wurden – Rüdiger Tepel war da, wusste Rat und konnte dank seines handwerklichen Geschicks stets helfen. Und als im Winter aufgrund von Schneeglätte an Autofahren nicht zu denken war, machte sich Rüdiger Tepel zweimal auch zu Fuß auf den Weg von Haustadt nach Valbert, um pünktlich zum Gottesdienst die Glocken läuten zu können.

Nur als nach einem Gewitter ein Blitz den Glockenstuhl traf, Sicherungen zerstört wurden, half keine schnelle Reparatur: Die Glocken blieben während einer Trauerfeier stumm, erinnert sich der Küster.

Besondere Gottesdienste, das sind für Rüdiger Tepel vor allem „die moderneren“. „Das entspricht meinem Naturell“, sagt er. Offen und interessiert sein für Neues, das ist ihm wichtig. Eine Einstellung, die sich auch in seinem Glauben und der festen Überzeugung an eine Zukunft nach dem Tod widerspiegelt: „Das Licht geht nicht aus, wenn wir sterben. Dann geht es richtig an. Das Leben hier auf der Erde ist nur auf eine Zwischenstation.“ – Eine, in der der Glaube Halt geben kann. Eine, in der sich die Bedeutung der Kirche aber auch geändert hat: „Die Gesellschaft verändert sich schneller, als die Kirche in der Lage ist zu folgen“, lautet Tepels Feststellung.

Mehr Zeit für die Familie und fürs Campen

Dass sich sein Leben in wenigen Wochen ebenfalls verändern wird, damit hat sich Rüdiger Tepel schon lange auseinandergesetzt. Mehr Zeit wird er dann haben – für die Familie im Vier-Generationen-Haus in Haustadt und fürs Campen. Im „Hotel auf zwei Rädern“ mit seiner Frau in den Norden und in den Süden reisen, darauf freut sich der zukünftige Rentner.

Die Valberter müssen sich dafür allerdings an ein neues Gesicht gewöhnen. Auch hier passt das Wort Veränderung in mehrerlei Hinsicht. Denn Andreas Gogarn, der neue Küster der Gemeinde, wünschte sich ebenfalls Veränderung in seinem Leben und dem Beruf als Veranstaltungstechniker, den er 15 Jahre ausführte.

Als ein „Kind“ des CVJM Kierspe ist dem 45-Jährigen die Gemeindearbeit nicht fremd. In der Jugendarbeit war er lange engagiert, gründete in Kierspe das Jugendcafé mit, arbeitete in Musikgruppen mit, organisierte Gottesdienste und Konzerte, beispielsweise der Gruppe „Ten Sing“. Mit Menschen zusammen arbeiten, ein offenes Ohr haben, das ist Andreas Gogarn wichtig.

Eine positive Herausforderung in der Valberter Gemeinde ist für ihn aber auch die Tätigkeit im Bereich des Friedhofs. Auch hier hat sich in den vergangenen Jahren vieles verändert im Ebbedorf. Es gibt weniger Beerdigungen – um die 30 sind es jährlich –, dafür ist die Zahl der Urnenbestattungen angestiegen.

Die Friedhofsentwicklung spiele daher eine große Rolle, weiß Gogarn. Bei der Pflege kommt ihm auch seine Ausbildung als Forstwirt zugute, die er nach dem Abitur absolvierte. Mit seiner Ehefrau Kristin sei er herzlich aufgenommen worden in Valbert: „Ich bin gespannt, wie die Zahnräder in der Gemeinde ineinander greifen“, so Andreas Gogarn.

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