Was passierte auf der Marienheider Straße in Meinerzhagen und was nicht?

Knall? Schwitzkasten? Drohungen? Juni-Nacht bleibt vor Gericht im Dunkeln

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Symbolbild

Meinerzhagen - „Die Sache ist schwieriger, als die Anklage erscheint“, fasste die Vertreterin der Staatsanwaltschaft am Dienstag einen Prozess im Amtsgericht Meinerzhagen zusammen.

Tatsächlich gestaltete sich die Aufklärung des Sachverhalts kompliziert. Auf der Anklagebank ein 21 Jahre alter Mann aus Wipperfürth. Er war in der Nacht des 3. Juni vergangenen Jahres mit seiner Freundin zu Fuß an der Marienheider Straße in Meinerzhagen unterwegs. 

Laut Vorwurf hatte er einem entgegenkommenden Fahrzeug einen Gegenstand auf die Motorhaube geworfen. Das stritt der Mann jedoch ab. 

Er sei von einer Party gekommen, hatte auch etwas getrunken. Sie seien auf dem Seitenstreifen gelaufen. Plötzlich habe ein Wagen hinter ihnen angehalten. Der Fahrer sei ausgestiegen und habe dem 21-Jährigen vorgeworfen, etwas nach ihm geworfen zu haben. Dann habe ihn der Mann in den Schwitzkasten genommen und gedroht, ihn zu schlagen.  Geworfen habe er jedenfalls nichts, beteuerte der Angeklagte. 

Gab es jetzt eine Wurfbewegung oder nicht?

Auch die Beifahrerin des Autos beteuerte ihre Aussage: Dass sie beobachtet habe, wie der Angeklagte eine Wurfbewegung gemacht hätte. Dann habe es einen Knall gegeben. 

In den Schwitzkasten hätte ihr Mann den 21-Jährigen aber nicht genommen, diesen allerdings festgehalten, weil er habe fliehen wollen. Der Fahrer bestätigte diese Aussage. Er selbst habe keinen Wurf gesehen, aber den Knall gehört.

Kein Wurfgeschoss und kein Schaden - oder doch?

Die hinzugerufenen Polizeibeamten konnten vor Ort weder ein Wurfgeschoss noch einen Schaden am Wagen feststellen. Allerdings, so eine Polizistin im Zeugenstand, sei es auch dunkel gewesen. 

Am nächsten Tag hatte der Fahrer eine kleine Beschädigung entdeckt und gemeldet. Von Schwitzkasten und Bedrohungen sei keine Rede gewesen, erklärten beide Polizisten im Gericht. 

Bewusst Unwahrheit gesagt - oder nicht?

Die Freundin des Angeklagten gab an, der 21-Jährige habe nichts geworfen. Am Ende konnte der Richter nicht sagen, dass eine der beteiligten Seiten bewusst die Unwahrheit gesagt hatte.

Bezüglich des Paares im Auto ging er aufgrund einer Geschwindigkeit von etwa 70 Kilometern pro Stunde von einem kurzen Moment des Beobachtens aus. Und so hätten sich möglicherweise wirklich Gesehenes mit von dem Paar als logisch vermutetem Geschehen vermischt. 

Natürlich sei es irrer Zufall, so der Vorsitzende, dass genau in dem Augenblick, wo es einen Knall gibt, der Angeklagte und seine Freundin am Straßenrand entlang gingen. Der Schaden könne aber auch ganz anders entstanden sein. 

Letztlich gelte der Grundsatz: „Im Zweifel für den Angeklagten.“ Ergebnis: Freispruch.

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