Spezial-Rettungsfahrzeuge nötig

Ob Unfall oder Krankheit: Extrem schwere Patienten können Probleme bereiten

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Dass Rettungshubschrauber Patienten nicht mitnehmen können, kommt selten vor. Bei einem Unfall in Meinerzhagen war das aber so.

Meinerzhagen - Irgendwann ist immer das erste Mal. Auch für erfahrene Feuerwehrleute, die eigentlich schon alles erlebt haben. Das war auch bei einem Unfall so, der sich in diesem Jahr auf Meinerzhagener Stadtgebiet ereignete.

Die Herausforderung dabei: Der im Auto eingeklemmte Fahrer war extrem schwer und von ausladender Statur. Die Konsequenz: Weder im auf der Landstraße gelandeten Rettungshubschrauber noch im Rettungswagen konnte der junge Mann abtransportiert werden. Es war schlichtweg unmöglich, ihn sicher zu fixieren. 

Und auch die patientengerechte Befreiung des Unfallopfers war eine große Herausforderung für die Kräfte der Löschzüge Valbert und Haustadt. Stadtbrandinspektor Christian Bösinghaus, damals selber vor Ort, erinnert sich an den Kraftakt: „Das war auch für uns eine Premiere. Und auch der Rettungsdienst hat mir berichtet, dass es das erste Mal war, dass sie den Transport nicht bewerkstelligen konnten.“ 

Unfallopfer konnte nicht angeschnallt werden

Gurte wurden schließlich benutzt, um den Verletzten aus dem Autowrack heraus zu bekommen. Zuvor hatte die Feuerwehr das Dach des Kleinwagens abgetrennt, um den Mann nach oben bewegen zu können. „Dazu war großer Personalaufwand nötig“, berichtet Bösinghaus. Auf die ihnen zur Verfügung stehende Ausrüstung kann sich die Feuerwehr bei solchen Einsätzen übrigens verlassen. „Die Tragen sind für ein Gewicht bis 250 Kilogramm ausgelegt“, erläutert der Stadtbrandinspektor.

Weder beim Rettungshubschrauber noch dem Rettungswagen war das Gewicht des Patienten damals das Hauptproblem. Das Unfallopfer konnte schlichtweg nicht angeschnallt werden. Ein Transport ins Krankenhaus kam so natürlich nicht in Betracht. Doch die Herausforderung wurde mit Hilfe aus der erweiterten Nachbarschaft noch gemeistert: Ein aus Wuppertal angeforderter Schwerlast-Rettungswagen rückte an. In ihm konnte der Patient schließlich zur weiteren Versorgung in die Klinik gefahren werden. 

Keine Schwerlast-Rettungswagen im MK

Im Märkischen Kreis gibt es solche Spezial-Rettungsfahrzeuge für extrem übergewichtige und große Menschen nicht. Das bestätigte Pressesprecher Hendrik Klein: „Wir fordern dann entsprechende Fahrzeuge an, die in Wuppertal, Dortmund, Hattingen und Herne stationiert sind. Im Meinerzhagener Fall kam das Fahrzeug aus Wuppertal.“ Klein erläutert weiter, dass im Bereich der heimischen Bezirksregierung bereits eine Abfrage bei den Rettungsdiensten gemacht worden sei, was den Bedarf an einem Schwerlast-Rettungswagen betreffe. „Dabei kam heraus, dass ein solches Fahrzeug nicht erforderlich ist. Wie der Meinerzhagener Unfall gezeigt hat, kommen solche Einsätze vor. Aber sie sind sehr selten.“ 

Außerdem, so Klein weiter, sei bei einem Unfall erst vor Ort feststellbar, ob ein Schwerlast-RTW wirklich benötigt werde. „Die Einsatzkräfte verfügen über entsprechende Erfahrungen und fordern einen solchen Wagen dann umgehend an. Das klappt auch reibungslos.“ Weil die Anfahrt dann allerdings in der Regel über die Autobahn erfolgt, ist im Ernstfall natürlich stets mit Staus zu rechnen. 

Feuerwehr ist gut gerüstet

Bis ein schwergewichtiger Patient also abtransportiert werden kann, wird mehr Zeit vergehen, als bei einem normalen Einsatzgeschehen, bei dem der RTW aus der Wache an der Oststraße anrückt. Und was passiert, wenn ein sehr schwerer und großer Kranker oder Verletzter aus oberen Stockwerken gerettet werden muss, etwa bei einem Brand? Christian Bösinghaus weiß die Meinerzhagener Feuerwehr dafür gut gerüstet: „Wir können dann unsere Drehleiter einsetzen, deren Gestell dafür ausgelegt ist. Die Trage aus dem Rettungswagen kann an deren Korb angeklinkt werden. So ist auch eine Rettung auf diesem Wege möglich.“

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