Sexueller Missbrauch: Lange Haftstrafe

Die 1. große Strafkammer des Landgerichts Hagen verhängte eine lange Haftstrafe.

MEINERZHAGEN -   Keine Zweifel an den Aussagen der beiden Hauptbelastungszeuginnen hatte die 1. große Strafkammer des Landgericht Hagen: Wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in acht Fällen verurteilte sie einen 54-jährigen Düsseldorfer zu einer Haftstrafe von sieben Jahren und neun Monaten.

Von Thomas Krumm

Sechs der abgeurteilten Taten wurden als „schwerer“ sexueller Missbrauch mit Einzelstrafen zwischen dreieinhalb und viereinhalb Jahren eingestuft. Der Angeklagte bestritt bis zuletzt, dass er sich in der Zeit zwischen Oktober 1997 und Dezember 1999 in Meinerzhagen an seinen Stieftöchtern vergangen habe: „Ich bin nicht schuldig“, beteuerte er in seinem Schlusswort.

In seiner Urteilsbegründung machte der Vorsitzende Richter Marcus Teich deutlich, dass das Gericht davon überzeugt war, dass der Angeklagte seine jüngere Stieftochter in dieser Zeit mit großer Intensität missbraucht hatte: „Wir gehen davon aus, dass es viel mehr Taten gewesen sind“, sagte der Richter. Davon hätten sich aber nur wenige konkretisieren lassen. Das Gericht empfand die Zeuginnen aber als derart glaubwürdig, dass die Kammer kein Glaubwürdigkeitsgutachten gebraucht hätte, um zu der Überzeugung zu kommen, „dass der Angeklagte diese Taten tatsächlich begangen hat“. Trotz des hohen Strafmaßes wurde der schwer erkrankte Angeklagte nach der Urteilsverkündung nicht in Haft genommen.

Schon jene Fälle, die sich in das Gedächtnis der Hauptbelastungszeugin eingebrannt hatten, machten deutlich, dass der Angeklagte keine sexuelle Praxis ausgelassen hatte.

Dabei war das Strafverfahren nur sehr zögerlich in Gang gekommen: Die Hauptgeschädigte, die zum Zeitpunkt des Beginns der Übergriffe erst elf Jahre alt war, hatte zunächst überhaupt kein Interesse gezeigt, „den Familienverband durch eine Anzeige zu sprengen“. Erst als ihre ältere Schwester davon berichtete, dass der Stiefvater das Gleiche mit ihr versucht hatte, änderte sich die Situation. Doch zu einer Anzeige bei der Polizei kam es erst 2011, als eine der leiblichen Töchter des Angeklagten mitbekam, was in der Familie losgewesen war. Daraufhin drohte sie, ihren Vater mit ein paar Freunden zu „besuchen“ und die Angelegenheit auf unkonventionelle Weise zu regeln. Die Mutter hatte sich erst sehr spät auf die Seite ihrer Töchter geschlagen. Nach ihrem fluchtartigen Umzug von Meinerzhagen nach Dortmund hatte der Angeklagte seine Frau und die Kinder solange belagert, bis er wieder Einlass fand.

Die beiden Stieftöchter fühlten sich von der Mutter verraten, zogen daraufhin zügig aus und litten Höllenqualen. Die Hauptgeschädigte kapitulierte kurz vor dem Abitur. „Beide Schwestern haben einen regelrechten Absturz erlebt“, beschrieb Richter Marcus Teich die Situation.

Im Strafmaß folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwältin. Verteidiger Lars Barnewitz beantragte einen Freispruch, hilfsweise eine Bewährungsstrafe, und Opferanwältin Manuela Pohl hielt acht Jahre Haft für den Angeklagten für absolut angemessen.

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