Findiger Anwalt rettet Führerschein

Meinerzhagen - Nicht nur ein Fußballprofi des BVB fährt gerne Auto, ohne einen Führerschein zu besitzen. Auch ein heute 24-Jähriger aus Meinerzhagen war gerne schnell und ohne Erlaubnis unterwegs. Im Gegensatz zu Marco Reus hat sich der junge Mann aus dem Volmetal aber nicht nur einmal erwischen lassen. Dreimal wurde er bereits gestellt und zu teils empfindlichen Strafen verurteilt. Immer wieder musste er hohe Geldbußen zahlen, einmal sogar in den Jugendarrest.

Von Johannes Becker

Im vergangenen Jahr stand er erneut vor dem Meinerzhagener Amtsgericht. Zuvor war er im Juni mit einem Motorrad in Meinerzhagen unterwegs und dabei beobachtet worden. Vor Gericht hatte er diese Fahrt im Herbst noch geleugnet und etliche Zeugen benannt, die dieses auch bestätigen könnten. Um diese Zeugen zu hören, wurde ein neuer Verhandlungstermin anberaumt, der nun stattfand. Zu dieser Verhandlung hatten sich auch etliche Zeugen eingefunden. Diese mussten aber letztlich nicht gehört werden. Die Gründe dafür lagen in einem findigen Anwalt, einer freundlichen Staatsanwältin und einem verständnisvollen Richter.

Denn noch vor der Verhandlung hatte Rechtsanwalt Harald Kröning das Gespräch mit Staatsanwältin und Richter gesucht, um sich zu verständigen. „Der Mann ist auf einem guten Weg, nach all dem Mist, den ich mit ihm hier schon erlebt habe“, machte er eindringlich klar. So habe der Angeklagte nach dem letzten Termin sowohl seinen Motorrad- als auch seinen Pkw-Führerschein bekommen, befinde sich im dritten Ausbildungsjahr und besuche derzeit erneut die Fahrschule, um einen Lkw-Führerschein zu machen, den er für seinen Job brauche. Und so war es auch die größte Sorge des Verteidigers, dass dem jungen Mann bei einer Verurteilung der Führerschein abgenommen werde. Denn dies ist keine unübliche Strafe bei Verkehrsdelikten. Da er die Führerscheinprüfung jedoch erst nach der letzten Verhandlung abgelegt hatte, sah der Anwalt rechtlichen Spielraum, damit sein Mandant den „Lappen“ behalten könne.

Die Staatsanwältin war nicht abgeneigt, fragte allerdings verwundert nach dem Straßenverkehrsamt, das dem jungen Mann bei dessen Vorgeschichte überhaupt einen Führerschein ausgestellt hat. Richter Guido Varney, der diese Frage mit „der Märkische Kreis“ beantworten konnte, beließ dem Angeklagten schließlich seine Fahrerlaubnis, nachdem dieser sich zu seiner Tat bekannt hatte. Allerdings nicht, ohne diesen darauf hinzuweisen, dass der Täter die Zeugen in große Schwierigkeiten hätte bringen können, wenn diese falsche Aussagen gemacht hätten. Er schloss mit den Worten: „Dass sie jetzt einen Führerschein haben, freut mich fast genauso wie Sie, denn dann habe ich Sie nicht mehr ständig wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis hier sitzen.“

Ganz billig wurde aber die Verhandlung für den Angeklagten nicht. Er muss 2500 Euro Strafe zahlen (100 Tagessätze à 25 Euro). Keine geringe Summe bei einer Ausbildungsvergütung von 800 Euro monatlich – und einer schwangeren Freundin.

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