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Raub im „Kaffeeklatsch“: „Der hätte uns alle umgebracht“

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Von: Thomas Krumm

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Am 10. Juni des vergangenen Jahres überfielen drei Männer das Café „Kaffeeklatsch“. Alle Täter stehen mittlerweile vor Gericht.
Am 10. Juni des vergangenen Jahres überfielen drei Männer das Café „Kaffeeklatsch“. Alle Täter stehen mittlerweile vor Gericht. © Holzhüter

Mit einem Geständnis des Angeklagten hat im Landgericht Hagen der Prozess gegen einen 21-jährigen Mann begonnen, der am 10. Juni 2022 um 23.15 Uhr gemeinsam mit zwei Mittätern das Café „Kaffeeklatsch“ überfallen hatte.

Meinerzhagen/Hagen – Zuvor sei er mit seinem Cousin und einem weiteren Bekannten auf der Knapper Straße in Lüdenscheid unterwegs gewesen, erinnerte sich der Angeklagte. Dann seien sie mit dem Auto herumgefahren.

Einer der Mitfahrer habe ihn massiv unter Druck gesetzt und zu dem gezwungen, was dann kam: „Du tust, was ich dir sage – sonst töte ich dich.“ Ja, er habe diese Drohung ernst genommen, versicherte der Angeklagte auf Nachfrage.

Zunächst war Tankstellen-Überfall geplant

Als erstes mögliches Ziel eines Raubüberfalls kam eine Tankstelle in den Blick. Dieser Plan scheiterte an einer zu großen Anzahl von Kunden – ebenso wie die Idee, eine Spielhalle zu überfallen. „Das ging nicht, weil die zu voll war“, erklärte der Angeklagte. Das Café „Kaffeeklatsch“ kam also eher zufällig in den Blick der Räuber.

Der Treffpunkt hatte in jener „Nacht der offenen Kneipen“ ausnahmsweise bis 23.30 Uhr auf. Die Inhaberin des Cafés unterstrich den Eindruck des Polizeizeugen: „Es war Zufall, dass diese umherziehende Horde gesehen hat: Da ist noch Licht!“

Messer gegen Bauch gehalten

Sie erinnerte sich daran, wie der Haupttäter ihr ein Messer vor den Bauch gehalten und gefragt hatte: „Wo ist Kasse?“ Diesen Beschuldigten, der sich derzeit in einem anderen Strafverfahren wegen zahlreicher weiterer Raubüberfälle verantworten muss, nahm sie nicht nur wegen des gezückten Messers als extrem gefährlich wahr: „Die Brutalität in den Augen war schon beeindruckend.“ Die Zeugin fügte noch hinzu: „Die hätten mich auch für fünf Euro umgebracht.“

„Der hätte uns alle umgebracht“

Ein weiterer Zeuge bestätigte den Eindruck, den der Mann mit dem Messer machte: „Der war in einem Tunnel. Der hätte uns alle umgebracht.“ Die tatsächliche Beute lag letztlich – ausweislich der Kassenbilanz – bei 523,47 Euro. Sie befanden sich in einer erbeuteten Geldbörse, die die Täter aus einer Kassenschublade entnommen hatten.

Auch an den Angeklagten erinnerte sich die Café-Betreiberin noch: Er blieb an der Tür des Cafés stehen und richtete auf Zuruf des Mannes mit dem Messer eine Pistole auf eine Besucherin, die zum Handy greifen wollte, um die Polizei anzurufen. „Das habe ich mal ganz schön gelassen“, erinnerte sich diese Zeugin. Die Inhaberin erinnerte sich noch an das „Glück“, dass der Angeklagte nach dem Überfall mit seiner Pistole als erster das Café verließ.

Es erleichterte die Ermittlungen, dass er beim Aufstoßen der Tür einen Fingerabdruck hinterließ. Das passt zum Eindruck eines Gastes, der das Verhalten des Angeklagten als „semiprofessionell“ beschrieb. „Er war sehr nervös. Ich hatte Angst, dass er mit der Schusswaffe nicht richtig umgehen kann.“

Alle Zeugen zeigten sich nachhaltig geschockt von dem Überfall. Sie berichteten von einigen schlaflosen Nächten, aber auch einer gewissen Erholung seit dem Sommer. An den Öffnungszeiten habe sich nichts geändert. „Man darf sich nicht einschüchtern lassen“, stellte die Inhaberin fest. Die Zeugen berichteten aber auch von einem durch den Überfall ausgelösten Misstrauen gegenüber Zuwanderern: „Man nimmt Menschen mit Migrationshintergrund anders wahr“, sagte einer der Gäste jenes Abends. Er sei „kein Rassist“, versicherte ein weiterer Gast durchaus glaubwürdig. Aber auch er bestätigte den Eindruck: „Wenn Personen vorbeigehen – man schaut sie sich näher an.“

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