Probleme nehmen zu

Hoteliers wegen Corona am Limit

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Wollen den wenigen Gästen, die noch kommen, den besten Service bieten: Hoteldirektorin Nicoletta Frey und Mitarbeiterin Sabine Schmidt-Okken vom Landhaus Nordhelle.

Meinerzhagen – Kaum eine Branche hat so sehr unter der Corona-Pandemie zu leiden wie die Hoteliers und Gastronomen. Verlustgeschäfte, durchgehende Kurzarbeit seit Ausbruch der Krise, Zukunftsängste: Wie viele Betriebe das Jahr 2020 wirtschaftlich überleben werden, ist nach wie vor unklar.

Und nach der angekündigten Regelung zur Beherbergung von Gästen aus Risikogebieten ist die Sorge auch in den Meinerzhagen Betrieben weiter gestiegen. „Das ist für uns eine Voll-Katastrophe“, sagt Nicoletta Frey und beschreibt die große Unsicherheit, der Gastronomen und Hoteliers nun wieder ausgesetzt sind. „Mittlerweile meint man, nicht in einem Hotel, sondern in einem Auskunftsbüro zu arbeiten. Wir müssen uns häufiger mit den Corona-Fragen besorgter Gäste auseinandersetzen, als dass wir uns um Buchungen und neue Gäste kümmern können“, sagt die Hoteldirektorin des Landhauses Nordhelle in Valbert. „Wir müssen immer wieder beruhigen und erklären und sind selbst seit Monaten einem Risiko ausgesetzt“, sagt Frey, die sich über eine große Mehrheit verständnisvoller Kunden freut, die sich an die Corona-Maßnahmen hält. 

Ein Gast ohne Maske

Einzelfälle, die mit den Vorgaben alles andere als einverstanden sind, gebe es aber auch. „Ein Gast kam ohne Maske an die Rezeption und hat nach einem Hinweis sofort erklärt, dass er rechtlich nicht dazu verpflichtet sei, eine zu tragen“, berichtet die Hoteldirektorin von einem Negativ-Beispiel. Die unterschiedlichen Regelungen in Deutschland und immer neue Informationen zu Reiseverboten würden den Informationsbedarf aber nur noch steigern. Nicht nur bei den Gästen, auch bei Frey und ihren Kolleginnen und Kollegen. Denn so einfach, wie sich Politiker eine Kontrolle der Gäste vorstellen, ist es dann doch nicht, wie die Hoteldirektorin sagt. „Wir sind in allen bekannten Buchungsportalen gelistet. Wenn da nun jemand aus Hagen ist, der als Wohnort aber Dortmund angibt, haben wir rechtlich keine Handhabe“, sagt Nicoletta Frey. „Wir haben kein Recht dazu, uns den Personalausweis des Kunden zeigen zu lassen“, weist sie auf die bestehende Gesetzeslage hin. Ein Übernachtungsverbot für Gäste aus Risikogebieten – wie seit Donnerstag auch Hagen – sei also schwer umzusetzen.

Wirtschaftlich trifft die Pandemie auch das Landhaus Nordhelle hart. Sei es aufgrund der maximalen Bettenbelegung von 60 Prozent, der von 144 auf 80 Plätze geschrumpften Sitzplatzzahl im Restaurant oder wegen der allgemeinen Vorsicht der Bevölkerung, überhaupt andernorts zu schlafen. „Für Oktober und November waren wir eigentlich recht gut gebucht. Aber nach den neuen Beschlüssen rechne ich damit, dass nun erneut Stornierungen auf uns zukommen“, sagt Frey. 

Ausfälle "ohne Ende"

Von „Ausfällen ohne Ende“ berichtet auch Rüdiger Wirth. Er ist Inhaber des gleichnamigen Hotels an der Hauptstraße in Meinerzhagen und verzeichnet nach eigenen Angaben seit Ausbruch der Pandemie einen Einbruch bei den Übernachtungen von 60 Prozent. „Derzeit haben wir wieder einige Monteure im Haus, aber wie lange die da sind, steht noch nicht fest“, sagt Wirth. Dass er Gäste explizit nach deren Herkunft fragen müsste, um eine Anreise aus einem Risikogebiet ausschließen zu können, hält er für diskriminierend: „Ich tue mich schwer damit, Leuten abzusagen, nur weil sie zum Beispiel aus einer Stadt kommen, in der eine Familie zu groß gefeiert hat.“

Am Ende bleibt die Hoffnung, die Corona-Pandemie einigermaßen zu überstehen – nicht zuletzt für die Mitarbeiter. Während das Hotel Wirth auf 450-Euro-Kräfte setzt, die derzeit aber ebenfalls nur zeitweise arbeiten, verfügt das Landhaus Nordhelle über 26 Mitarbeiter, die sich allesamt in Kurzarbeit befinden. „Bei allen Problemen bin ich dankbar dafür, dass wir diese Mitarbeiter haben. Ohne die würden wir das nicht schaffen!“, sagt Nicoletta Frey.

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