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Prozess gegen Waffennarr aus Meinerzhagen wird fortgesetzt

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Von: Thomas Krumm

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Der Prozess gegen einen 67-jährigen Meinerzhagener Waffennarr wird fortgesetzt.
Der Prozess gegen einen 67-jährigen Meinerzhagener Waffennarr wird fortgesetzt. © Mediasuite

Mit einem Neustart ist im Landgericht Hagen der Prozess gegen einen 67-jährigen Meinerzhagener wieder aufgenommen worden, dem Verstöße gegen das Waffengesetz und gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz sowie illegaler Waffenhandel vorgeworfen werden.

Meinerzhagen/Hagen – Ende Juli hatte die 6. große Strafkammer das Verfahren ausgesetzt, weil der 67-Jährige von Alkohol- und Drogenmissbrauch berichtet hatte. Zeugen aus seiner Familie hatten den exzessiven Alkoholkonsum bestätigt. Neben einer Haftstrafe kommt deshalb auch die Einweisung in eine forensische Entzugsklinik in Betracht. Um darüber qualifiziert zu entscheiden, braucht die Kammer ein psychiatrisches Gutachten, das nunmehr bei einem erfahrenen Psychiater und Psychotherapeuten in Auftrag gegeben wurde.

Angeklagter äußert sich

Zum Auftakt der geplanten sechs Strafsitzungen äußerte sich der Angeklagte erstmals detailliert zu den Vorwürfen. Laut Anklage soll er unbrauchbar gemachte Pistolen und Kriegswaffen gekauft, wieder funktionstüchtig gemacht und anschließend verkauft haben. In der Liste befinden sich unter anderem Pistolen, Sturmgewehre, eine halb automatische Selbstladepistole, ein Maschinengewehr und sehr viel Munition.

Geld zur Finanzierung von Cannabis und Alkohol

Vor Gericht zeichnete der 67-Jährige nun ein abweichendes Bild von seinen Aktivitäten. Es zeigte ihn als Waffennarr und -fetischisten sowie – zugegebenermaßen – als Vermittler einiger Waffengeschäfte, die ihm bisher als seine eigenen Geschäfte vorgeworfen wurden. „Ich habe geholfen, das zu verkaufen. Das ist meine Schuld“, gab er zu und bestätigte, dass er mit diesen Vermittlungen Geld zur Finanzierung von Cannabis und Alkohol verdient habe. Auch durch eine Insolvenz und zur Wiedererlangung der Fahrerlaubnis sei „jede Menge Geld draufgegangen“. Einige Waffen habe er zwar auch selber zum Kauf angeboten, aber nie verkauft. Andere bezeichnete der Angeklagte als „Schrott“.

Das ist insofern gar nicht so abwegig, als auch die Anklage ein „nicht schussfähiges“ Maschinengewehr und „verschiedene, zum Teil korrodierte und zerlegte Teile von weiteren Waffen“ auflistet. Da kann von einer „Vollautomatik“ nicht mehr ernsthaft die Rede sein.

Werkstatt im Keller

Fotos zeigten die ordentliche und aufgeräumte Wohnung des 67-Jährigen, der – auch aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit – offenbar weit entfernt war von einer möglichen Verwahrlosung aufgrund von Alkohol- und Drogenexzessen. Viele der von ihm gehorteten Schusswaffenbauteile mögen auf den ersten Blick Schrott gewesen sein. Im Keller seines Hauses befand sich aber eine bestens ausgestattete Werkstatt, in der er laut Anklage Dekorationswaffen wieder funktionstüchtig machte, um sie zu verkaufen.

Der Vorsitzende Richter Christian Potthast zeigte sich vor dem Hintergrund der bisherigen Ermittlungsergebnisse skeptisch hinsichtlich der Distanzierung des Angeklagten von den ihm vorgeworfenen Waffengeschäften. Er staunte, dass die Darlegungen des 67-Jährigen nahelegen, dass die Ermittlungsergebnisse weitgehend falsch sein und die Vorwürfe der Anklage nicht stimmen sollen.

Der Prozess gegen den Meinerzhagener wird am Dienstag, 4. Oktober, fortgesetzt.

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