Wetter-Wahnsinn: Rekord-Regen nach Dürre

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Der "Herr der Niederschlagszahlen" in Redlendorf: Reinhard Hinz

Meinerzhagen - Extreme Trockenheit – zwei Jahre in Folge war dieses Thema im Frühling und Sommer ein Dauerbrenner. Seit Oktober 2019 regnet es inzwischen allerdings gefühlt durchgehend. Ist das so und hat sich die Natur von der Dürre inzwischen erholt?

Reinhard Hinz ist in Meinerzhagen der „Herr der Zahlen“, was Wetterdaten angeht. Der Redlendorfer betreibt auf 390 Metern Höhe eine Station für den Deutschen Wetterdienst. Und er bestätigt, dass Herbst und Winter 2019/2020 extrem viel Nass von oben brachten. 

„Und der vergangene Februar ragt dabei noch heraus. Da hatten wir in Redlendorf 263 Liter Niederschlag auf den Quadratmeter. Ein extremer Wert, der mehr als 200 Prozent über dem langjährigen Durchschnitt liegt“, stellt Hinz fest. Auch für den aktuellen (meteorologischen) Winter ermittelte Hinz vom 1. Dezember 2019 bis zum 29. Februar 2020 bislang ein deutliches Plus, was die Niederschläge im Vergleich zu den Vorjahren angeht: „Da hatten wird etwa 150 Prozent mehr Niederschläge. Das tut der Natur extrem gut.“ 

In den vergangenen Tagen war es dann noch einmal besonders nass: Von Dienstag (7 Uhr) auf Mittwoch (7 Uhr) fielen in Redlendorf 41 Liter Regen auf den Quadratmeter. Und bis Donnerstag registrierte Reinhard Hinz für den März 2020 schon 128 Liter Niederschlag auf einem Quadratmeter. „Damit war das Monatssoll zu diesem Zeitpunkt bereits übertroffen, was das Jahresmittel an Niederschlägen auf die Monate umgerechnet angeht“, erläutert Hinz. 

Praktisch seit dem kalendarischen Herbstanfang am 23. September 2019 hat auch Hinz das Gefühl, dass Dauerregen über das Land zieht. Von Schnee war hingegen bislang kaum eine Spur an der heimischen Wetterstation: „Da habe ich an den letzten drei Tagen im Februar eine geschlossene Schneedecke registriert. 

Die maximale Schneehöhe betrug in diesem Zeitraum zehn Zentimeter“, berichtet der „Wettermann“ aus Meinerzhagen. Danach war allerdings dann wieder Schluss mit der „weißen Pracht“. „Im Prinzip haben wir uns dieses Wetter gewünscht“, sagt Matthias Borgmann, Förster im Revier Beckerhof. 

Der Experte des Landesbetriebes Wald und Holz.NRW möchte allerdings noch keine Zukunftsprognose abgeben. Ob die üppigen Niederschläge tatsächlich positive Auswirkungen auf den Wald haben, kann er nicht mit Sicherheit sagen: „Subjektiv haben wir den Eindruck, dass die Bäume besser mit Wasser versorgt sind. Wir haben einige vom Borkenkäfer befallene Exemplare gefällt – und die Stämme sind vollgesogen und sehr schwer.“ 

Borgmann muss nun abwarten. „In drei bis fünf Wochen werden wir sehen, wie es um den Wald steht. Ab 16 Grad Celsius beginnen die Borkenkäfer zu fliegen. Dann wird sich herausstellen, ob die Population größer oder kleiner geworden ist“, erläutert er. Grundsätzlich seien die ergiebigen Niederschläge aber gut, sagt er: „Das sind eigentlich beste Voraussetzungen für den Wald.“ 

Das Wasser durchtränkt den Boden und es schadet den Käfern. Borgmann: „Überwintern die Borkenkäfer im nassen Boden, können sie verpilzen und absterben. Wie viele Käfer allerdings schon vor Beginn der Winterzeit unter die Baumrinden gelangt sind, ist nicht abzuschätzen.“ Die Befürchtung: Zwischen Stamm und Borke könnten sie vor Nässe relativ gut geschützt sein und überleben.

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