Kult-Gaststätte

Revival-Party und Erinnerungen ans Lady's Inn

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Früher stand der DJ am Plattenteller – heute am digitalen Mischpult. Auf dem rechten Bildschirm ist der Hinweis auf die Streaming-Plattform Spotify zu sehen. Dort ist ein Lady’s Inn-Soundtrack abrufbar.

Meinerzhagen - Die Luft schneidend dick, reichlich Beats pro Minute und zwischendurch eine kräftige Prise Hardrock, bei der die Hände zur Luftgitarre über imaginäre Saiten fliegen: Samstagabend lebte in Ollis Kneipe am Melmcheweg die gute alte Zeit aus der früher angesagten Meinerzhagener Diskothek Lady’s Inn wieder auf.

Die Discjockeys Oliver und Roland vom Organisations-Team der Revival-Party sorgten für den passenden Sound. Gastwirt Oliver Geier hatte vorab keine Mühen gescheut und in einem Teil seines Lokals extra einen strapazierfähigen Tanzboden ausgelegt sowie den Zugang zur angrenzenden Kegelbahn abgetrennt. Am Ende gab es wohl deutlich mehr Platz als im alten Lady’s Inn im ehemaligen Mehllager der Bäckerei Voss-Mühle. 

Das war auch bitter nötig, denn angesichts der Scharen von feiernden Inn-Fans wurde es auch am Melmcheweg richtig eng. DJ Oliver war überglücklich. „Das ist irre. Damit haben wir total nicht gerechnet“, kommentierte er den bis weit in die Nacht anhaltenden Ansturm auf das Event. 

Es war ein Publikum, das meist noch das letzte Jahrzehnt im Lady’s Inn auf der Ecke zwischen Haupt- und Lindenstraße miterlebt hat. „1984 muss es gewesen sein – da war Schluss,“ sind sich die beiden Plattenzauberer sicher. So ganz genau nimmt es niemand mit der Inn-Chronik. Es gibt kaum Fotos und die Erinnerung der Protagonisten ist etwas nebulös. 

Kein Wunder bei den rauschenden Nächten, die in dem von Siegen bis Hagen und von Gummersbach bis Iserlohn bekannten Laden über die Bühne gegangen sind. Im November 1967 eröffnete das Lady’s Inn. Ein Start in jugendbewegter Zeit. Am Anfang stand die Idee eines Tanzcafés. 

„Das hielt aber nur wenige Wochen vor. Dann entdeckte die Meinerzhagener Jugend die Lokalität und machte sie zum Treffpunkt der antiautoritären Bewegung in Meinerzhagen, wie sich Stadt-Chronist Holger Weyland erinnert. 

Er gehörte damals als älterer Schüler des Gymnasiums zur ersten Besuchergeneration, die sich anfangs noch am Beat der 1960er Jahre und danach an den härteren Sachen von Bands wie Who, Rolling Stones, Deep Purple oder Cream erfreute.

„Die Musik war und blieb der Kern des Erfolgs“, schlagen die DJs Oliver und Roland den Bogen bis in die 1980er Jahre. Ihre Kollegen damals hatten es nicht leicht. Die Plattenspieler standen auf einem kleinen Bord neben der Theke. „Die konnten sich kaum bewegen und hatten unter dem Plattentisch nur kaum Platz für wenige, aber stets hochkarätige LPs“, so die beiden. 

Ganz hervorragende Musiker und Kenner mit gutem Gespür für den Publikumsgeschmack seien im Inn über die Jahre für den Sound verantwortlich gewesen. Der zweite Pluspunkt im Lady’s Inn war die familiäre Atmosphäre. Da gab es keine großen Wechsel – die Betreiber setzten zu den Öffnungszeiten immer ihr bewährtes und bei den Gästen beliebtes Serviceteam ein. „Die Verbundenheit von uns Gästen ging so weit, dass wir nach einem Brand Anfang der 1980er-Jahre beim Aufbau des Ladens kräftig mit angepackt haben“, erinnert sich Gastwirt Oliver Geier. 

"Der damalige Betreiber war zu dem Zeitpunkt so klamm, der hätte den Laden sonst zugemacht." Aber irgendwann war es dann doch vorbei mit dem Lady’s Inn. Dafür boomte am Samstag die Revival-Party, die angesichts des Besucheransturms und der tollen Stimmung in absehbarer Zeit natürlich eine Neuauflage verdient hätte.

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