Sexueller Missbrauch:BGH kassiert Urteil

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Vor dem Bundesgerichtshof hatte der Betreiber eines Reitstalls mit seiner Beschwerde Erfolg.

Meinerzhagen - Seit dieser Woche steht der Betreiber eines Reitstalls erneut vor Gericht. Der 66-jährige Meinerzhagener hatte Erfolg mit der Beschwerde beim Bundesgerichtshof (BGH) gegen ein ihn betreffendes Urteil des Landgerichts wegen sexuellem Missbrauchs.

Von Thomas Krumm

Die 1. große Jugendstrafkammer hatte ihn am 30. April 2014 wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes in zwei Fällen und schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes in drei Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt. Nach Überzeugung des Gerichts hatte der Angeklagte Reitschülerinnen in der Zeit von Januar 2008 bis Dezember 2011 sexuell missbraucht. Die entsprechenden Tatsachen-Feststellungen hat der BGH nicht beanstandet – sie sind dadurch rechtskräftig.

Neu verhandelt wird vor der 2. Jugendstrafkammer des Landgerichts lediglich das Strafmaß. Bei dessen Festlegung hatten die Richter im ersten Verfahren nicht einschlägige Vorstrafen des Angeklagten zu dessen Ungunsten gewertet. Diese waren allerdings zu den Tatzeiten, um die es im Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs ging, noch gar nicht angefallen. Dieses Versehen muss nun korrigiert werden.

Da die Fakten als geklärt gelten, müssen die beiden Hauptbelastungszeuginnen nicht noch einmal aussagen. Sie hatten geschildert, wie sich durch die Pflege der Pferde ein Vertrauensverhältnis zum Angeklagten entwickelt hatte, das dieser schließlich für intime Annäherungen missbrauchte.

Die psychologische Gutachterin Cornelia Orth hatte einem der Mädchen umfassende Glaubwürdigkeit attestiert. Das Gericht schloss sich dem an und verurteilte den Angeklagten auf der Grundlage der Aussage dieser Zeugin. Bei dem zweiten Opfer gab es Unstimmigkeiten zwischen bei der Polizei gemachten Aussagen und der Aussage vor Gericht. Die 1. Jugendstrafkammer betonte zwar, dass sie die Zeugin grundsätzlich für glaubwürdig halte. Wegen verbliebener Restzweifel gingen diese mutmaßlichen Übergriffe jedoch nicht in das Urteil ein. Keine Zweifel hatte das Gericht, dass sich auf dem Reiterhof merkwürdige und vor allem strafwürdige Dinge zugetragen hatten.

Zahlreiche Zeugen hatten dazu ausgesagt. Viele kritisierten das System von Vergünstigungen und Abstrafungen, mit denen der Angeklagte nicht nur die Teenager, sondern auch deren Eltern in sein „sektenähnliches“ Herrschaftssystem eingebunden habe.

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