Frauenpower in politischen Spitzenpositionen: Was denken heimische Ratsfrauen darüber?

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Ursula von der Leyen ist eine der Frauen, die aus den Reihen der CDU kommen und (bald) Spitzenposten bekleiden. 

Meinerzhagen - Frauenpower – die CDU macht es vor. Angela Merkel Bundeskanzlerin, Annegret Kramp-Karrenbauer neue Verteidigungsministerin und Ursula von der Leyen bald Präsidentin der mächtigen EU-Kommission. Lassen heimische Ratsfrauen ob dieser Entwicklung jetzt die Sektkorken knallen?

Nadine Blume sitzt für die CDU im Rat der Stadt Meinerzhagen. Sie hat eine eindeutige Meinung zu den Personalentscheidungen an den Schaltstellen der Macht: „Für mich als Frau ist das in der heutigen Zeit einfach bemerkenswert, sogar hervorragend.“ Lange hätten Frauen unter den Fittichen der Männer gestanden. Vor wenigen Jahrzehnten habe eine Frau noch die Erlaubnis ihres Ehemannes gebraucht, um eine Arbeit aufzunehmen oder ein Konto zu eröffnen, sagt sie und fügt hinzu: „Das hat sich grundlegend geändert. Ich würde mir jetzt noch wünschen, dass Frauen auch in Vorständen besser vertreten wären“, sagt Blume.

Sie attestiert jungen Frauen, heute viel selbstbewusster und offen für alles zu sein. Eine eigene Meinung zu Kramp-Karrenbauer und deren zukünftigem Job an der Spitze der Bundeswehr hat Nadine Blume noch nicht.

Ernennung von der Leyens ist die richtige Entscheidung

Was den Chefsessel in Brüssel angeht, auf dem bald Ursula von der Leyen sitzt, ist das anders: „Ich traue ihr das zu“, ist die Meinerzhagener Ratsfrau fest von den Qualitäten der Juncker-Nachfolgerin überzeugt.

Wirkt sich die Besetzung wichtigster Positionen in der Politik durch Frauen auch auf Meinerzhagen aus? Nadine Blume glaubt, dass das dann doch „zwei Paar Schuhe“ sind: „Hier vor Ort trauen sich viele Frauen wohl nicht, die Arbeit in Rat und Ausschüssen anzugehen. Sie haben Angst vor der zusätzlich Arbeit, neben dem Job und der Familie.

Und es ist richtig: Die Familie muss bei einem solchen Engagement mitspielen. Das alles organisatorisch unter einen Hut zu bringen, ist nicht einfach, das sehe ich auch bei mir selbst.“ „Aufregend und spannend.“

Auch die UWG ist positiv gestimmt

Heidrun Fuchs ist Ratsmitglied der UWG – und sie freut sich über die „Frauen an der Macht“. Und das, obwohl Angela Merkel nicht gerade ihre Lieblingspolitik betreibe. Die Gründe dafür, dass Frauen politische Spitzenpositionen bekleiden, sieht sie auch darin: „Sie haben vielleicht etwas mehr Ruhe, sind unaufgeregter als manche Männer. Vielleicht fällen sie ihre Entscheidungen auch mit mehr Empathie. Das bewundere ich auch an Angela Merkel.“

Ob das ein genereller Unterschied der Geschlechter ist, mag Heidrun Fuchs nicht beurteilen: „Das ist vielleicht naturgegeben, vielleicht aber auch nur Zufall.“ Auf jeden Fall ist für die Meinerzhagener Politikerin wichtig: „Frauen stellen etwa die Hälfte der Bevölkerung. Da möchte ich sie auch entsprechend repräsentiert sehen.“

Etwas in der Politik verändern

Ihre erste Überlegung, als sie vor Jahren in die Politik gegangen sei, war folgende: „Ich habe mir damals als Politiker immer Männer jenseits der 50 vorgestellt. Das wollte ich ein Stück weit ändern.“ Auf städtischer Ebene sieht sie für manche Frauen bei einem ehrenamtlichen politischen Engagement allerdings Probleme: „Das alles ist sehr zeitaufwendig. Und Mütter sind halt oft mehr in die Familie eingebunden als Männer. Das kann ich sehr gut beurteilen, weil ich drei Kinder habe und deshalb lange ständig auf Achse war. Das ist bei Spitzenpolitikerinnen sicherlich anders, die haben ein anderes Umfeld, andere Voraussetzungen. Da ist bestimmt immer ein Kindermädchen zur Stelle.“

Mehr Mut der Frauen wünschenswert

Dass sich immer noch viele Frauen davor scheuen, Politik zu machen, findet Heidrun Fuchs schade: „Denn dadurch bleiben schließlich auch deren besondere Fähigkeiten auf der Strecke.“

Ratsfrau Margit Ostermann (SPD) kann die Diskussion um das Geschlecht von Spitzenpolitikern nicht verstehen: „Das ist doch vollkommen egal, die Kompetenz ist entscheidend.“ Und die spricht sie zumindest Ursula von der Leyen und Annegret Kramp-Karrenbauer ab. „Kungelei und Vitamin B“, das sind für sie in diesen Fällen Gründe für die Berufung in Spitzenämter.

„Ich vertraue übrigens Männern genauso wie Frauen“, fügt Margit Ostermann hinzu. Dass sie sich auf kommunaler Ebene dennoch die eine oder andere Frau zusätzlich im Rat wünscht, daraus macht die SPD-Kommunalpolitikerin aber auch keinen Hehl.

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