Alfred und Carolina Nyerere: Von Nairobi in die Jause

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Alfred und Carolina Nyerere im Kreise ihrer unermüdlichen Unterstützer. Peter Sudermann (links), Elke Schmidt (3. von rechts) und Fritz und Karin Nicolay möchten jetzt für neue Schulbücher, eine ausgeweitete Schulspeisung und weitere Laptops sorgen.

Meinerzhagen/Attendorn - Europäischen Boden hatte Alfred Nyerere noch nie betreten. Der 50-jährige Kenianer freute sich deshalb umso mehr, als er eine Einladung ins Sauerland bekam. Wie es dazu kam? Eine lange Geschichte.

Der Direktor der Hupendo-Schule in einem Slum der Hauptstadt Nairobi stand mit seiner Frau Carolina jetzt jedenfalls im Mittelpunkt eines Treffens in der Jause in Echternhagen.

Wie können wir helfen? Das fragten sich Karin und Fritz Nicolay im Jahr 2002. Damals lernten sie Alfred Nyerere kennen. Die Volmestädter arbeiteten zu dieser Zeit in einem Gästehaus in Nairobi. Sie kamen eher zufällig in Kontakt mit der Hupendo-Schule und damit Nyereres Arbeitsplatz – fortan machten sie es sich zur Lebensaufgabe, die private Einrichtung nach Kräften zu unterstützen. Und sie waren es auch, die Alfred und Carolina Nyerere jetzt nach Deutschland einluden. 

Im Kreise von etwa 50 deutschen Freunden und Unterstützern ihres Projektes wurde das Wiedersehen auch gefeiert, Schauplatz war die Jause. „Für das Ehepaar Nyerere ist der Besuch etwas ganz Besonderes. Beide wohnen für zehn Tage bei uns in Attendorn und es ist das erste Mal, dass sie eine solche Reise unternehmen“, berichten die Nicolays. 

Von Nairobi nach Deutschland, völlig neue Eindrücke, eine ganz andere Welt – Alfred Nyerere jedenfalls wird in seiner Schule bald viel zu erzählen haben. Beispielsweise das: „In Attendorn und Meinerzhagen haben die Häuser ganz andere Dächer als in Kenia. Sie laufen spitz zu“, hat er gleich festgestellt. Und wie verkraften die beiden Afrikaner das deutsche Wetter? „Wunderbar“, sagt Nyerere und fügt hinzu: „Dass es gereget hat, ist doch nicht schlimm. Da passiert hier ja nichts. Bei uns gibt es dann häufig Überschwemmungen.“ Und auch das hat der Schulleiter gleich registriert: „Ich habe keinen Nebel gesehen. Und die Wände der Häuser hier sind viel dicker, als die bei uns.“ 

Die Ernährung in Deutschland unterscheidet sich ebenfalls gravierend von dem, was bei den Eheleuten Nyerere üblicherweise auf den Tisch kommt. Besonders die Brot-Vielfalt hat sie beeindruckt. Ein bisschen vermissen die Afrikaner allerdings ihren Ugali. „Das ist ein Maisbrei, der dort ähnlich verwendet wird, wie hier bei uns Kartoffeln“, erläutert der Meinerzhagener Peter Sudermann. Er koordiniert die Hilfe aus dem Volmetal zusammen mit der Halveranerin Elke Schmidt und gemeinsam mit den Eheleuten Nicolay. 

Das Programm, das die Nicolays für ihren guten Freund und dessen Frau im Sauerland organisiert haben, ist äußerst vielfältig: „Ein Besuch im Attendorner Stadtmuseum, die Besichtigung der Attahöhle, eine Fahrt nach Köln, zur Burg Altena und an die Bigge, wo wir auch eine Schiffstour unternommen haben.“

In der Jause richtete Alfred Nyerere dann auch einige Sätze an die Gäste. Natürlich bedankte er sich sehr für die in den vergangenen Jahren geleistete Unterstützung. „God bless you – Gott segne Euch“, sagte der sichtlich gerührte Direktor der Hupendo-Schule. Er erläuterte auch, dass die Einrichtung keine staatliche Unterstützung bekommt und deshalb weiter auf Spenden angewiesen ist.

In den kommenden Monaten und Jahren warten große Herausforderungen auf die Schulleitung: „Hupendo ist von einst 80 Kindern auf mittlerweile 600 Schülerinnen und Schüler angewachsen. Wir brauchen dringend Geld, um die Schulspeisung bezahlen zu können und auch weitere Laptops wären schön.“ Und jetzt auch noch das: „Der kenianische Staat hat vollkommen neue Schulbücher eingeführt. Die müssen wir nun beschaffen. Auch das kostet viel Geld.“ Karin Nicolay nutzte die Gelegenheit, um im Anschluss gleich festzustellen: „Das beutet für uns, dass wir handeln müssen.“ 

Eine gute Schulausbildung ebnet auch in Kenia den Weg in eine gesicherte Zukunft. Auf die Erfolge, die er und sein Lehrer-Team in den zurückliegenden Jahren erreicht haben, sind Alfred Nyerere und seine Ehefrau Carolina deshalb auch besonders stolz: „Viele Schüler haben bei uns das Abitur gemacht. Heute sind einige Doktoren und Ingenieure“, berichtete der Rektor. Dass die Eheleute Nicolay und viele andere Helfer aus dem Volmetal daran einen großen Anteil haben, weiß Alfred Nyerere. Und er verspricht: „Wir heben noch viele unserer Kinder auf Uni-Level.“

„Wir bedanken uns herzlich für die großzügigen Spenden in den letzten Jahren. Nur dadurch konnten wir erreichen, dass die Hupendo-School solche Fortschritte gemacht hat. Natürlich möchten wir die Schule auch weiterhin begleiten und unterstützen. Ein Dauerthema und ein großes Anliegen ist die tägliche Speisung der Kinder. Für viele von ihnen ist es die einzige Mahlzeit am Tag. Regelmäßig fahren einige aus unserem Unterstützer-Team nach Nairobi, um sich dort vor Ort ein Bild von der Entwicklung der Schule und der Verwendung der Spendengelder zu machen“, heißt es auf der Homepage der Unterstützer (www.hupendo.de). Das Spendenkonto der Steyler Mission stehe für Überweisungen zur Verfügung, wird informiert. IBAN: DE77 3862 1500 0000 0110 09, BIC: GENODED1STB, Stichwort: PRJ00004 Hupendo-School, Kenia.

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