Zwei Sprachen, ein Projekt: „Rucksack-Kita“

Zur Freude von Büchereileiterin Karin Leßmeier meldeten sich einige Gäste gleich in der Einrichtung an.

Meinerzhagen - In den Meinerzhagener Kindertagesstätten wird mit den kleinen Besuchern Deutsch geredet. Zuhause, bei Mama und Papa, ist bei vielen Kindern Türkisch vorherrschende Sprache. Oder auch nicht. Oft mischen sich in Familien mit Migrationshintergrund beide „Mundarten“. Dann muss eine Lösung gefunden werden, wie die Gesprächspartner „kommunizieren“.

Von Jürgen Beil

Das ist schon für Erwachsene eine echte Herausforderung – und erst recht für Kinder, unter Umständen auch in der Schule. Richtig schwierig wird es auch, wenn ein in Deutschland lebendes Kind seine Verwandten in der Türkei besucht. Oma, Opa, Tante und Onkel verstehen dann oft nur „Bahnhof“ statt – türkisch korrekt – „Istasyon“. Dabei ist es eigentlich ideal, im Kindesalter zweisprachig aufzuwachen. Denn: Nie wieder im späteren Leben ist eine Sprache einfacher zu lernen, als in den ersten Lebensjahren. Und genau diesen Aspekt macht sich ein Projekt des Märkischen Kreises zunutze, das nun auch im Meinerzhagen angewendet wird. Es nennt sich „Rucksack KiTa“ und wird unterstützt vom Märkischen Kreis. Zielgruppen sind Eltern mit Migrationshintergrund und ihre Kinder zwischen vier und sechs Jahren, die eine Kindertageseinrichtung besuchen.

Die Idee ist einfach: Die Eltern – beispielsweise mit türkischen Wurzeln – werden als Experten für die Erziehung ihrer Kinder in Sachen „Herkunftssprache“ angesprochen. Das übernimmt in Meinerzhagen Diplom-Sozialarbeiterin Sevgi Sarikaya. Sie ist Mitarbeiterin des „Kommunalen Integrationszentrums“ beim Kreis in Lüdenscheid. Ihr zur Seite stehen in der Volmestadt auch zwei so genannte Elternbegleiterinnen: Pinar Emrecan, deren Kind die Kita Korallenriff besucht, und Funda Kuzugüden, die diese Aufgabe in der Einrichtung am Inselweg übernommen hat. Zusammen mit Eltern, Erzieherinnen der Kitas und Kindern wird versucht, zwei Sprachen unter einen Hut zu bringen – und das in frühester Kindheit.

Natürlich profitieren auch die Eltern von dem Projekt, bei dem regelmäßige Treffen stattfinden. Übungsmaterialien für die muttersprachliche Arbeit, zur Verfügung gestellt vom Kommunalen Integrationszentrum, werden zusammen „bearbeitet“, ohne die Kleinen zu überfordern. Verschiedene Themen spielen dabei eine Rolle: „Die Kita“, „der Körper“, „Unterwegs“ oder „Familie“ – und auch die „Stadtbücherei“. Letztgenannte Einrichtung war am vergangenen Montag Ziel eines Besuches, den die „Rücksack“-Kinder und ihre Mütter unternahmen. Mehr als 30 Besucher hatten sich eingefunden, sie wurden von Leiterin Karin Leßmeier begrüßt.

„Den Kindern macht das total viel Spaß. Und auch die Erwachsenen lernen viel“, berichtet Pinar Emrecan. Das konnten die Mütter am Montag nur bestätigen. Stellvertretend für viele andere Frauen berichtete eine Besucherin: „Ich habe dadurch Wörter auf Türkisch gelernt, die ich vorher überhaupt nicht kannte.“

Und für Karin Leßmeier von der Stadtbücherei bedeutete der Besuch sogar „Zuwachs“ in der Leserkartei: Einige Mütter füllten für sich und ihre Kinder gleich ein Anmeldeformular aus.

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