Rotes Kreuz übt den Ernstfall

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Bis zum angenommenen Transport eines Verletzten in ein Krankenhaus wurde alles im Rahmen der Übung durchgespielt. ▪

LISTERTAL ▪ Schmerzensschreie, blasse Gesichter mit blauen Lippen, aus der Haut ragende Knochen und aus der Nase laufendes Blut – das bot sich den Kameraden der zweiten Einsatzeinheit des Deutschen Roten Kreuzes kürzlich an der Listertalsperre – zum Glück allerdings nur als Übungsszenario.

In acht Fahrzeugen mit Blaulicht waren die 30 Kräfte aus Meinerzhagen, Kierspe und Plettenberg zum Einsatz geeilt. „Waldbrand im Zeltlager einer Jugendfreizeit“, hieß es auf den Meldeempfängern der Rot-Kreuzler. Wie viele Jugendliche „verletzt“ waren oder betreut werden mussten, war zu dem Zeitpunkt nicht bekannt.

Der Wettlauf mit der Zeit begann. Nach einer kurzen Lagebesprechung wusste jeder der Einsatzkräfte genau, was zu tun war. Am Ort des Einsatzes waren laut die Befehle und Meldungen der Sprechfunkgeräte zu hören. „Sanitätszelt einsatzbereit“, konnte der Gruppenführer der Sanitätseinheit, Jochen Abel, nach nur 15 Minuten der Einsatzleitung melden. „Verletzte können zugeführt werden.“

Zeitgleich meldeten Alex Kalscher, Gruppenführer der Betreuung aus Kierspe und Henning Grützbach, Gruppenführer Technik aus Plettenberg, ihre Einsatzbereitschaft. Den Männern und Frauen lief der Schweiß unter ihren Helmen hervor. Während die ersten „Verletzten“ nach der Registrierung im Sanitätszelt behandelt wurden, kümmerten sich weitere Einsatzkräfte im Betreuungszelt um die anderen Jugendlichen. „Hast du Schmerzen? Wie heißt du? Frierst du? Weißt du, welcher Tag heute ist“, waren die ersten Fragen an die Verletzten.

Ein junges Mädchen litt an (simulierter) Atemnot. Ein anderes war angeblich unterkühlt. Aus dem Unterarm eines Jungen schaute der Knochen heraus – täuschend echt nachgestellt. Der „offene Knochenbruch“ wurde steril versorgt, während ein Jugendlicher im „Schockzustand“ auf der Trage behandelt wurde. Ein weiterer Jugendlicher war so verwirrt, dass er einen Fernseher suchte, immer wieder das Betreuungszelt verließ und eingefangen werden musste.

Das Szenario an der Listertalsperre wirkte echt und war doch nur gespielt. Die Notfalldarsteller des Jugendrotkreuzes Kierspe und der Jugendfeuerwehr Meinerzhagen hatten ihren Rollen sehr überzeugend vermitteln können. Bis zu zwei Stunden dauerte es übrigens, um einen Verletzten zu schminken. „Dabei werden Materialien verwendet, die auch in Film und Theater Anwendung finden“, erklärte Tim Gijbels, der die Darsteller perfekt zurechtmachte.

„In dieser Zusammenstellung war das die erste Übung in dieser Art und die lief sehr gut“, bedanken sich der Zugführer der 2. Einsatzeinheit Volker Neumann und Führungsassistent Markus Schemann bei allen an der Übung Beteiligten. „Ein Ziel war es heute auch, dass wir uns gegenseitig als Einsatzkräfte und Führungskräfte besser kennen lernen.“

Beim gemeinsamen Grillen entspannten sich dann jedoch alle wieder – und auch die Anspannung wich bei den Akteuren. ▪ mm

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