Cannabis zwischen Tomaten in der Meinerzhagener City

Freispruch für 30-Jährigen im "Rauschmittel-Prozess"

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Fünf solcher Cannabis-Pflanzen entdeckten die Polizisten im Juni 2016 in der Innenstadt Meinerzhagens.

Meinerzhagen - Eine Drogenplantage mitten in Meinerzhagen: Diesen überraschenden Fund machten am 1. Juni vergangenen Jahres zwei Kriminalbeamte, die von einer Hinweisgeberin zu einer Wohnung in der Innenstadt gerufen worden waren.

Am Dienstag fand dazu eine weitere Verhandlung am Amtsgericht statt. Der Vorwurf der damaligen Hinweisgeberin: Der dort lebende Mann besitze nicht nur Drogen, sondern treibe sogar Handel damit. 

Mitten in der Innenstadt trafen sie den 29-Jährigen an, der mit seinen Eltern dort lebte. Zunächst jedoch die Ernüchterung: In den Räumen stießen die Ermittler lediglich auf ein selbst gebautes Rauchgerät, das die Vermutung zuließ, es handele sich bei dem Verdächtigen lediglich um einen Konsumenten. Drogen entdeckten die Beamten in den Zimmern des Mannes nicht.

Beim Verlassen des Hauses fiel den Polizisten jedoch ein provisorisches Gewächshaus ins Auge – Volltreffer. Zwischen Tomaten wuchsen und gediehen fünf Cannabispflanzen. Der 29-Jährige war an diesem Tag zwar nicht vor Ort, wurde durch den Vater aber als Besitzer der illegalen Pflanzen genannt.

Es folgten eine Anzeige und am 25. Oktober vergangenen Jahres ein erster Termin im Amtsgericht Meinerzhagen. Sagen wollte der Angeklagte damals zur Sache aber nichts. Und so kam es am Dienstag zu einem zweiten Gerichtstermin. 

Dieses Mal hatte der Richter die drei Ermittler, den Vater und die Tippgeberin als Zeugen geladen. Die drei Beamten berichteten übereinstimmend von der Auffindesituation der Pflanzen. Alle drei gaben an, dass der Vater des Angeklagten den Sohn als deren Besitzer benannt hatte.

Nun könnte man meinen, der Fall sei geklärt. War er aber nicht. Denn: Im Protokoll des Einsatzes war nicht vermerkt worden, dass der Vater über sein Zeugnisverweigerungsrecht als Angehöriger belehrt worden war. Die Ermittler erklärten, dass eine Belehrung in der Regel zwar vorgenommen würde, konkrete Erinnerungen daran, dass das auch am 1. Juni der Fall gewesen war, hatte aber keiner mehr.

Der Vater des Angeklagten nutzte am Dienstag das ihm zustehende Zeugnisverweigerungsrecht – und schwieg. Am Ende sprach das Gericht den mittlerweile 30-Jährigen und wegen Diebstahls, Betrugs und Verstoßes gegen das Waffengesetz Vorbestraften frei. 

Da der Mann nicht alleine in dem Haus gelebt habe, könnten die Pflanzen auch anderen Bewohnern gehört haben, so das Gericht. Und da nicht nachgewiesen werden konnte, dass der Vater belehrt worden war, sei seine Aussage vom Tag der Durchsuchung nicht als Beweis verwertbar.

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