Die zweite Säule der dritten Gewalt: der Rechtspfleger

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Für Harald Veit war der Beruf des Rechtspflegers Erfüllung – am 1. August tritt der 65-jährige Justizrat seinen Ruhestand an.

Meinerzhagen - Sein Arbeitsplatz ist dort, wo sich die meisten Menschen im Allgemeinen nicht so gerne aufhalten. Wo gestraft und geschlichtet wird, wo „Recht und Ordnung“ walten. Fast ein halbes Jahrhundert bestimmte „das Gesetz“ das Leben von Harald Veit.

Solange ist der Meinerzhagener als Rechtspfleger tätig, seit 1992 am Amtsgericht in Meinerzhagen. Am 1. August tritt der Justizrat seinen Ruhestand an. 

Vielen Meinerzhagenern ist Harald Veit bekannt, wird in Verbindung mit dem alten Gebäude an der Gerichtsstraße gebracht, das schon von außen Seriosität ausstrahlt. Was jedoch ein Rechtspfleger tatsächlich mache, wüssten viele Menschen wiederum nicht, so Harald Veits Erfahrung. Dabei ist sein Arbeitsfeld vielfältig, beinhaltet beispielsweise Zwangsversteigerungen, Grundbuch- und Betreuungsangelegenheiten: „Man trifft zu 80 bis 90 Prozent auf einen Rechtspfleger oder eine Rechtspflegerin, wenn man zum Gericht kommt.“

Rechtspfleger repräsentieren als Beamte des gehobenen Justizdienstes das Gericht, gelten allgemein als „zweite Säule der dritten Gewalt“. Die Aufgaben, die ihnen vom Richter übertragen werden, erledigen sie eigenverantwortlich und sachlich unabhängig. „Sie sind, ebenso wie Richter, in ihren Entscheidungen frei von Weisungen, also nur an Recht und Gesetz gebunden. Genau das ist das Schöne an meinem Beruf“, beschreibt Harald Veit fest. 

Mehr Berufung als Arbeit

Das Meinerzhagener Amtsgericht, das Haus, wo Paragrafen und Rechtsprechung das A und O sind – für Harald Veit war es mehr als ein Arbeitsplatz: „Es war Teil meines Lebens“, steht für ihn fest. Großen Anteil daran haben die Kollegen, „ein gutes Team“, beschreibt der 65-Jährige. Eine kleine Behörde wie die in Meinerzhagen könne sonst nicht funktionieren, meint Veit. Er selbst habe schon früh eine „Ader für die Juristerei“ gehabt, sagt der Meinerzhagener.

Ein Studium kam 1973 nach dem Abitur am Evangelischen Gymnasium zunächst nicht in Frage. Eher durch Zufall habe er den Beruf des Rechtspflegers entdeckt, besuchte schließlich in Bad Münstereifel die Fachhochschule für Rechtspflege – „heute kann ich sagen, dass es mit 100-prozentiger Sicherheit die richtige Berufswahl war“, resümiert der Justizrat. 

Trotz Paragrafen und Vorschriften: Er habe stets versucht, im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen „möglichst wenig Bürokratie“ walten zu lassen. Einen Ermessensspielraum gebe es insbesondere im Betreuungsbereich. „Das habe ich sehr gerne gemacht“, betont Harald Veit. Wichtig sei es ihm gewesen, den Betroffenen helfen zu können, „ich habe daher großzügig entschieden“.

Sein Zuhause: Meinerzhagen

Dass Meinerzhagen sowohl beruflich als auch privat sein Lebensmittelpunkt ist – für Harald Veit war es eher ein Vorteil: „Ich bin hier geboren, kenne viele Menschen hier am Ort.“ Das habe – im positiven Sinne – manche Entscheidung beeinflusst. Probleme habe ihm seine berufliche Tätigkeit nie bereitet – auch wenn Beschlüsse negativ ausfielen und unangenehme Dinge in seiner Entscheidungsgewalt lagen. 

Dass Harald Veit 1992 mit einem Olper Kollegen die Arbeitsstätte Olpe gegen Meinerzhagen „tauschen“ konnte – ein Glücksfall. Nicht selten sei es passiert, dass er zuhause einen Anruf erhalten habe und um Rat gefragt worden sei. Verschwiegenheit ist die andere Seite seines Berufes. Erzählen könnte Harald Veit dabei vieles: „Ich habe lustige und traurige Sachen erlebt und einiges, das mich nachdenklich gestimmt hat.“

Viele Eigenschaften sind gefragt

Stattdessen berichtet er jedoch lieber, was ihm ein Vorgesetzter zu Beginn seiner Ausbildung prophezeit hatte. „Er hat gesagt, ich sei der denkbar Ungeeigneteste für diesen Beruf“, schmunzelt er. Entscheidungsfreude und Kontaktfreudigkeit seien wichtig in seinem Berufszweig. „Sensibilität ebenso, um auf die Belange der Menschen eingehen zu können.“ Häufig müsse man deeskalierend wirken, sei Prellbock: „Da braucht es Fingerspitzengefühl.“ 

Nicht nur beruflich hat Harald Veit einen hohen Dienstgrad, auch bei der Schützengesellschaft bekleidete er als Hauptfeldwebel in der Zeit von 1981 bis 2002 ein hohes Amt. Den blauen Kittel trägt er heute gern. Für Haus und Garten hat der Vater von zwei erwachsenen Kindern künftig mehr Zeit. Sein Sohn wohnt am Bodensee: „Da werde ich bestimmt öfter hinfahren, um meinen dreijährigen Enkel zu besuchen“, freut er sich. Seinen Ruhestand tritt er mit einem lachenden und einem weinenden Auge an. Viele Veränderungen stünden für seine Kollegen an, weiß Harald Veit. Für ihn steht aber rückblickend fest: „Ich habe gerne in meinem Beruf gearbeitet.“

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