Auf Spurensuche

Hier steht der Baum des Jahres

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Markante Schattenspender im Sommer, Blickfänger auch im Herbst: Die Robinien in der Fußgängerzone Zur Alten Post (linkes Foto) prägen das Stadtbild.

Meinerzhagen - Sie trägt ihr Geheimnis im Verborgenen. Und seit der vergangenen Woche ist sie sogar ein echter „Promi“ unter den Pflanzen: Die Robinie wurde zum Baum des Jahres 2020 auserkoren. Ein Baum, der in Meinerzhagen präsenter ist, als man zunächst vermutet.

Robinien im Stadtgebiet? Friedrich Rothaar, Fachbereichsleiter Technischer Service, muss nicht lange überlegen, wenn er nach Standorten des prämierten Baums gefragt wird. Denn: Vier von ihnen können fast schon als markante Wahrzeichen der Innenstadt bezeichnet werden, stehen sie doch inmitten der Fußgängerzone Zur Alten Post. 

Für Besucher der Eisdiele oder Kinder, die sich auf den neuen Spielgeräten vergnügen, sind sie willkommene Schattenspender. Und das ist nicht ihr einziger Vorteil, wie Valko Gerber, „Baum-Experte“ im Meinerzhagener Rathaus, verrät. 

Robinie mit Licht- und Schattenseiten

„Die Robinie hat eine sehr ausgeprägte Blütenbildung und ist eine wichtige Honigpflanze, wenngleich sie in unserer Region als solche auch nicht ausreichend vorhanden ist“, erklärt Gerber. Ein beliebtes Anflugziel von Insekten sei sie aber auch hier – und: „Sie ist salzresistent, sodass sie auch an Straßen gepflanzt werden kann.“ Allerdings mit Einschränkungen, denn: Der Baum des Jahres 2020 hat auch sprichwörtliche Schattenseiten. Dazu gehört auch sein Wurzelwachstum. 

„Eigentlich verfügt der Baum über Pfahlwurzeln, die tief in den Boden hineinreichen“, weiß Valko Gerber. Mit zunehmendem Alter ändere sich dies aber, entwickele sich die Robinie zu einem Flachwurzler, der Pflastersteine anhebt und damit für Unebenheiten in seiner direkten Umgebung sorgen kann. Deutlich wird das auch Zur Alten Post, wo die Folgen noch nicht allzu dramatisch, aber durchaus sichtbar sind. Immerhin sind die Exemplare, die in der Fußgängerzone stehen, mittlerweile älter als 40 Jahre – sie haben aber mindestens weitere 40 vor sich. 

Bäume werden bis zu 100 Jahre alt

Bis zu 100 Jahre alt kann die Robinie werden – wenn sie denn nicht von Pilzen oder anderen Schädlingen befallen wird. Wie es vor vier Jahren einem mächtigen Exemplar am Aldi-Parkplatz zwischen Lindenstraße und Hauptstraße erging. Ein Gutachten hatte damals ergeben, dass von dem Baum eine dauerhafte Gefährdung ausging. Nach der Fällung war klar: eine richtige Entscheidung, denn die Robinie war innen weitestgehend hohl. Immerhin: Sie hatte ein langes Leben. Der Fachmann schätzte das Alter des Baumes auf 80 bis 90 Jahre. 

Besonders auffällig sind die Bäume in ihrer Blütezeit zwischen Mai und Juni. „Dann hängen duftende Schmetterlingsblüten traubenförmig an ihren Zweigen. Charakteristisch sind aber auch ihre rotbraunen Dornen“, heißt es vonseiten der Baum des Jahres Stiftung, die jährlich eine besonders bemerkenswerte Pflanze kürt (siehe Info-Kasten). Das Holz der Robinie ist biegsam und wird im Möbel- und Schiffsbau verwendet. Für Gartenmöbel gilt das witterungsbeständige Robinienholz als gute Alternative zu Tropenhölzern. 

Ursprung in Nordamerika

Dabei hat die Baumart ihre Ursprünge in Nordamerika westlich des Mississipi. Die ersten Robinien in Deutschland seien vermutlich 1670 im Lustgarten des Berliners Stadtschlosses gepflanzt worden. „In deutschen Wäldern kommt die Baumart bis heute eher selten vor“, heißt es. Ausnahmen sind Brandenburg und Sachsen-Anhalt mit ganzen Robinienforsten. Die Robinie gilt als Meisterin im Besiedeln karger Böden. „Das Geheimnis ihres Erfolges steckt unter der Erde“, erläuterte die neue Deutsche Baumkönigin Charlotte Baumann. Bakterien, die an der Wurzel lebten, fixierten Stickstoff aus der Luft. Dieser reichere sich dann im Boden an. Pflanzen, die es stickstoffarm mögen, gehen daher in der Nähe von Robinien ein. Robinien stehen deshalb auf der Liste der sogenannten invasiven Baumarten. Sie dürfen nach Angaben der Stiftung nicht mehr ohne Genehmigung in freier Natur gepflanzt werden, damit sie nicht in die Nähe von Schutzgebieten mit stickstoffarmen Böden kommen. 

Für Menschen giftig

Die Blüten der Robinie sind nicht nur bei Bienen beliebt, sie lassen sich ähnlich wie Holunderblüten auch in Limonade oder Gelee verwandeln. Die Rinde, aber auch die reifen Samen und Blätter, sind für Menschen allerdings giftig. Für Pferde könne Robinienrinde sogar tödlich sein. Die eiweißreichen Blätter sind für Rehe, Ziegen, Rinder und andere Wiederkäuer dagegen eine Delikatesse.

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