Reservistenkameradschaft vor dem „Aus“

Reinhard Vogt (links) mit einigen wenigen Kameraden bei einer Kranzniederlegung am Volkstrauertag. - Archivfoto: F. Zacharias

Meinerzhagen - Am 18. Mai 1998 wurde in der Gaststätte „Zur Schanze“ die Reservistenkameradschaft Meinerzhagen neu gegründet. Die hat zurzeit (offiziell) noch etwa 20 Mitglieder. Vorsitzender – und das von Beginn an – ist Stabsgefreiter der Reserve Reinhard Vogt. Der 73-jährige ehemalige Marinesoldat fühlt sich momentan allerdings ein wenig „allein auf hoher See“.

„Uns fehlen Mitglieder, die sich aktiv am Geschehen beteiligen möchten“, beklagt er. Und weil Reinhard Vogt in absehbarer Zeit nach Norddeutschland umziehen wird, droht der „RK“ Meinerzhagen nun sogar das „Aus“. Erst recht nach der jüngsten Versammlung, als sich laut Vogt lediglich zwei Kameraden eingefunden hätten und sich niemand für die weitere Vorstandsarbeit habe gewinnen lassen.

Anders als bei eingetragenen Vereinen ist eine Auflösung der heimischen Kameradschaft allerdings nicht nötig. Das verdeutlicht Wolfgang Dingarten, beim Bundesverband der Reservisten in Bonn zuständiger Sachgebietsleiter für die Verbandsarbeit: „Kameradschaften vor Ort sind keine eingetragenen Vereine. Rechtsträger ist der Verband. In Meinerzhagen wäre es in dieser Situation nötig gewesen, einen Nachfolger zu wählen, wenn beispielsweise der alte Vorsitzende ausscheidet. Sollte das – beispielsweise mangels Interesse der Mitglieder – nicht geschehen können, müsste der Verband entscheiden, wie es in Meinerzhagen weitergeht.“

Prinzipiell sind die Strukturen bei den Reservisten dennoch ähnlich wie in einem Verein. Die Orts-Kameradschaften entsprechen dabei den einzelnen Abteilungen. „Und sie lösen ja auch keinen Verein auf, weil beispielsweise die Tischtennisabteilung keine Mitglieder mehr findet“, verdeutlicht Wolfgang Dingarten. Er sieht allerdings die Gefahr, dass die heimische „RK“ einfach weiter „vor sich hindümpelt“.

Ob am Volkstrauertag, bei Übungsschießen oder großen Biwaks – in den vergangenen Jahren fanden sich immer noch Teilnehmer aus der Meinerzhagener Kameradschaft bereit, sich zu engagieren. Das habe sich geändert. Und Reinhard Vogt ist inzwischen desillusioniert: „Es ist nicht schön, wenn man beispielsweise bei Kranzniederlegungen nur mit wenigen Kameraden neben großen Feuerwehr- oder Schützendelegationen steht.“ Und einen potenziellen Nachfolger für den Vorsitz hat er nach wie vor nicht ausgemacht. Schulterzucken, das ist Vogts Reaktion auf die Frage nach der Zukunft der Meinerzhagener Kameradschaft.

Im Bundesverband der Reservisten ist diese Problematik nicht ganz unbekannt. Und so wird am 1. April eine große Kampagne gestartet, die dafür wirbt, nach dem aktiven Dienst in der Truppe als Reservist in einer Kameradschaft mitzumachen. Für die „RK“ Meinerzhagen könnte das zu spät kommen...

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