Pylonbrücke am Bahnhof in Meinerzhagen

Ansicht der geplanten Pylonbrücke mit Aufzug und Treppen zum Bahnsteig. Diese klar gegliederte und geradlinige Stahlkonstruktion eines renommierten Planungsbüros fand Zustimmung im Ausschuss.

MEINERZHAGEN ▪ Die Mitglieder des Bau- und Vergabeausschusses hatten die Wahl zwischen drei Vorentwürfen renommierter Planungs- und Architekturbüros. Jede der drei Konzeptionen für den Bau einer Fußgängerbrücke zwischen der Weststraße und dem Bahnhofsgelände trug dabei eine ganz besondere Handschrift.

Von der geschwungenen und damit architektonisch besonders auffälligen Stahlkonstruktion mit vier Turmstützen über eine sehr geradlinige, konstruktiv schlichte und zweckmäßige Pylonbrücke bis zu einer auffälligen Konstruktion aus Holzbindern reichte die Bandbreite. Am Ende fiel am Dienstag Abend die Entscheidung mit 10:1 Stimmen eindeutig für den Entwurf des Stuttgarter Büros Schlaich, Bergermann und Partner aus.

Das Planungsbüro mit Niederlassungen unter anderem auch in Berlin, New York und Shanghai plant und baut Türme, Dächer, Fassaden und Brücken in der ganzen Welt. Zwei der ganz besonderen aktuellen Projekte sind dabei der Umbau des Maracana-Stadions in Rio de Janeiro und der Neubau des Nationalstadions in Brasilia für die Fußball-WM 2014. Mit dem Nationalstadion Warschau hat Schlaich, Bergermann und Partner gerade den Ingenieurbaupreis 2013 gewonnen. Die von den kreativen Planern konzipierte Fußgängerbrücke „Slinky springs to fame” ist im Juni dieses Jahres mit dem Stahl-Innovationspreis 2012 ausgezeichnet worden. Die Referenzliste des nun auch mit der endgültigen Planung und Konzeption für die Fußgängerbrücke in Meinerzhagen beauftragten Architektenbüro ist ebenso lang wie imponierend. Jedoch war das nicht das ausschlaggebende Kriterium für die vom Ausschuss getroffene Entscheidung.

Bei einer ausführlichen Analyse aller drei Entwürfe sprachen am Ende die meisten rein sachlichen Gründe für den Vorschlag aus Stuttgart, der zudem auch von der Kostenseite und dem zu erwartenden Unterhaltungsaufwand im Vergleich zu den beiden anderen Konzepten deutliche Pluspunkte aufweist.

Einen Tag vor der Ausschusssitzung, am Montag, hatte eine zwölfköpfige Jury sich in einer rund zweieinhalbstündigen Sitzung mit den drei eingereichten Entwürfen ausführlich beschäftigt. Dem Gremium gehörten neun Mandatsträger aus den Meinerzhagener Ratsfraktionen an. Beteiligt waren zudem auch je ein Vertreter der Bahn AG und der Regionale-Agentur.

Die Federführung für den Planungswettbewerb lag, wie auch bei den übrigen Meinerzhagener Regionale-Projekten, in den Händen des Düsseldorfer Büros ASS, hier vertreten durch den Stadtplaner Jens Ebener. Dieser stellte in der Zusammenfassung am Dienstag auch dem Ausschuss die einzelnen Entwürfe und die dazugehörigen Bewertungen des Experten-Gremiums im Detail vor.

Die Jury hatte noch keine eindeutige Festlegung auf einen der drei Entwürfe getroffen, wobei es aber eine erkennbare Tendenz für den am Ende auch durch den Ausschuss favorisierten und per Abstimmung dann auch ausgewählten Entwurf aus Stuttgart gab.

Beteiligt hatten sich mit Planskizzen und Entwürfen an dem Verfahren noch das Büro für Architektur und Stadtplan Agirbars + Winstroer aus Neuss und das auf Holzkonstruktionen spezialisierte Ingenieurbüro Miebach aus Lohmar.

„Jeder für sich sehr schöne Entwürfe“, lobte Jens Ebener die Kreativität und der drei beteiligten Büros.

Dass man sich am Ende für die besonders „geradlinige“ Stahl-Pylonbrücke mit einem Gehweg aus Betonplatten entschied, wurde stellvertretend für die Meinung der Mehrheit von Ausschussmitglied Gerd Wirth (SPD) unter anderem so begründet: „An diesem Entwurf überzeugen vor allem Funktionalität, Einfügung in die Umgebung und auch die Kosten. Diese Konstruktion passt sich sehr gut in das von der umgebenden Industriebebauung von Otto Fuchs geprägte Umfeld ein.“

Die neue Brücke, die eines von mehreren Regionale-Projekten zur Aufwertung des Bahnhofsumfeldes ist, sorgt für eine sichere fußläufige Verbindung zwischen der Weststraße und dem Bahnhofsgelände. Sie schafft Zugänge zum Mittelbahnsteig und den hier ankommenden Personenzügen, dem Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB), der Park + Ride-Anlage und der geplanten Radstation. Angebunden wird zudem an den neuen Fußweg, der künftig durch den Volkspark in die Innenstadt führen wird. Die Brücke wird Barrierefreiheit für behinderte Menschen gewährleisten, wozu unter anderem zwei Aufzüge dienen.

Die Investitionskosten für das Brückenbauwerk sind auf einen Betrag von 1,056 Millionen Euro gedeckelt. Die Stadt kann hier mit einer insgesamt über 80-prozentigen Förderung aus drei Töpfen rechnen. Beteiligt ist daran neben dem Land NRW auch die Bahn AG.

Mit der Festlegung auf einen Sieger-Entwurf gehen jetzt zunächst die Detailplanungen weiter. Die bauliche Umsetzung soll im kommenden Jahr erfolgen. ▪ -fe

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