EGM will mit "Meinerzhagener Modell" zurück zu G9

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Symbolbild

Meinerzhagen - Zurück zum Abitur nach neun Jahren (G9) und damit mehr Zeit für die Schüler, um sich auf die Prüfungen vorzubereiten: Die landespolitische Kehrtwende nimmt Form an. Und weil auch das Evangelische Gymnasium Meinerzhagen (EGM) zu jenen 90 Prozent aller Gymnasien im Land zählt, die G8 hinter sich lassen, galt es, konkrete Maßnahmen zu treffen. Die hat Schulleiter Sven Dombrowski jetzt vorgestellt.

Rückblick: Unter der Regie von Bildungsministerin Yvonne Gebauer (FDP) wurde das entsprechende Gesetz für die G9-Rückkehr beschlossen. Kurios: Es war auch eine CDU/FDP-Landesregierung, die zum Schuljahr 2005/06 in NRW mit Zustimmung aller damaligen Landtagsfraktionen das Abitur nach acht Jahren (G8) auf den Weg gebracht hatte. 

Schnell regte sich Protest. Schüler, Eltern und Pädagogen wandten sich mit Initiativen gegen das „Turbo-Abitur“. Es diene nur ökonomischen Interessen, solle die Jugendlichen schneller auf den Arbeitsmarkt bringen, ohne ausreichend ausgereifte Persönlichkeit und unter großem Schulstress. Das Resultat nach langen Debatten: Jetzt können die Schulen in Nordrhein-Westfalen zwischen der Kurzform und dem Abitur nach einem zusätzlichen Schuljahr wählen. Das EGM gehört zu den Rückkehrern.

„Die Rückkehr zu G9 wird bei uns auf breiter Basis von Schülern, Eltern und Lehrern getragen“, betont Schulleiter Sven Dombrowski und ergänzt: „Die uns anvertrauten Schülerinnen und Schüler in ihrer Persönlichkeit und mit ihrem Potenzial stehen bei uns im Mittelpunkt.“ Deshalb möchte das EGM die gewonnenen Spielräume unter G9 sehr stark zur individuellen Förderung nutzen. 

Dazu soll ein Tag in der Woche für die Klassen sieben bis zehn besonders gestaltet werden. Drei Möglichkeiten sind vorgesehen:

  • Zum einen kann die Zeit für individuelle Projekte genutzt werden. Schüler haben dabei beispielsweise die Chance, in einem Betrieb vor Ort die Arbeitswelt intensiv kennenzulernen. Sie können soziale Projekte in der Stadt anregen und mitgestalten oder als Schülerstudenten an einer Universität lernen. 
  • Die zweite Möglichkeit besteht darin, in Projektgruppen fächer- und jahrgangsübergreifend zu arbeiten. Als ein Beispiel dafür nennt die stellvertretende Schulleiterin Miriam Haarbach das Thema „Auswirkungen des Klimawandels für Meinerzhagen“.
  • Die dritte Möglichkeit umfasst die gezielte Förderung in den Kernfächern Deutsch, Englisch und Mathematik sowie in der zweiten Fremdsprache. Dazu plant das EGM die Bildung von jahrgangsübergreifenden Gruppen, in denen entweder das Defizit in dem jeweiligen Fach aufgearbeitet oder Spitzenförderung angeboten wird. 

„Dieses ,Meinerzhagener Konzept’ wird im Moment in Kleingruppen mit Lehrern, Eltern und Schülern intensiv diskutiert und weiterentwickelt“, berichtet Schulleiter Dombrowski. Für das Kollegium gibt es im März eine zweitägige Fortbildung. Danach wird das Modell der Schulkonferenz zur endgültigen Entscheidung vorgelegt. „Im Rahmen des Konzeptes werden wir den Themenbereich Digitalisierung weiter vertiefen“, ergänzt Sven Dombrowski.

Fest steht auch, dass in den Jahrgängen fünf und sechs weiterhin das vorhandene Werkstattsystem mit starker Bindung an die Klassenlehrer bestehen bleibt und bewusst analoges Lernen im Vordergrund steht. Die Veränderungen greifen ab den künftigen Jahrgängen fünf und sechs – betreffen also die jetzigen Viert- und Fünftklässler. 

Die EGM-Jahrgänge darüber beenden ihre Schullaufbahn noch nach den Vorgaben des derzeitigen G8. Damit haben alle Beteiligten noch gut eineinhalb Jahre Zeit, um das in der Bildungslandschaft bislang recht einmalige ,Meinerzhagener Modell’ in Zusammenarbeit mit vielen Einrichtungen und Unterstützern vor Ort optimal vorzubereiten.

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