Die Rede von Volkmar Rüsche zum Frühschoppen

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Führte am Montagmorgen durchs Frühschoppenprogramm: Volkmar Rüsche. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Als Moderator des Frühschoppen-Morgens begeisterte am Montagmorgen Volkmar Rüsche die Massen. Sympathisch plaudernd durch das Programm führend, dann aber auch in seiner Rolle als „Meinerzhagener Bürger“ als ebenso aufmerksamer wie kritischer Kommentator des öffentlichen Geschehens. Hier seine Rede im Wortlaut:

Horrido Schützen!! Sechs Jahre hat der Meinerzhagener Bürger geschwiegen und die Politiker konnten in Sicherheit sich wiegen, in dieser Zeit ist einiges passiert, was den Bürger hat stark interessiert, über einige Dinge konnt´er nur lachen, andere wiederum ihm Sorgen machen, ich möchte erinnern am heutigen Morgen, an Dinge, die keinem blieben verborgen, humoristisch gemeint ist das was ich sage, denn das ist erlaubt, an einem solchen Schützenfesttage.

Was gibt es schöneres an Tagen, als Schützenfest in Meinerzhagen, an einem Schützenfestmontagmorgen, vergessen viele ihre Sorgen, man sieht da einfach jedermann, der soeben laufen kann. Die Vogelrute ist das Ziel, man kommt im Kittel und zivil, jeder, der was auf sich hält, lässt sehen sich im Schützenzelt.

Auch die Politparteien sind vertreten, wie immer halt bei solchen Feten. Man sieht, ganz klar, den Bürgermeister, seit Jahren Erhard Pierlings heißt er. Von der CDU man sieht heut Axel Oehm, für den wird die SPD nach zehn Wermut erst schön. Wenn auch kommunalpolitisch nicht immer alles gerät, in Valbert wurde er Schützenmajestät.

Man sieht Gerd Wirth von den Sozialdemokraten, bei ihm hat die CDU permanent schlechte Karten. Er kommt von den rosaroten Genossen, bei ihm sind nach der Kommunalwahl einige Tränchen geflossen. Von der UWG man sieht heut Raimo Benger, nach der Wahl wurd auch sein Gesichtsausdruck strenger. Auch die FDP, die Grünen und die Linken, sieht man friedlich heut beim Trinken, der blaue Kittel der vereint, selbst die Parteien wie es scheint, drum wär´s das einfachste von der Welt, man zöge vom Rathaus in ein Schützenzelt, dort lässt sich lockerer beschließen, wenn man weis, anschließend wird Fahnenwasser fließen.

Selbst aus Kierspe man kam heut Morgen in Scharen, über die Hahnenbecke in unser Städtchen gefahren, denn auch die Kiersper wollen, das ist doch klar, mal richtig Schützenfest feiern alle zwei Jahr, dass sie hierzu müssen nach Meinerzhagen, dass liegt seid Jahren ihnen im Magen, egal ob Emde, Linde (Grafe) oder Becker, alle finden Wermut lecker, drum glaubt mir ihr Kiersper, jetzt ohne Klamauk, so ein Wermut würd´ schmecken auch eurem Rauk, wir brauchen kein Schanhollenfürzchen oder -mützchen, wir trinken lieber unser Wermutpfützchen.

Meinerzhagen ist ne Stadt, die permanent Veränderungen hat, ein Juwel ist der Parkplatz an der Kampstraße, der hat seit einiger Zeit ganz andere Maße, sauber, freundlich und auch hell, ist er ein Prachtstück an dieser Stell`. In der Hauptstraße, wo früher war Zahnarzt Knöschen, verkauft Rainer Schikowski jetzt seine Schnäpschen, und gegenüber, wo Keil und Koch-Mode lange war in, verkauft man Designer-Möbel von Mittendrin, wo früher sein 7-Minuten-Pils zapfte Karl Ewald Theile, da zapft jetzt der Hassan mit etwas mehr Eile, und über den Rücken läuft eiskalt der Schauer, wenn die Gedanken schweifen zum Hotel Bauer, all die, die nach Bauers kamen, au weia, die fraß nach kurzem der Pleitegeier.

Aber auch unser Stadtzentrum gibt Anlass zu Sorgen, denn keinem von uns blieb es verborgen, dass immer mehr Geschäftslokale stehen leer, was schadet dem städtischen Einkaufsflair, selbst der Vorsitzende unserer Einkaufsstadt, hat eröffnet ein Geschäft in einer anderen Stadt. Es ist nicht schön, wenn durchs Städtchen man geht, und immer wieder vor leeren Geschäften man steht, ob Möbelhaus Kessler, ob Druckerei Groll, alles steht leer, das ist wirklich nicht toll, und eins ist klar und bedarf keiner Frage, da sind wir uns einig, auch am heutigen Tage, an jeder Ecke ´ne Bude mit Döner, macht unser Städtchen auch nicht schöner. Dann wurd´ noch die örtliche Presse reduziert, weil die Rundschau sich hat verdünnisiert, die MZ ist jetzt in unserem Städtchen, dass einzige tägliche Käseblättchen, die MZ hat jetzt das Monopol, wobei gar manchem ist nicht wohl und über allem schwebt an allen Tagen, Horst vom Hofe, der Axel Springer von Meinerzhagen.

Sprach 2009 man von einer Show, man dachte zunächst an „Bauer sucht Frau“, doch hier bei uns, das ist sonnenklar, war nicht Schäfer Heinrich der große Star, bei uns war der Star, das wurd jedem klar, eine illustre Bürgermeisteranwärterschar. Der Bürgermeistertitel war heiß begehrt, Kandidaten gab es da vermehrt. Bereits 2008 im Monat April, sagte Erhard Pierlings, dass er bleiben will. Er musste Monate dann warten, bis feststanden seine Gegenkandidaten. Im Dezember 2008 endlich war es soweit, die CDU, sie war bereit, man konnte es in der Presse lesen, ihr Kandidat war ein Andreas Fresen. Er kam aus den sauerländischen Höhenlagen, nach uns ins schöne Meinerzhagen, um Erhard Pierlings den Famosen, von seinem Thron herunter zu stoßen.

Auch die FDP, ach du Scheibenkleister, war heiß auf einen Bürgermeister, ruck zuck beschwor sie ihre Geister, und nominierte einen Tischlermeister. Und nach dem Motto, was andere können, können wir schon lange, machte sich auch die Linke vor einem Kandidaten nicht bange. Nun wollten, das war ja kaum zu glauben, gleich drei Mann Pierlings den Sessel rauben. Fresen, Ronge und auch Follert, wurden ihm vor die Füße gekollert, doch Pierlings, das Wuppertaler Urgestein, ließ keinen in sein Rathaus rein, da konnt´ der Boden noch so beben, er blieb auf seinem Stuhl fest kleben und ihr könnt es mir glauben, das ist jetzt kein Scheiß, Pierlings wird bleiben, bis er ist ein Greis und die anderen drei Bürgermeisterkandidaten, die müssen auf das Bürgermeisteramt lange noch warten.

Jeder Hauseigentümer in unserer Stadt, ist froh, das Meinerzhagen einen Bauhof hat, hier kann man Grünabfall abladen und zahlt dies mit den Müllabgaben. Doch bald schon stellte sich heraus, Fremde liefern hier frei Haus, da es in Nachbarstädten sowas nicht gibt, waren die Container in Meinerzhagen sehr beliebt, aus Attendorn, Kierspe und Umgebung, sorgte am Bauhof man für Belebung. Das konnte so nicht weiter geh´n, denn wir, die bezahlten, mussten Schlange steh´n und so war´s in Meinerzhagen nur ne Frage der Zeit, bis man diesen Schabernak war leid. Willst du jetzt dein Grünzeug werden los, geht dieses mit einem Ausweis bloß. Doch bei manchem führt zu Unbehagen, dass im Ausweis muss steh´n das Wort Meinerzhagen, steht als Wohnort dort einen andere Stadt, man merkt ganz schnell, dass ein Problem man hat, man muss legen beim Auto den Rückwärtsgang ein und muss fahren mit seinem Grünzeug wieder heim. Eins aber lernen wir aus dieser Geschicht, fremden Abfall brauchen wir Meinerzhagener nicht.

Die Strecke von Gummersbach zur Autobahn, die kann man demnächst recht zügig fahr´n, Südumgehung heißt das magische Wort, das geistert seit Jahren durch unseren Ort, viele Jahre wurde gebaut und gebuddelt, hin und wieder wurde dabei auch gehuddelt, alles wurde aufgerissen und nachher wieder zugeschmissen, Erdmassen wurden täglich bewegt und dabei ganz viele Rohre verlegt, Rohre für Wasser, für Strom und für Gas, kaum zu glauben, ein Rohr man tatsächliche vergaß, ein Rohr von Krombach zum Schützenplatz hier, durch das geflossen wär unser Schützenfestbier.

Die Anwohner der Südumgehung mussten vieles ertragen, Dreck, Staub und Lärm an vielen Tagen, wollten die Anwohner „Im Brannten“ Valbert besuchen, mussten vorher sie eine Stadtrundfahrt buchen, und hat man im Gasthof „Zur Schanze“ sein Bierchen getrunken, dann hat einem der Heimweg ganz mächtig gestunken, der Weg war beschwerlich, die Schuhe warn dreckig, zu Haus wurd´ die Frau deswegen noch zickig, all das man musste gefallen sich lassen, und die Südumgehung fing an man zu hassen. Und fährt man vom Handweiser nun durch bis zum Brannten, eine Strecke die wir vorher als schöne Gegend kannten, da steht jetzt rechts und links der Straße, ein Lärmschutz mit gigantischem Maße, das Ding heißt im Volksmund „Berliner Mauer“ und bewirkt bei manchem einen kalten Schauer, die Anwohner blicken auf puren Beton, für die Wohnqualität ist das Ding ein Affront, ein Lärmschutz für die Anwohner, der musste sein, doch er durfte ruhig etwas ansprechender sein, viele Lärmschutzanlagen haben Stil, bei unserer Berliner Mauer sieht man davon nicht viel.

Fährt man die Oststraße von Meinerzhagen nach Valbert, man fühlt durch Ampeln sich veralbert, vergebens man wartet auf die grüne Welle und kommt ganz schlecht nur von der Stelle. Die erste Ampel am Birkeshöhabstieg steht, hier wartet man ruhig noch ohne Gebet. Man fährt dann weiter bis zur Polizei, da kommt die nächste Hampelei. Hier sollte man fahren aber ganz gemächlich, denn die grünen/blauen Männchen verkehren hier täglich. Und hat man auch diese Ampel geschafft und tritt das Gaspedal mit etwas mehr Kraft, dann kommt die Kreuzung bei Schuhhaus Geller, wo die dritte Ampel verhindert, dass man fährt schneller, denn wieder steht man in ´ner Schlange und wieder wartet man recht lange und das frustrierende ist, wenn man wartet hier, man hat die vierte Ampel schon im Visier. Die steht an der Kreuzung beim Mega-Markt-Brock und ist für den Fahrer der nächste Schock. Denn auch hier hat meist man schlechte Karten und muss auf die Farbe grün erst warten. Springt diese Ampel dann auf grün und man meint der Fahrspaß kann jetzt sprühn, dann kommt, man wagt es kaum zu glauben, bei Scherl die fünfte Ampel vor die Augen. Und wenn´s auch hier tut rot aufblinken, dann fängt es jedem an zu stinken. Erscheint dann bei der Autobahn Ampel sechs und sieben, jeder flucht, Mensch wär ich zu Haus nur geblieben und ist man dann endlich durchgekommen arg strapaziert und mitgenommen, dann ist im Kopf nur ein Gedanke, Oststraße fahren? Nie mehr, nein danke!

Das Bankwesen in unserer Stadt, in der Vergangenheit manchen verwundert hat. Ihr erinnert euch Anfang der neunziger Jahre, wir dachten, jetzt hüpft unsere Sparkasse auf die Totenbahre, man trat mit Kierspe in eine Fusion, ich frage euch, wem gefiel das schon? Dazu sorgte der Name für Unbehagen, denn Kierspe steht vor Meinerzhagen. Für uns Meinerzhagener war dieses ein großes Problem und wir fragten uns, wie soll so was nur gehn? Mittlerweile wir haben eine Antwort parat, Kierspe vor Meinerzhagen, das ist ein Unikat, das gibt es nur im Spaßkassennamen, keiner traut sich dieses nachzuahmen, im waren Leben, ihr werdet schon sehn, wird Meinerzhagen immer vor Kierspe stehn, und wenn eure Meinung genauso sieht aus, dass spart jetzt bitte nicht mit Applaus, denn bei solch gravierenden Status-Fragen, da halten wir zusammen in Meinerzhagen.

Aber auch die Volksbank in unserer Stadt, nicht mehr alleine das Sagen hat, auch sie hat sich lange umgeschaut, nach einer fusionsbereiten Braut. Auch die Volksbänker zunächst nach Kierspe schielten, was die Kiersper jedoch für Unsinn hielten, sie ließen sich nicht von Meinerzhagen treiben und wollten lieber alleine bleiben. Nun hocken die Kiersper auf´ner einsamen Insel, ob da nicht kommt bald ein Klagegewinsel? Die Meinerzhagener ließen sich hiervon nicht schocken und läuteten weiter ihre Fusionsglocken, das Geläut man hörte in Lüdenscheid, hier war man schnell zu allem bereit, nachdem man Valbert schon eingesackt, man hat auch bei Meinerzhagen zugepackt. Roland Krebs schaut in Lüdenscheid voller Unbehagen, auf die Zweigstelle hinterm Berg in Meinerzhagen, sein Blick schweift ganz neidisch auf Karl vom Ebbe vor der Bank, denn der darf bleiben in Meinerzhagen, Gott sei Dank.

Dies alles wollte ich euch sagen, an diesem wunderschönen Tage, ich hoffe, dass es keinen störte, wenn er heut´ die Wahrheit hörte, gemeint war wirklich gar nichts böse, drum ruf ich zu euch mit Getöse, ihr könnts mir glauben unbenommen, ich bin heut gern zu euch gekommen, denn wenn ich auf der Bühne steh und in eure Augen seh, dann weiß ich und es steht ganz fest, wir lieben unser Meinerzhagen, mit dem geilsten Schützenfest. – Horrido!!!

Ging man durch die Fußgängerzone letztes Jahr im Advent, man glaubte man hätte Weihnachten verpennt, wo früher helle Lichterketten brannten, jetzt wenige mickrige Weihnachtsbäume standen, sie standen teils grade, sie standen teils krumm, die Bürger, sie war´n vor Verwunderung stumm, kaum zu sehen war ihr Lichterschein, dem Bürger fiel hierzu nichts ein. Wer auch immer sich dieses hat ausgedacht, er hat damit keinem eine Freude gemacht, deshalb geht an die Verantwortlichen mein Appell, ändert dies wieder, aber ganz schnell, denn ein paar spärlich geschmückte Tannenbäume, wecken beim Bürger keine Weihnachtsträume. – Horrido

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