Historiker Christoph Nonn referiert im Gymnasium

Christoph Nonn fasste in seinem Vortrag die wichtigsten Thesen seiner Bismarck-Biographie zusammen.

Meinerzhagen - Bismarck-Hering, Bismarck-Türme, Bismarck überall – den Namen kennen selbst Menschen, die mit Geschichte nichts am Hut haben. Vor 200 Jahren wurde der preußische Politiker geboren und pünktlich zum Jubiläum erschien die Biographie des Historikers Christoph Nonn. Auf Einladung von KuK referierte er am Dienstagabend im Evangelischen Gymnasium über den „Reichsgründer“.

Von Birgitta Negel-Täuber

Das sei eine verklärende Bezeichnung, die der Wirklichkeit nicht entspreche, räumte er gleich mit dieser und zahlreichen anderen Legenden auf, die sich um Bismarck ranken. Kein Mensch sei in der Lage eine Staatsgründung allein zu stemmen. Ein Staat brauche aber Mythen und Nationalhelden und für diese Rolle habe Bismarck sich selbst erfolgreich ins Spiel gebracht.

Das Anliegen des Düsseldorfer Professors für Neueste Geschichte besteht denn auch in der Entzauberung seines Protagonisten. „Bismarck war kein Genie,“ formulierte er dezidiert. „Er war ein begabter Diplomat und als Innenpolitiker leidlich erfolgreich.“ Der Pragmatiker preußisch-konservativen Zuschnitts habe sich vor allem dem großgrundbesitzenden Adel verpflichtet gefühlt. Eher „Hebamme“ als „Schöpfer“ politischer Entwicklungen, war er ein gewiefter Taktiker mit einer ordentlichen Portion Glück.

Auch der europäische Kontext, in den Nonn die deutsche Staatsgründung stellte, trug zur Relativierung der Leistungen Bismarcks bei. Dabei zog er immer wieder Parallelen zwischen dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts und der Gegenwart. Die schienen mal mehr, mal weniger schlüssig. Ob sich der „Arabische Frühling“ tatsächlich mit den Demokratisierungsbestrebungen in den deutschen Ländern des 19. Jahrhunderts vergleichen lässt, darf man durchaus bezweifeln.

Trotzdem: „Geschichte macht man für die Gegenwart und für die Zukunft,“ bekräftigte Nonn auf die Frage von Thomas Walter, warum Schüler sich überhaupt mit Geschichte beschäftigen sollten. Walter unterrichtet das Fach am EGM und vertiefte im Gespräch mit dem Autor zahlreiche Fragen, die im Vortrag nicht zur Sprache gekommen waren. Die Sozialgesetzgebung, zum Beispiel, gilt auch heute noch als eine der großen Leistungen Bismarcks. Dabei hatte der Reichskanzler ganz andere Pläne gehabt: Er wollte eine staatsfinanzierte Versicherung, die die Industriearbeiter an die Monarchie binden sollte. Daraus wurde bekanntlich nichts.

Beim Vortragsabend konkurrierte der Politiker gegen das Champions League-Spiel Bayern – Barcelona. Dabei konnte er nur verlieren. Zu dem kleinen, aber sehr interessierten Publikum gehörte auch der Geschichts-Leistungskurs des Attendorner Rivius-Gymnasiums – Bismarck ist Abitur-Thema.

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