Mit dem Zuckerfest endet ein Monat voller Verzicht

Erstmals lud die Ditip-Gemeinde in Meinerzhagen dazu ein, das Fasten während des Ramadan in Gemeinschaft mit anderen Gläubigen zu brechen. Die Resonanz auf das neue Angebet war überwältigend. - Foto: Schüller

MEINERZHAGEN - Einen Monat lang haben die gläubigen Muslime überall auf der Welt zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang gefastet. Heute endet diese Zeit des Verzichts, des intensiven Koranstudiums und der Besinnung mit dem großen Ramadanfest, das auch „Zuckerfest“ genannt wird.

Der Vorplatz der Moschee am Siepener Weg wurde in den vergangenen Wochen immer abends zum Treffpunkt für mehrere Hundert Gläubige, die hier gemeinsam das Fasten brachen. Die Organisatoren der türkisch-islamischen Ditip-Gemeinde in Meinerzhagen trauten ihren Augen kaum, als sie die überwältigende Resonanz sahen. „Wir haben das Zelt für die Gäste zweimal erweitert“, erzählt Aslihan Aktas, Dialogbeauftragte und Mitglied im Vorstand der Gemeinde. „Als das nicht reichte, haben wir ein zweites Zelt aufgestellt.“

Dennoch fanden an den Wochenenden nicht immer alle Besucher einen Sitzplatz. Das Angebot des gemeinsamen Fastenbrechens im „Ramadanzelt“ wurde in Meinerzhagen zum ersten Mal organisiert. „Wir wussten nicht wie es angenommen wird und haben vorsichtig mit 50 bis 100 Gästen gerechnet“, erzählt auch Zafer Eroglu, stellvertretender Vorsitzender des Moscheevereins, mit einem Schmunzeln. Doch die Resonanz übertraf die Erwartungen bei Weitem. Jeden Abend kamen zwischen 200 und 400 Muslime zur Moschee, einmal waren es sogar 480. „Obwohl wir eine türkisch-islamische Gemeinde sind, waren viele Nationalitäten vertreten“, freut sich Aktas.

Sorge, dass die Arbeit den Mitgliedern der Gemeinde über den Kopf wachsen könnte, musste niemand haben. „Sehr viele Helfer haben sich eingebracht“, sagt sie. Tische decken, dekorieren, spülen, aufräumen oder beim Servieren helfen – für all diese Aufgaben standen Freiwillige bereit, die sich zuvor in Listen eingetragen hatten. Denn während des Fastenmonats sind die Gläubigen ganz besonders darum bemüht, Gutes zu tun und sich für ihre Mitmenschen einzusetzen. Andere Gemeindemitglieder spendeten Geld für die 30 Tage währende Aktion.

In kulinarischer Hinsicht hatten die Meinerzhagener einen ausgewiesenen Spezialisten an ihrer Seite: Profikoch Seyfettin Kaya reiste für einen Monat aus der Türkei an und verwöhnte die Gäste mit türkischen Spezialitäten. Kaya arbeitet normalerweise als Koch im türkischen Ministerium für religiöse Angelegenheiten in Istanbul. Das Fasten wird traditionell mit dem Genuss einer Feige gebrochen, „damit sich der Magen langsam wieder an die Spiesen gewöhnt“, erklärt die Dialogbeauftragte. Danach gab es beispielsweise Linsensuppe, das Rindfleischgericht „Taskebap“ aus dem Tontopf und natürlich Süßes, wie etwa „Baklava“ – ein Gebäck aus Blätterteig, gefüllt mit gehackten Walnüssen, Mandeln oder Pistazien.

Am Montag waren auch einige nicht-muslimische Gäste, wie Bürgermeister Erhard Pierlings und Oliver Drenkard, Geschäftsführer der Meinerzhagener Baugesellschaft, ins „Ramadanzelt“ eingeladen. Für die deutschen Besucher hatte der Koch zusätzlich einen großen kunstvoll verzierten Obstteller vorbereitet.

Der stellvertretende Vorsitzende Zafer Eroglu und Aytac Emrecan, ehemaliges Vorstandsmitglied, hießen die Gäste herzlich willkommen, bevor der Bürgermeister das Wort an die Besucher richtete. „Sie leisten einen wichtigen Beitrag der Verständigung zwischen ihrer muslimischen Gruppe und den Meinerzhagener Poahlbürgern“, betonte er. Nach dem großen Erfolg des gemeinsamen Fastenbrechens steht schon jetzt fest: Das Ramadanzelt wird auch im kommenden Jahr wieder aufgestellt und lädt die Muslime dazu ein, in der Gemeinschaft zu essen und zusammen das Nachtgebet zu sprechen. - Von Petra Schüller

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