Kindergarten Schürfelde öffnet sich allen Kindern

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Der Raum, der nur fürs Toben genutzt wird, steht auch der neuen Gruppe zur Verfügung, wie alle anderen Angebote des Kindergartens auch. ▪

SCHÜRFELDE ▪ Erstmals ist es ab Sommer des kommenden Jahres möglich, dass Kinder ohne Behinderung den Heilpädagogischen Kindergarten in Schürfelde besuchen können. Denn zum einen möchte die Awo als Träger die Einrichtung öffnen, zum anderen ist der Märkische Kreis in der Pflicht, bis zum kommenden Jahr zahlreiche zusätzliche Kindergartenplätze zu schaffen, um dem Rechtsanspruch der Eltern gerecht zu werden.

Es wird sich wohl kein Kindergarten im Märkischen Kreis finden, der über ein größeres Außengelände und eine ruhigere Lage verfügt als der Heilpädagogische Kindergarten Schürfelde. Wiesen und Wald stehen den rund 50 Kindern mit körperlichen und /oder geistigen Behinderungen, die derzeit das Gelände nutzen, ebenso zur Verfügung, wie die großzügig geschnittenen Räume im Inneren des Gebäudes. Neben etlichen Therapieräumen gibt es dort einen Werkraum, Matsch- und Erfahrungsraum, Turnhalle, Kinderküche, Malschule sowie einen Tobe- und Entspannungsraum.

In Zukunft sollen aber auch sogenannte Regelkinder, also Kinder ohne Behinderung – in den Genuss dieser Einrichtung kommen. Damit geht ein Wunsch der Mitarbeiter des Kindergartens in Erfüllung. Sie sehen in der gemeinsamen Betreuung von Kindern mit und ohne Behinderung eine große Chance für die Entwicklung der jungen Besucher. „Der große Vorteil ist, dass Berührungsängste erst gar nicht aufkommen. Der gemeinsame Umgang ermöglicht allen Kindern ein natürliches Miteinander. Selbstverständlich gibt es auch gute Gründe, die für eine getrennte und individuelle Betreuung sprechen. Deshalb wird es auch eine eigene Gruppe für die Regelkinder geben“, erklärt die Leiterin des Kindergartens Ute Osthaus. Und während in anderen Kindergärten die normale Gruppengröße jenseits der 20 liegt, werden in der neuen Gruppe lediglich zehn Kinder einen Platz finden. Diesen stehen dann aber neben einem eigenen Gruppen- und Gruppennebenraum auch alle Angebote der Einrichtung offen. Osthaus: „Natürlich werden für diese Kinder keine Therapien angeboten, aber wird beispielsweise eine leichte sprachliche Auffälligkeit festgestellt, ist der Weg zum Fachmann beziehungsweise Fachfrau in unserem Haus nicht weit.“

Das wird auch klar, wenn man sich die personelle Ausstattung anschaut. Neben zehn Erziehern sind dort zwei Heilpädagogen, zwei Heilerziehungspfleger, zwei Motopäden, ein Physiotherapeut, eine Ergotherapeutin, eine Logopädin, eine Anerkennungspraktikantin und zwei Frauen im Freiwilligen sozialen Jahr beschäftigt.

Buchen die Eltern ein Mittagessen für ihre Kinder mit, sorgen eine Ökotrophologin und eine Hauswirtschafterin jeden Tag für eine frische Mahlzeit, wobei bei der Zubereitung auf den kulturellen Hintergrund der Kinder Rücksicht genommen wird. Aber auch der Hausmeister und die beiden Reinigungskräfte sind bei der Awo angestellt und fester Bestandteil der Einrichtung. „Manchmal ist es für die Kinder spannender, dem Hausmeister bei seiner Arbeit über die Schulter zu schauen als im Gruppenraum zu spielen“, freut sich Osthaus über die Vielzahl der Möglichkeiten, die sich für die Kinder ergeben.

Wenn es das Wetter zulässt, verbringen die Kinder viel Zeit in der Natur. Dann geht es über den Fahrradplatz und die beiden großen Spielplätze hinaus in den Wald, wo Tierbeobachtungen möglich sind und eine vielen Kindern unbekannte Pflanzenwelt lockt. In der Nachbarschaft befindet sich ein Bauernhof, auf dem die Kleinen in Begleitung der Erzieherinnen gern gesehene Gäste sind und wo sie beispielsweise beobachten können, wie aus einem Ei das Küken schlüpft. Das Leben der Frösche und Fische kann in dem zum Gelände gehörenden kleinen Teich erlebt werden.

„Nicht nur aufgrund der Möglichkeiten, die die Lage unseres Kindergartens bietet, gehen wir täglich mindestens einmal nach draußen, sondern weil wir glauben, dass Kinder in dieser Umgebung Erfahrungen machen können, die ihnen in ihrem Wohnumfeld immer öfter verwehrt bleiben“, so Osthaus. Der Leiterin des Kindergartens ist sich aber auch bewusst, dass die Lage des Kindergartens Eltern abschrecken könnte, denn von der Meinerzhagener Stadtmitte sind es gut neun Kilometer bis zum Kindergarten. Deshalb wird es einen Fahrdienst geben, der die Kleinen jeden Tag am Kindergarten Rappelkiste in der Volmestadt abholt – und natürlich auch wieder zu der Awo-Einrichtung an der Straße Zum Eickenhahn zurückbringt. Um den Aufwand für diesen Service überschaubar zu gestalten, können die Eltern zwischen einer Betreuungszeit von 35 oder 45 Stunden wählen. Osthaus: „Kürzere Betreuungszeiten sind logistisch kaum zu leisten.“

Weitere Informationen zu dem neuen Angebot gibt es im Kindergarten bei Ute Osthaus unter der Rufnummer (0 23 54) 26 62. ▪ jobek

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